Das Untersuchungsgebiet "Rindernschen Kolke" liegt in der Landschaft der "Düffel".
Als "Düffel" wird das linksrheinische Niederungsgebiet zw. Kleve
und Nijmegen bezeichnet; es umfasst grenzüberschreitend eine
Fläche von über 10.000 ha. Sie wird im Osten von einer
Altstromrinne, die an den Orten Rindern, Düffelward und Keeken
vorbeiführt, und im Norden durch den Rhein bzw. Waal begrenzt. Im
Süden endet die "Düffel" an der Stauchendmoräne des
Saaleeiszeit-Gletschers, eine Folgeerscheinung der Ausräumung und
des Zusammenschiebens der Sedimente der Rheinaue.
Teile des Naturraumes "Düffel" wurden 1987 als Naturschutzgebiete
ausgewiesen: Zum einen wurde das NSG "Düffel, Kellener Altrhein
und Flußmarschen" auf einer Gesamtfläche von 3.800 ha
eingerichtet, zum anderen das Naturschutzgebiet "Salmorth", dem auch
das Gebiet der Rindernschen Kolke zugeordnet wurde. Das gesamte NSG
"Salmorth" umfaßt etwa 1.170 ha, wovon ca. 80 ha zu dem
Teilgebiet "Rindernsche Kolke" gehören .
Im Norden wird das Untersuchungsgebiet durch den Banndeich begrenzt, im
Westen verläuft ein Großteil der Grenze entlang des
"Drususdeichs". Südlichster Teil des Untersuchungsgebietes ist
eine Abgrabung, die in das Klever Gewerbegebiet hineinragt. Die
Ostgrenze verläuft in etwa parallel zum "Zweistrom" zwischen den
Höfen "Gut Heereward" und "Frankenhof".
Die für das Gebiet östlich von Rindern charakteristischen
Kolke entstanden hauptsächlich durch Deichbrüche bei
Hochwasser. Das Wasser floss nach solchen Ereignissen mit hoher
Strömungsgeschwindigkeit durch die Bruchstelle und verursachte
hinter dem Deich durch Strudelwirkung eine Auskolkung, d.h. ein Loch
aus dem das Bodenmaterial herausgespült wurde
Das Gebiet der Rindernschen Kolke wird landwirtschaftlich genutzt.
Vorherrschend ist die Grünlandnutzung als Weide für Rinder
und Pferde. Westlich des Tweestroms weidet eine Mutterkuhherde der
Rasse Charolais, nordwärts grasen Pferde
Im Untersuchungsgebiet brüten rund 40 Brutvogelarten; darunter
befinden sich 5 Arten der Roten Liste Nordrhein-Westfalens, 8 weitere
stehen auf der landesweiten Vorwarnliste.
Für wiesenbrütende Singvögel und Limikolen hat
das Gebiet derzeit nur geringe Bedeutung: In einigen Jahren brütet
der Kiebitz im Gebiet. Die Offenlandarten Rebhuhn, Feldlerche und
Wiesenpieper, brüten auch unregelmäßig im Gebiet.
Als Nahrungsgäste treten Rotschenkel und Schafstelze auf.
Für Wasservögel haben die "Rindernschen Kolke"
derzeit eine mittlere Bedeutung: Die Graugans-Reviere haben in den
letzten Jahren schrittweise zugenommen. An den Kolken brüten
hauptsächlich relativ häufige Arten wie Stockente,
Reiherente, Haubentaucher und Blässralle. Bei der Erfassung 2010
konnte erstmals der gefährdete Flussregenpfeifer als
Brutvogel festgestellt werden.
Für Greifvögel und Eulen hat das Gebiet eine geringe
Bedeutung: Derzeit brütet nur der Mäusebussard im Gebiet,
Turmfalke und Steinkauz fehlen. Bei entsprechender Pflege der
Obstwiesen und Kopfbäume im Gebiet könnte der Steinkauz in
Zukunft wieder hier brüten. Der Baumfalke wurde mehrfach
gesichtet, konnte jedoch nicht als Brutvogel eingestuft werden. Die
"Rindernschen Kolke" sind jedoch potenzielles Brutgebiet dieser Art.
