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Weißstorch


Weißstorch mit Jungen

"Den Weißstorch kennt doch jedes Kind!" - Stimmt das? Die meisten dürften ihn wohl noch kennen, aber wie lange noch? In der Düffel hat sich der Vereinsvogel des NABU eindrucksvoll in das Bewusstsein der Bevölkerung zurück gebracht. Kaum ein anderer Vogel genießt in der Region soviel öffentliche Aufmerksamkeit wie Meister Adebar. Die Rückkehr des Weißstorchs als Brutvogel in die Düffel ist als ein Erfolg des Naturschutzes. Funktioniert hat das in der Düffel vor allem deshalb, weil der Schutz der Art von der Bevölkerung, der Landwirtschaft, den Behörden und den Naturschutzverbänden getragen wird.

Lebensraum


Feuchtwiesen - Lebensraum des Weißstorch

Ursprünglich ist der Weißstorch ein Bewohner der Niederungen mit periodisch überschwemmten Feuchtgebieten, wie man sie oft in Flussauen antrifft. Der heutige Lebensraum am Niederrhein ist die extensiv genutzte Kulturlandschaft mit Blänken und anderen Kleingewässern offener, feuchter Niederungen. Diese sehr produktiven Lebensräume sind ergiebige Nahrungsgebiete. Hier kann der Weißstorch Kleinsäuger und Amphibien, aber auch größere Insekten und Regenwürmer erbeuten. Seinen Brutplatz wählt der Storch oft in unmittelbarer Nachbarschaft zum Menschen. So ist diese beliebte Vogelart ein Kulturfolger in zweifacher Hinsicht: Neben den Nistplätzen auf den Dächern in den Dörfern profitiert der Weißstorch auch von landwirtschaftlicher Nutzung: Die Bewirtschaftung von feuchtem Grünland verhindert, dass Büsche und schließlich Wälder aufwachsen. So stehen dem Storch größere Flächen zur Nahrungssuche zur Verfügung. Früher wurden solche Flächen von der natürlichen Flussdynamik geschaffen und der Horst wurde auf hohen Bäumen der flussbegleitenden Auwälder angelegt.

Der Weißstorch in der Düffel

Der Weißstorch gehört zu den Charakterarten einer naturnahen bäuerlichen Kulturlandschaft. Die Düffel zwischen Kranenburg und Kleve stellte über Jahrhunderte eine solche Landschaft dar. Der Entwässerung der Niederungslandschaft des Rheins folgte jedoch eine immer intensivere Nutzung des Grünlandes, bis hin zum Umbruch von Wiesen und Weiden zu Ackerflächen. So nahm der Brutbestand des Weißstorches am Niederrhein seit Anfang des 20. Jahrhunderts stark ab. Bereits 1946 war die lokale Population vollständig erloschen.

Seit 1988 übersommern wieder regelmäßig Weißstörche im Gebiet. Im Jahre 1996 kam es dann erstmals nach 50 Jahren wieder zu einer erfolgreichen Brut, wobei drei Jungvögel flügge wurden. Bei den Eltern handelte es sich zum einen um eine Störchin, die 1990 im Kreis Minden-Lübbecke als Jungvogel beringt wurde, zum anderen um einen Storch, der 1992 55 km westlich von Zyfflich in Zuilichem a. d. Waal in den Niederlanden als Jungvogel beringt wurde.


Chronik des Zyfflicher Storchenpaares

JahrBruterfolgBemerkungen
1995Keine BrutNur Eintrag von Nistmaterial
19963 flügge Jungstörche
1997BrutverlustNestlinge witterungsbedingt umgekommen
19981 flügger JungstorchNeues Storchenweibchen
Ein weiteres Pärchen und einige Einzeltiere in der Düffel
19992 flügge Jungstörche
2000Kein BruterfolgEtliche Störgäste am Horst
20012 flügge Jungstörche
2002Kein Bruterfolg
2003keine Brut

Inzwischen hat sich Meister Adebar an sechs Orten am Unteren Niederrhein erfolgreich angesiedelt: In Zyfflich, im benachbarten Ooij, in Kekerdom, in Keeken, bei Pannerden/Oude Rijnstrangen und auf der Bislicher Insel bei Xanten brüteten Storchenpaare erfolgreich. Weitere Paare hatten bei Emmerich am Rande des Naturschutzgebietes Emmericher Ward und in Kranenburg Brutversuche unternommen oder ein Revier bezogen.

Bruterfolg aller Storchen-Brutpaare am Unteren Niederrhein von 1995 bis 2003, mit summierter Anzahl der Jungvögel und der durchschnittlichen Anzahl der Jungvögel je Brutpaar (Juv/BP). Ein Strich indiziert die Anwesenheit eines Paares, unabhängig davon, ob das Paar (erfolglos) gebrütet hat, oder nicht.

Bruterfolg der Weißstörche

JahrZyfflichOoijKeekenXantenPannerdenJuvJuv/Paar
19950----00
19963----33
19970----00
19981----11
199921---31,5
200001---10,5
20012100-30,75
20020111030,6
20030213281,5

Sehr erfreulich ist die stetige Zunahme der Brutpaare entlang des Niederrheins seit 1995. Besonders erfolgreich war das Jahr 2003, als vier Brutpaare insgesamt 8 flügge Jungstörche aufziehen konnten. Der Bruterfolg, also die Anzahl der flügge gewordenen Jungstörche pro Brutpaar, liegt jedoch nur bei 0,5 bis 1,5. Der Mittelwert liegt bei genau einem Jungstorch, denn aus 22 angesetzten Bruten gingen 22 flügge Störche hervor. Das ist sehr wenig. In Gebieten, die eine positive Bestandsentwicklung haben, liegt der Bruterfolg bei durchschnittlich über 2 Jungstörchen je Paar und Jahr. So hatten Störche in Polen eine Nachwuchsrate von etwa 2,5 und ungarische Störche zwischen 1961-1980 sogar 2,8 Jungstörche pro Brutpaar.

Veränderung der Lebensbedingungen für die Weißstörche

Die nach dem Zweiten Weltkrieg beschleunigte Entwässerung der Niederungen und die nachfolgende Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung führten zu einer extremen Verschlechterung der Lebensbedingungen für eine Vielzahl von Kleintieren. Damit wurde den Störchen die Nahrungsgrundlage entzogen. Mittlerweile tragen Extensivierungsprogramme mit Vernässungsflächen (Wiedervernässung) und der Erhalt von Feuchtgebieten erste Früchte. Die Rückkehr der Störche an den Niederrhein ist ein Erfolg von Naturschutzbemühungen! Aber die Hoffnung auf einen raschen Bestandsanstieg muss gerade in der Düffel gebremst werden. Denn erstens gehen viele Ansiedlungen der jüngsten Zeit auf Auswilderungen zurück, zweitens profitieren Ansiedlungen im Westen von Bestandserholungen in den östlichen Brutgebieten und drittens ist der Bruterfolg in den niederrheinischen Brutgebieten noch zu gering, um den Erhalt oder gar ein Anwachsen der lokalen Population "aus eigener Kraft" zu gewährleisten.

Wichtig für die Sicherung der Düffelstörche in der Zukunft ist eine Steigerung des Bruterfolgs. Der Bruterfolg hängt entscheidend von der Ausdehnung und der Qualität der Nahrungsflächen ab. Es ist deshalb nach wie vor dringend notwendig, dass die Nahrungssituation der Störche in den Brutgebieten erheblich verbessert wird.

Das Weißstorchprojekt der NABU-Naturschutzstation

Weißstorch an einer Blänke
Weißstorch an einer Blänke
Die Wiederbesiedlung der Düffel durch Weißstörche war für die NABU-Naturschutzstation im Jahre 1995 Anlass, ein Weißstorchprojekt ins Leben zu rufen. Kurzfristiges Ziel des Projektes war es, die Nahrungsgrundlage des Weißstorchpaares in Zyfflich zu verbessern, um erfolgreiche Bruten zu erreichen und die Anzahl der Jungstörche zu steigern. Mittelfristiges Ziel ist es, die Bedingungen für die Ansiedlung weiterer Weißstorchpaare zu schaffen, damit sich langfristig eine eigenständige Population dieses Vogels in der Düffel und im Landschaftsraum De Gelderse Poort zwischen Kleve und Nijmegen aufbauen und halten kann.

Um diese Ziele zu erreichen sollen in erster Linie Flächen angekauft und extensiviert werden. Nur auf extensiv genutztem Feuchtgrünland findet der Weißstorch ausreichend Nahrung. Spendengelder dienen ganz konkret dem Ankauf und der Optimierung von potentiellen Nahrungsflächen für Weißstörche. Zudem betreibt die NABU-Naturschutzstation im Rahmen des Weißstorchprojektes Öffentlichkeitsarbeit, um allen Interessierten die Ökologie des Weißstorchs und die vielfältigen Schutzbemühungen für die Art zu vermitteln.

Die NABU-Naturschutzstation unterstützt in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung, den Landwirten und den zuständigen Behörden folgende Maßnahmen:

  1. " Extensivierung der Flächennutzung durch freiwillige Extensivierungsverträge im Rahmen des Vertragsnaturschutzes (Verbesserung der Nahrungssituation)
  2. " Flächenankauf und Verpachtung unter Extensivierungsauflagen (Verbesserung der Nahrungssituation)
  3. " Unterirdische Verlegung elektrischer Leitungen durch die zuständigen Energieversorgungsunternehmen (Verminderung der Gefahr direkter Todesfälle durch elektrische Freileitungen)
  4. " Errichtung weiterer Nisthilfen in der Nähe nahrungsreicher Feuchtwiesen und Weiden (Verbesserung des Nistplatzangebotes)

Internationales Teamwork

Der Erfolg des Weißstorch-Projekts hängt ganz entscheidend von der guten Zusammenarbeit der beteiligten Gruppen ab. Die NABU-Naturschutzstation ist Teil einer großen Arbeitsgruppe, die sich dem Schutz des Weißstorchs am Unteren Niederrhein verschrieben hat. Folgende Partner sind im Arbeitskreis Weißstorch vertreten:

Kreisverwaltung Kleve

Ortsbauernschaft Zyfflich

Hegering Kranenburg

Heimatverein Keeken

Dorfgemeinschaft Zyfflich e.V.

Gemeinde Kranenburg

Provinz Gelderland

Biologische Station Wesel

SOVON (niederländische Vereinigung von Vogelkundlern)

Werkgroep Milieubeheer Groesbeek

Vogelwerkgroep Rijk van Nijmegen

De Ploegdriver

Proeftuin Ooijpolder

Staatsbosbeheer

Zusätzliche Links zum Thema Störche

www.niederrheinstoerche.de
Portrait, Verbreitung, Zug, Störchendörfer, etc
Weißstorch-Informationen der LÖBF
Weißstorch-Informationen des NABU
www.stoerche.de - gute Privatseite von Axel Horn
www.storchennest.de
www.sosstorch.ch - ähnliches Telemetrie-Projekt wie unter storchenzug.de
www.zerbst.de/storchenhof