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Fuchsjagd und Wiesenvogelschutz oder: Ökologie ist mehr als Fressen und gefressen werden

08.02.2018 - Neuerungen in der Fuchsbejagung, die dem Schutz von Bodenbrütern dienen sollen, werden in der Öffentlichkeit konträr diskutiert. In den Betreuungsgebieten der NABU-Naturschutzstation Niederrhein werden Wiesenvögel wie Uferschnepfe und Kiebitz regelmäßig Beute von Füchsen und anderen Räubern – besonders die Gelege.

 

Verluste durch Räuber sind grundsätzlich etwas völlig Natürliches. Frühe Untersuchungen zu dem Thema aus Deutschland und den Niederlanden lassen bis in die 1980er Jahre kaum einen Einfluss auf die Vogelpopulationen erkennen; neuere Untersuchungen dazu stellen oft einen großen Einfluss von Füchsen und andern Räubern auf Bodenbrüter fest. Die allgemeine anerkannte Erklärung dafür ist die Zunahme der Fuchspopulation nach weitgehender Ausrottung der Tollwut. Auch die Kombination mit anderen Gefährdungsursachen kann in einzelnen Gebieten eine große Rolle spielen: So führt die Austrocknung von Feuchtwiesen zu einer Zunahme von Mäusen. Dies wiederrum führt zu höheren Fuchs- und Marderbeständen.

 

Mittlerweile kennt man viele Beispiele dafür, dass selbst eine intensive Bejagung der Räuber im Winter wenig Effekt hat. Telemetrie-Untersuchungen an Füchsen haben erklärt, warum das so ist: Der Fuchsbestand ist so hoch, dass fuchsleere Gebiete bis Ende Februar, Anfang März wieder „aufgefüllt“ werden.

 

Wollte man die Verluste durch Räuber über die Jagd wirksam reduzieren, müsste man entweder sehr großflächig sehr intensiv oder in der Fortpflanzungsperiode jagen. Beide Strategien sind aus Tierschutzsicht fragwürdig und praktisch undurchführbar.

 

Auch aus Naturschutzsicht ist dieser Ansatz auf Dauer nicht überzeugend: Das allerwichtigste Ziel des Naturschutzes ist der Erhalt oder die Wiederherstellung intakter und ausreichend großer Lebensräume; davon profitieren nicht nur einige besonders populäre Arten, sondern die ganze Lebensgemeinschaft mit einer großen Zahl an Pilzen, Pflanzen, Insekten und Wirbeltieren. Im Bereich Wiesenvogelschutz gehört dazu neben der Extensivierung vor allem die Wiedervernässung von Wiesen, zumal das den Lebensraum für den Fuchs und dessen Hauptbeute weniger attraktiv macht.

 

Bis zum Erreichen dieser wieder hergestellten Lebensräume können aber in diesen Schutzgebieten (vorübergehend) ergänzende Maßnahmen wichtig werden: Auszäunung von Flächen, in denen eine hohe Konzentration von Nestern zu erwarten ist. Beschränkung von Möglichkeiten für den Fuchs, Baue anzulegen, oder eben auch eine Bejagung des Fuchses – je nach dem was in dem jeweiligen Gebiet möglich und sinnvoll ist.

 

Zum Weiterlesen: https://www.vogelbescherming.nl/bescherming/wat-wij-doen/op-het-platteland/weidevogels/onderzoek-weidevogels
„Ecologie van Weidevogels“ Kapitel 7.4; auf Niederländisch

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