Für Hecken-, Gebüsch- und Gehölzbrüter hat
das Gebiet eine hohe Bedeutung: Diese Gruppe ist mit
Dorngrasmücke, Gartengrasmücke, Klappergrasmücke,
Mönchsgrasmücke, Heckenbraunelle, Gelbspötter, Zilpzalp
sowie verschiedenen Drossel- und Meisenarten artenreich vertreten
Auch für verschiedene Rastvogelarten hat das Gebiet
"Rindernsche Kolke" eine Bedeutung: Mehr als 30 Arten konnten als
Rastvögel nachgewiesen werden. Sieben Arten sind gefährdete
wandernde Arten laut Rote Liste der gefährdeten Vogelarten in
Nordrhein-Westfalen. Einige Wasservogelarten suchen das Gebiet in
großen Individuenzahlen zur Rast auf, so die Graugans, die
Stockente, die Blässralle sowie die Lachmöwe
Im Gebiet leben fünf Amphibienarten: Teichmolch, Kammmolch,
Erdkröte, Grasfrosch und Grünfrosch. Von den nachgewiesenen
Arten steht der Kammmolch auf der Roten Liste der in
Nordrhein-Westfalen gefährdeten Amphibien. Der
Grünfrosch-Komplex wird lokal für das Niederrheinische
Tiefland als gefährdet eingestuft. Der Grasfrosch ist immer noch
in ganz NRW flächig verbreitet, lokal und regional sind jedoch
Rückgangstendenzen zu verzeichnen.
Im Gebiet "Rindernsche Kolke" wurden bislang 28 Libellenarten
festgestellt. Die Artenzahl pro Kolk schwankt zwischen 2 und 23 Arten.
Die Artenausstattung der Libellenfauna im Untersuchungsgebiet
"Rindernsche Kolke" entspricht dem in vergleichbaren Gebieten
festgestellten Arteninventar und kann somit als gut bewertet werden.
Von den nachgewiesenen Arten stehen 8 auf der Roten Liste der in Nordrhein-Westfalen
gefährdeten Libellen, eine Art wird auf der Vorwarnliste geführt. Besonders hervorzuhebensind sind die
regelmäßigen Beobachtungen des Spitzenflecks (Libellula fulva) und der Kleinen Mosaikjungfer (Brachytron pratense)
die in Nordrhein-Westfalen stark gefährdet sind. Zwei stark
gefährdete Libellenarten, nämlich die Südliche
Binsenjungfer (Lestes barbarus) und das Kleine Granatauge (Erythromma viridulum), wurden 2005 erstmals gefunden
Der botanische Wert des NSG "Rindernsche Kolke" resultiert im
wesentlichen aus der artenreichen und spezifischen Flora der
zahlreichen Kolke. Wasserpflanzengesellschaften, Teichbodenflora,
Flutrasen bis hin zu den Röhrichten sind sehr vielfältig
ausgebildet und enthalten noch zahlreiche, spezifische und inzwischen
gefährdete Arten
Im frischen bis feuchten Grünland kommen im Gebiet 8 Arten der
Roten Liste vor. Außerhalb der Kolkbereiche vor allem
Wiesenkümmel (Carum carvi), Erdbeerklee (Trifolium fragiferum), Flaumhafer (Avenochloa pubescens) und Wiesengerste (Hordeum secalinum), im feuchten Grünland in Senken und im Umfeld der Kolke Sumpfsternmiere (Stellaria palustris), Schild-Ehrenpreis (Veronica scutellata). An Arten der Vorwarnliste kommen vor: Echtes Labkraut (Galium verum), Ackerhornkraut (Cerastium arvense) und Kammgras (Cynosurus cristatus) und Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris)
Insgesamt zeichnet sich der kleinräumige Mosaikkomplex der
"Rinderschen Kolke" durch eine bemerkenswerte Zahl an Wasser- und
Ufergesellschaften, darunter mehrere landesweit gefährdete
Gesellschaften, aus. Die 16 Kolke weisen zum Teil recht
unterschiedliche Substrat- und Trophieverhältnisse auf, werden zum
Teil beweidet, zum Teil nicht und unterscheiden sich weiterhin
hinsichtlich des Wasserregimes. Dies führt zu einer hohen Zahl an
Wasser- und Ufergesellschaften, die oft jeweils nur an einem bzw. einer
bestimmten Gruppe von Kleingewässern auftreten. Diese Vielfalt
macht den besonderen floristisch-vegetationskundlichen Wert des
Gebietes aus.
Im Grünland zeichnet sich der zentrale Kolk-Weidekomplex durch ein
ausgeprägtes Kleinrelief und entsprechend eine starke
kleinstandörtliche Differenzierung auf. Besondere Bedeutung kommt
einem extensiven, mageren Weidekomplex zu.
Folgende Vorschläge zur Nutzung, Pflege und Entwicklung verfolgt die NABU-Naturschutzstation Niederrhein: