Das Naturschutzgebiet Rindernsche Kolke

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Ansprechpartner in der NABU-Naturschutzstation Niederrhein: Jonas Linke, Dr. Andreas Barkow

Inhalt

  1. Einleitung
  2. Entstehung
  3. Nutzungen
  4. Die Vogelwelt
  5. Amphibien
  6. Libellen
  7. Die Pflanzenwelt
  8. Ziele der NABU-Naturschutzstation
Lage des NSG Düffel

Einleitung

Das Untersuchungsgebiet "Rindernschen Kolke" liegt in der Landschaft der "Düffel". Als "Düffel" wird das linksrheinische Niederungsgebiet zw. Kleve und Nijmegen bezeichnet; es umfasst grenzüberschreitend eine Fläche von über 10.000 ha. Sie wird im Osten von einer Altstromrinne, die an den Orten Rindern, Düffelward und Keeken vorbeiführt, und im Norden durch den Rhein bzw. Waal begrenzt. Im Süden endet die "Düffel" an der Stauchendmoräne des Saaleeiszeit-Gletschers, eine Folgeerscheinung der Ausräumung und des Zusammenschiebens der Sedimente der Rheinaue. Teile des Naturraumes "Düffel" wurden 1987 als Naturschutzgebiete ausgewiesen: Zum einen wurde das NSG "Düffel, Kellener Altrhein und Flußmarschen" auf einer Gesamtfläche von 3.800 ha eingerichtet, zum anderen das Naturschutzgebiet "Salmorth", dem auch das Gebiet der Rindernschen Kolke zugeordnet wurde. Das gesamte NSG "Salmorth" umfaßt etwa 1.170 ha, wovon ca. 80 ha zu dem Teilgebiet "Rindernsche Kolke" gehören . Im Norden wird das Untersuchungsgebiet durch den Banndeich begrenzt, im Westen verläuft ein Großteil der Grenze entlang des "Drususdeichs". Südlichster Teil des Untersuchungsgebietes ist eine Abgrabung, die in das Klever Gewerbegebiet hineinragt. Die Ostgrenze verläuft in etwa parallel zum "Zweistrom" zwischen den Höfen "Gut Heereward" und "Frankenhof".

Entstehung

Die für das Gebiet östlich von Rindern charakteristischen Kolke entstanden hauptsächlich durch Deichbrüche bei Hochwasser. Das Wasser floss nach solchen Ereignissen mit hoher Strömungsgeschwindigkeit durch die Bruchstelle und verursachte hinter dem Deich durch Strudelwirkung eine Auskolkung, d.h. ein Loch aus dem das Bodenmaterial herausgespült wurde. Das ausgewaschene Material wurde im Hinterland als Schwemmkegel abgelagert. Bei der Wiederherstellung der Deiche wurden die zum Teil sehr tiefen Kolke nicht wieder verfüllt sondern das neue Deichstück um die neu entstandenen Kolke herumgeführt. So kam es zu der ungewöhnlich geschwungenen Deichlinie. Es gibt jedoch noch zwei weitere mögliche Arten, wie Kolke gebildet werden können. Entweder durch eine Unter- oder eine Überspülung des Deiches bei Überflutung. In beiden Fällen kann ebenfalls durch die Wasserkräfte soviel Boden abgetragen werden, dass eine Auskolkung entsteht. Ein Großteil der so entstandenen Kleingewässer ist wieder aus der niederrheinischen Landschaft verschwunden, da sie verfüllt wurden oder wieder verlandet sind. Die Kolke waren schon immer nährstoffreich, da sie inmitten landwirtschaftlich genutzter Flächen liegen, jedoch nicht unbedingt eutroph, da keine Dünger-/Abwassereinleitungen bestanden. Es konnte sich eine artenreiche Vegetation mit sehr seltenen Pflanzen ausbilden.

Nutzungen

Das Gebiet der Rindernschen Kolke wird landwirtschaftlich genutzt. Vorherrschend ist die Grünlandnutzung als Weide für Rinder und Pferde. Westlich des Tweestroms weidet eine Mutterkuhherde der Rasse Charolais, nordwärts grasen Pferde. Östlich des Tweestroms werden auf der Südhälfte Milchkühe, auf der Nordhälfte Pferde gehalten. Daneben gibt es einzelne Bereiche, die als Mähweide genutzt werden. Derzeit befindet sich ein Grasacker im südlichen Teil des Gebietes. Die landwirtschaftliche Nutzung trägt entscheidend zur Offenhaltung des Gebietes bei und schafft die Voraussetzung für die kurzrasigen Bereiche, die zum Beispiel von Graugänsen, Blässgänsen, Stockenten, Blässrallen, Lachmöwen sowie vielen Singvögeln zur Nahrungssuche genutzt werden. Auf der anderen Seite führt die derzeitige Intensität der landwirtschaftlichen Nutzung zu nachteiligen Auswirkungen auf Flora und Fauna des Gebietes. So kommt des derzeit durch die relativ hohe Beweidungsdichte zu starken Trittschäden an der Grasnarbe, zu Tritt- und Verbissschäden an den Ufersäumen der Kolke, zu starker Bodenerosion an den Viehtriften. Die Beeinträchtigung der Uferbereiche wirkt sich insbesondere auf die Amphibien, Libellen und die Pflanzen der Wechselwasserzone nachteilig aus.

Die Vogelwelt

Im Untersuchungsgebiet brüten rund 40 Brutvogelarten; darunter befinden sich 5 Arten der Roten Liste Nordrhein-Westfalens, 8 weitere stehen auf der landesweiten Vorwarnliste.

Für wiesenbrütende Singvögel und Limikolen hat das Gebiet derzeit nur geringe Bedeutung: In einigen Jahren brütet der Kiebitz im Gebiet. Die Offenlandarten Rebhuhn, Feldlerche und Wiesenpieper, brüten auch unregelmäßig im Gebiet. Als Nahrungsgäste treten Rotschenkel und Schafstelze auf.

Für Wasservögel haben die "Rindernschen Kolke" derzeit eine mittlere Bedeutung: Die Graugans-Reviere haben in den letzten Jahren schrittweise zugenommen. An den Kolken brüten hauptsächlich relativ häufige Arten wie Stockente, Reiherente, Haubentaucher und Blässralle. Bei der Erfassung 2010 konnte erstmals der gefährdete Flussregenpfeifer als Brutvogel festgestellt werden. 

Für Greifvögel und Eulen hat das Gebiet eine geringe Bedeutung: Derzeit brütet nur der Mäusebussard im Gebiet, Turmfalke und Steinkauz fehlen. Bei entsprechender Pflege der Obstwiesen und Kopfbäume im Gebiet könnte der Steinkauz in Zukunft wieder hier brüten. Der Baumfalke wurde mehrfach gesichtet, konnte jedoch nicht als Brutvogel eingestuft werden. Die "Rindernschen Kolke" sind jedoch potenzielles Brutgebiet dieser Art.

Für Hecken-, Gebüsch- und Gehölzbrüter hat das Gebiet eine hohe Bedeutung: Diese Gruppe ist mit Dorngrasmücke, Gartengrasmücke, Klappergrasmücke, Mönchsgrasmücke, Heckenbraunelle, Gelbspötter, Zilpzalp sowie verschiedenen Drossel- und Meisenarten artenreich vertreten. Die zeitweisen Rückgänge bei den Arten Heckenbraunelle, Rotkehlchen und Gartengrasmücke können mit der Pflege der gesamten Hecke entlang des Drususdeiches erklärt werden.

Auch für verschiedene Rastvogelarten hat das Gebiet "Rindernsche Kolke" eine Bedeutung: Mehr als 30 Arten konnten als Rastvögel nachgewiesen werden. Sieben Arten sind gefährdete wandernde Arten laut Rote Liste der gefährdeten Vogelarten in Nordrhein-Westfalen. Einige Wasservogelarten suchen das Gebiet in großen Individuenzahlen zur Rast auf, so die Graugans, die Stockente, die Blässralle sowie die Lachmöwe. Ähnlich hohe Werte erreichten die Ringeltauben und Stare.

Amphibien

Im Gebiet leben fünf Amphibienarten: Teichmolch, Kammmolch, Erdkröte, Grasfrosch und Grünfrosch. Von den nachgewiesenen Arten steht der Kammmolch auf der Roten Liste der in Nordrhein-Westfalen gefährdeten Amphibien. Der Grünfrosch-Komplex wird lokal für das Niederrheinische Tiefland als gefährdet eingestuft. Der Grasfrosch ist immer noch in ganz NRW flächig verbreitet, lokal und regional sind jedoch Rückgangstendenzen zu verzeichnen.

Libellen

Im Gebiet "Rindernsche Kolke" wurden bislang 28 Libellenarten festgestellt. Die Artenzahl pro Kolk schwankt zwischen 2 und 23 Arten. Die Artenausstattung der Libellenfauna im Untersuchungsgebiet "Rindernsche Kolke" entspricht dem in vergleichbaren Gebieten festgestellten Arteninventar und kann somit als gut bewertet werden. Von den nachgewiesenen Arten stehen 8 auf der Roten Liste der in Nordrhein-Westfalen gefährdeten Libellen, eine Art wird auf der Vorwarnliste geführt. Besonders hervorzuhebensind sind die regelmäßigen Beobachtungen des Spitzenflecks (Libellula fulva) und der Kleinen Mosaikjungfer (Brachytron pratense) die in Nordrhein-Westfalen stark gefährdet sind. Zwei stark gefährdete Libellenarten, nämlich die Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus) und das Kleine Granatauge (Erythromma viridulum), wurden 2005 erstmals gefunden. Die artenreichsten Gewässer beherbergen zwanzig und mehr Libellenarten. An ihren Ufern sind unterschiedliche Strukturen wie Röhricht, Schlammflächen, Schwimmblattpflanzen und Weidengebüsche nebeneinander ausgebildet, so dass sie für unterschiedliche Libellenarten mit jeweils spezifischen Ansprüchen geeignete Habitate bieten. Einfluss auf die Häufigkeit der Libellen könnte der Fischbesatz der meisten Kolke ausüben, durch den die Vermehrung eingeschränkt wird. Des weiteren könnten die zum Teil stark schwankenden Wasserstände oder gar nur temporäre Wasserführung mit vorübergehender Verlandung dazu führen, dass sich manche Libellenarten in diesen Gewässern nicht vermehren können.

Die Pflanzenwelt

Der botanische Wert des NSG "Rindernsche Kolke" resultiert im wesentlichen aus der artenreichen und spezifischen Flora der zahlreichen Kolke. Wasserpflanzengesellschaften, Teichbodenflora, Flutrasen bis hin zu den Röhrichten sind sehr vielfältig ausgebildet und enthalten noch zahlreiche, spezifische und inzwischen gefährdete Arten . Das Grünland wird überwiegend intensiv genutzt und tritt in der botanischen Bedeutung hinter den Kolken zurück .

Im frischen bis feuchten Grünland kommen im Gebiet 8 Arten der Roten Liste vor. Außerhalb der Kolkbereiche vor allem Wiesenkümmel (Carum carvi), Erdbeerklee (Trifolium fragiferum), Flaumhafer (Avenochloa pubescens) und Wiesengerste (Hordeum secalinum), im feuchten Grünland in Senken und im Umfeld der Kolke Sumpfsternmiere (Stellaria palustris), Schild-Ehrenpreis (Veronica scutellata). An Arten der Vorwarnliste kommen vor: Echtes Labkraut (Galium verum), Ackerhornkraut (Cerastium arvense) und Kammgras (Cynosurus cristatus) und Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) . Von herausragender floristischer Bedeutung sind die Vorkommen der Poleiminze (Mentha pulegium) und des Stumpfblättrigen Laichkrautes (Potamogeton obtusifolius). Beide Arten sind im Niederrheinischen Tiefland stark gefährdet. Die Polei-Minze hat nur wenige Vorkommen in NRW und ist hier als vom Aussterben bedroht eingestuft.

Insgesamt zeichnet sich der kleinräumige Mosaikkomplex der "Rinderschen Kolke" durch eine bemerkenswerte Zahl an Wasser- und Ufergesellschaften, darunter mehrere landesweit gefährdete Gesellschaften, aus. Die 16 Kolke weisen zum Teil recht unterschiedliche Substrat- und Trophieverhältnisse auf, werden zum Teil beweidet, zum Teil nicht und unterscheiden sich weiterhin hinsichtlich des Wasserregimes. Dies führt zu einer hohen Zahl an Wasser- und Ufergesellschaften, die oft jeweils nur an einem bzw. einer bestimmten Gruppe von Kleingewässern auftreten. Diese Vielfalt macht den besonderen floristisch-vegetationskundlichen Wert des Gebietes aus. Im Grünland zeichnet sich der zentrale Kolk-Weidekomplex durch ein ausgeprägtes Kleinrelief und entsprechend eine starke kleinstandörtliche Differenzierung auf. Besondere Bedeutung kommt einem extensiven, mageren Weidekomplex zu.

Ziele der NABU-Naturschutzstation Niederrhein

Folgende Vorschläge zur Nutzung, Pflege und Entwicklung verfolgt die NABU-Naturschutzstation Niederrhein: