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Pressemitteilung: Lebensraum für Wiesenvögel in der Düffel optimiert

04.03.2022 – Pünktlich, bevor die Wiesenvögel zum Brüten aus dem Süden bei uns zurück sind, wurde der nächste Bauabschnitt im Naturschutzgebiet Düffel fertig gestellt. In diesem Herbst und Winter wurden in den Kleyen, im Reyerbruch und nordöstlich von Niel bessere Bedingungen für bedrohte Vogelarten wie Kiebitz, Uferschnepfe und Rotschenkel geschaffen. Die Optimierung der Flächen ist Teil des LIFE-Projekts „Grünland für Wiesenvögel“, das von der Europäischen Union und dem Land NRW finanziert und von der NABU-Naturschutzstation Niederrhein umgesetzt wird.

 

Landrätin Silke Gorißen besuchte mit ihrem Fachbereichsleiter Peter Aengenheister und Vertretern der Landwirtschaft am Donnerstag das Projektgebiet und begrüßte diesen Beitrag zum Erhalt der heimischen Artenvielfalt: „Ich freue mich sehr, dieses Projekt heute persönlich in Augenschein nehmen zu können.“ „Für diese Brutsaison bin ich optimistisch“, erklärt Projektleiterin Susanne Klostermann. „Schon die sechs im Herbst 2020 angelegten Senken, haben deutliche Effekte gezeigt. So konnten wir letztes Frühjahr endlich wieder brütende Uferschnepfen, unsere ‚Sorgenvögel‘ in NRW, im Gebiet Kleyen beobachten. Mit dem gerade abgeschlossenen Bauabschnitt konnten die Flächen nun noch einmal deutlich besser an die Bedürfnisse der Wiesenvögel angepasst werden.“

 

Zahlreiche Maßnahmen zum Wasserhaushalt umgesetzt
Insgesamt wurden in diesem Winter acht Kleingewässer neu angelegt und drei Ufer von Gräben abgeflacht. Zudem wurde auf einer Wiese eine flache Senke erweitert, so kann sich dort die Bodenfeuchte länger halten. Dadurch können sich mehr Insekten ansiedeln und das Nahrungsangebot für Wiesenvogel-Küken wird verbessert. Wiesenvögel können hier nun leichter im Boden stochern und im Umfeld nisten. Ein weiterer Graben wurde nicht nur aufgeweitet, sondern es wurde auch dessen Sohle angehoben. Auch mit dieser Maßnahme kann Wasser besser zurückgehalten werden. Zudem können zu steile Ufer eine potenzielle Todesfalle für die Küken darstellen. Das wurde jetzt entschärft. Außerdem wurden drei regulierbare, permanente Staue in Gräben eingebaut. Nicht zuletzt wurde neben der bestehenden, eine weitere aktive Bewässerung auf einer Wiese eingerichtet. So wird mit Brunnenwasser gewährleistet, dass zur Brutzeit immer Nassstellen vorhanden sind, auch wenn es ansonsten zu trocken sein sollte.

 

All diese Maßnahmen tragen zu feuchterem Grünland bei. Und genau dieses benötigen die Vögel wie der schwarz-weiße Kiebitz oder die langbeinige Uferschnepfe dringend, damit sie und ihre Küken Nahrung finden. „Die Umsetzung hat wirklich gedrängt,“ ergänzt Gebietsbetreuerin Mona Kuhnigk, „denn die Bestände vieler geschützter Arten sinken seit Jahrzehnten stark ab. Dazu kommt dann auch noch, dass es in den letzten Jahren wie 2018 bis 2020 zu wenig geregnet hat. Damals war zu beobachten, dass die feuchtigkeitsbedürftigen Vögel zum Teil gar nicht erst zur Brut schritten. Mit den wiederhergestellten Feuchtwiesen, die mehr Nahrung bieten, wollen wir dem entgegenwirken.“

 

Die Vertreter der Landwirtschaft schilderten vor Ort ihre Bedenken. Der stellvertretende Vorsitzende der Kreisbauernschaft Ulrich Heesen nannte eine an den Wiesenvogelschutz angepasste Beweidung eine ökologisch sinnvolle Ergänzung, sieht aber „mit großer Sorge die Ausbreitung des giftigen Jakobs-Kreuzkrauts, auch auf extensivierten Flächen“. „Nach wie vor bestehen bei den Landwirten Zweifel, ob in den Kleingewässern und durch die eingerichteten Staue das Wasser gehalten werden kann“, sagte Ortsbauer Klaus Hoffmann. Klostermann verwies auf das ausführliche hydrologische Gutachten und die Erfahrungen aus dem Naturschutzgebiet Hetter, die diese Zweifel einfangen könnten. Der stellvertretende Kreislandwirt Christian Scheers begrüßt den Vorschlag der Landrätin, sich zu weiteren Gespräche zu verabreden, um in einem konstruktiven Dialog zu bleiben.

 

Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen
Ursprünglich waren die bodenbrütenden Wiesenvögel in Mooren und Überschwemmungsgebieten der Flussauen zu Hause. Als ihr Lebensraum urbar gemacht und Deiche gebaut wurden, richteten sie sich in landwirtschaftlich bewirtschafteten Feuchtwiesen ein. Doch diese Flächen sind für die Vögel immer häufiger zu trocken. Gründe sind der Rheinausbau, der damit verbundene sinkende Grundwasserstand und dass vor allem der winterliche Niederschlag schnell über Gräben und Wässerungen aus der Landschaft abgeführt wird. Dazu kommen gestiegene Temperaturen oder fehlender Regen durch die Klimakrise.

 

Lebensräume mit besseren Brutbedingungen zu schaffen, zu fördern und zu schützen ist die zentrale Aufgabe des Projekts „Grünland für Wiesenvögel“. Das Gute daran: Die Maßnahmen nützen nicht nur den vom Aussterben bedrohten Wiesenvögeln, sondern weiteren selten gewordenen Pflanzen, Insekten, Feldvögeln und Säugetieren. Nicht zuletzt profitiert auch der Mensch von einer Landschaft mit einer hohen Artenvielfalt.

 

Spektakuläre Nahaufnahmen von den sonst meist in der Wiese versteckten Tieren gibt es im Film „Wiesenvogelland Düffel. Die Big 5 vom Niederrhein“, der auch auf der Website des Projekts verlinkt ist.

Weitere Informationen:
http://www.life-wiesenvoegel-niederrhein.de/index.php/de/

 

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Das Foto zeigt: Landrätin Silke Gorißen, Fachbereichsleiter Peter Aengenheister, Projektleiterin Susanne Klostermann, stv. Kreislandwirt Christian Scheers, stv. Vorsitzender der Kreisbauernschaft Ulrich Heesen, Ortsbauer Klaus Hoffmann, Gebietsbetreuerin Mona Kuhnigk beim konstruktiven Austausch neben einem neu eingebauten, regulierbaren Stau in den Kleyen, einem Wiesenvogel-Hotspot der Düffel.
(Foto: Dietrich Cerff)