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Die Moiedtjes-Teiche

Dieses kleine, 2003 erstmals ausgewiesene Naturschutzgebiet besteht aus über 30 unterschiedlich großen  Gewässern, Röhrichten, feuchten Hochstaudenfluren und naturnahen Weichholzgebüschen unterschiedlicher Altersstadien. Ein Teil der durch Abgrabungen entstandenen Gewässer werden überwiegend extensiv beangelt. Westlich der Straße „Am Moddeich“, die das Gebiet teilt, werden die Gewässer nicht genutzt. Hier soll sich die Natur frei entfalten. Von Südosten nach Nordwesten durchzieht ein Graben das Naturschutzgebiet. Östlich eines ehemaligen Bahdamms von Elten nach Kleve gehören außerdem eine Wiese und ein kleiner Pappelforst zum Schutzgebiet.
Die Bezeichnung des Naturschutzgebietes Die Moiedtjes geht auf die Flurbezeichnung von etwa 12 Hektar des zentralen Teils des Schutzgebietes zurück. Das Schutzgebiet geht jedoch darüber hinaus.

 

Früher und heute

Nur eines der heute vorhandenen Gewässer hat eine natürliche Entstehungsgeschichte. Noch heute ist erkennbar, dass die Straße „Am Moddeich“ leicht erhöht liegt. Bereits vor dem Bau der Straße gab es hier einen „Moddeich“, einen einige Dezimeter hohen Damm („deich“) aus Lehm („Mod“), der Hüthum vor dem Einströmen von Wasser von der Wild und dem Deichdurchlass bei der erst 1959 geschlossenen Lobither Krippe bewahren sollte. Waren die Hochwässer so stark, dass entweder der Hauptdeich am Rhein brach und in dessen Folge der Moddeich von Osten oder aber von Westen über die Lobither Krippe und die Wild überströmt wurde, so bildeten sich tiefe, wassergefüllte Ausspülungslöcher mal auf der einen, mal auf der anderen Seite des Moddeichs. Eine dieser sogenannten „Wooyen“ bzw. „Kolke“, die um 1800 entstand, ist westlich der Straße „Am Moddeich“ noch zu erkennen.
Alle anderen Gewässer entstanden auf ehemaligem Ackerland durch Abgrabungen. Vor der Erstellung von Deichen hat sich in der Aue in hunderten Jahren bei jedem Hochwasser Lehm über den Sanden der Niederterrasse abgelagert. So auch im Bereich der Moiedtjes. Der Abbau des Lehms begann etwa 1865 mit dem Bau des Damms für die Eisenbahn, die bis Mitte letzten Jahrhunderts nur wenige hundert Meter südlich der Moiedtjes über den Rhein nach Salmorth führte. Die Teiche zwischen der Straße „Am Moddeich“ und der niederländischen Grenze entstanden um 1903, indem Lehm für die Ziegelherstellung von Hand gestochen wurde. Die Lehmgewinnung setzte sich bis etwa 1952 fort.

Schutzziele und die Arbeiten der NABU-Naturschutzstation Niederrhein

Im Gebiet Die Moiedtjes sollen vor allen Dingen Tiere, Pflanzen und Lebensräume geschützt werden, die überregional von Bedeutung sind, weil sie selten oder gefährdet und typisch für den Landschaftsraum sind. Dazu zählen insbesondere heimische Fische, Libellen und andere Wasserinsekten, Amphibien, gewässergebundene Vogelarten und gefährdete Pflanzengesellschaften wie zum Beispiel des Südlichen Wasserschlauchs, des Tannenwedels oder von Schwimmlebermoosen. Der Lebensraum für diese Arten und Artengemeinschaften sollen im Naturschutzgebiet Die Moiedtjes erhalten und gefördert werden. Wenn die Lebensumstände („Habitatbedingungen“) für diese Tiere und Pflanzen suboptimal sind oder sich verschlechtern, sollen Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen ergriffen werden.
Die NABU-Naturschutzstation Niederrhein übernimmt im Auftrag des Landes NRW seit 2013 die Aufgabe Sorge für die Erreichung dieser Naturschutzziele zu tragen. Dazu gehört zunächst, die Arten und Lebensräume in regelmäßigen Abständen zu erfassen, für die dieses Schutzgebiet eingerichtet wurde. Die erhobenen Daten werden vor dem Hintergrund der vorhandenen Lebensraumbedingungen und der Ökologie der einzelnen Arten ausgewertet. Hieraus werden Vorschläge für die Verbesserung der Lebensräume entwickelt und in Absprache mit Behörden und Flächeneigentümern umgesetzt.

Vogelwelt

Bisher konnten nur recht gewöhnliche Arten, die in vielen Lebensräumen zurecht kommen wie Stockenten und Blässrallen, Reiher- und Schnatterente oder die in vielen Gebieten zunehmenden Grau-, Niel- und Kanadagänse nachgewiesen werden. In den Röhrichten brüteten 2013 ein Teichrohrsänger und drei Sumpfrohrsänger. Ziel ist es, insbesondere Vögel der Gewässer, Ufer und Verlandungszonen in dem Gebiet zu fördern.

 

Besondere Bedeutung hat das Schutzgebiet für Vögel der Hecken, Gebüsche und Säume. So kommen mit Mönchs-, Garten-, Dorn- und Klappergrasmücke sowie dem gefährdeten Gartenrotschwanz und dem gefährdeten Kuckuck zahlreiche Arten diese sogenannten „Gilde“ vor. Die Ansiedlung von fünf Paaren der gefährdeten Nachtigall in 2013 ist besonders erfreulich.

Libellen

Im Gebiet kommen insgesamt 25 Libellenarten vor, darunter auch Besonderheiten wie die gefährdete Braune Mosaikjungfer oder die vom Aussterben bedrohte Keilfleck-Mosaikjungfer. Eine Besonderheit ist auch das Vorkommen des stark gefährdeten Spitzenfleck, der große, sonnige Stillgewässer mit guter Wasserqualität und meist gute entwickelter Röhrichtzone und Ufergehölzen in Auen von Tieflandflüssen besiedelt und somit sehr spezielle Anforderungen an seinen Lebensraum stellt.

Biber

An und um die Moiedtjes-Teiche lebt außerdem eine Familie des Bibers. Nahezu alle Gewässer sind durch Trampelpfade, sogenannte „Biberrutschen“, miteinander verbunden. Mit ihrer Eigenschaft, insbesondere für den Winter-Futtervorrat Bäume zu fällen, gestalten Sie die Landschaft maßgeblich mit – nicht immer zur Freude der Eigentümer und Nutzer der Gewässer. Im Sommer hingegen ernähren sich die nachtaktiven Biber vorwiegend von Wasserpflanzen. Es kam jedoch schon vor, dass sie auf den angrenzenden Feldern Mais oder Zuckerrüben ernteten. Weiter als einige Meter bewegt sie sich dabei jedoch nicht vom Gewässer weg, damit sie bei Gefahr schnell flüchten können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Info

Das Naturschutzgebiet Moiedtjes-Teiche liegt nahe an der deutsch-niederländischen Grenze und den beiden bedeutenden Naturschutzgebieten Emmericher Ward (D) und Rijnstrangen (NL). In dem Gebiet gibt es mehr als 30 kleine und mittelgroße Gewässer, die als Frischzucht- und Angelgewässer sowie durch Abgrabungen von Sand und Ton entstanden.

 

Die NABU-Naturschutzstation Niederrhein koordiniert das naturkundliche Monitoring und entwickelt für die landeseigenen Flächen im nördlichen Gebietsteil Maßnahmen zur Aufwertung des Gebietsteils.

 

Ansprechpartner

 

Christian Langner

 

Telefon: 02826-91876119

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