Pressemitteilung: Sprudelnd, sickernd, tümpelnd – Quellen wurden untersucht

25.06.2020 – Zwischen April und Ende Juni war zum ersten Mal ein kleines Team der NABU-Naturschutzstation Niederrhein im Kreis Kleve unterwegs, um die Vegetation an Quellen zu untersuchen. Quellen bieten Lebensraum für einige speziell angepasste Tier- und Pflanzenarten. Die Erfassung erfolgte im Rahmen eines Projektes des Landschaftsverbands Rheinland, bei dem Daten über verschiedene Quellen in Nordrhein-Westfalen gesammelt und in ein öffentlich zugängliches Quellenkataster gespeist werden.


Lisa Marga, Landschaftsökologin der NABU-Naturschutzstation Niederrhein, hat bei der Quellenkartierung alle Pflanzenarten mit ihrer jeweiligen Häufigkeit und Deckung, das heißt dem Anteil der bedeckten Fläche, aufgenommen. Bei der Auswertung achtet sie vor allem darauf, in welcher Kombination die verschiedenen Arten aufgetreten sind, also welche Pflanzengesellschaften sie bilden. Dank der Kartierarbeit können Veränderungen und Trends in der Vegetation festgestellt werden. Daraus können wiederum Maßnahmen etwa zum Schutz abgeleitet werden.

Rund um Kleve wurden die verschiedenen Quelltypen, vor allem Sicker- und Tümpelquellen untersucht. Diese befinden sich hier am Niederrhein meist im Wald. Anders als bei den Fließ- oder Sturzquellen, bei denen das Wasser ein Gerinne bildet, tritt bei Sickerquellen das Wasser flächig aus und fließt nur langsam. Es entsteht ein vernässtes Gebiet, das manchmal sehr großflächig werden kann. Bei Tümpelquellen bildet das von unten austretende Grundwasser ein stehendes Gewässer mit sehr langsamem Abfluss.

Quellen sind einzigartige Lebensräume
Das Wasser in Quellen ist besonders nährstoffarm und kühl − und das konstant über die Jahreszeiten hinweg. Deshalb findet man an Quellen eine spezifische Flora und Fauna, die nur unter diesen besonderen Bedingungen gedeihen kann. Diese sind sehr wertvoll, denn vielerorts sind Quellen bedrohte Lebensräume. So gibt es dort etwa Wald- und das Bittere Schaumkraut.

Bedroht sind Quellen, weil zum einen Wasser in der Landschaft immer öfter fehlt. Das haben vor allem die letzten beiden herausragenden Trockenjahre 2018 und 2019 verstärkt gezeigt. Viele Quellen weisen daher eine sogenannte „negative Schüttung“ auf. Das bedeutet, dass weniger Wasser als früher aus dem Boden tritt.

Zum anderen werden immer mehr Nährstoffe in unserer Umwelt angereichert. Das geschieht bekannter Weise durch die Düngung landwirtschaftlicher Nutzflächen. Vielen ist nicht klar, dass sich die Düngemittel auch über die Luft verteilen. Deshalb sind auch weiter entfernt liegende Ökosysteme davon betroffen. Tier- und Pflanzenarten, die an besondere Ökosysteme wie Quellen angepasst sind, verlieren so ihre Lebensräume.

„Wir beobachten eine zunehmende Anzahl von Pflanzenarten, die nährstoffreiche Böden und Gewässer bevorzugen – und das auf Kosten der Arten, die nur wenig Nährstoffreichtum tolerieren“, sagt Marga. Ein klarer Gewinner ist zum Beispiel die Brennnessel, die – obwohl untypisch – an jedem Quellstandort gefunden wurde. Sie liebt Nährstoffreichtum und ist so konkurrenzstärker als viele andere Arten, die auf so genannte magere Standorte angewiesen sind. Deshalb setzen sich die Naturschützer dafür ein, dass weniger Nährstoffe in die Landschaft gelangen, etwa indem weniger gedüngt wird.

Im Rahmen des Projektes wurden unter anderem auch Quellen aus alten Volkssagen und -liedern wieder ausfindig gemacht. Denn Quellen verschwinden aus der Landschaft. Sie werden etwa verbaut oder in Rohren unter die Erde verlegt, Teilweise wird der Boden mittels Gräben entwässert oder die Quellen werden einfach zugeschüttet. Außerdem ist das Wissen um ihre Standorte immer mehr in Vergessenheit geraten. Häufig kann man in archaischen Ortsbezeichnungen Hinweise auf früher bekannte Landschaften finden. Nicht immer sind diese allerdings so offensichtlich wie bei der Straße „Sieben Quellen“ in Nütterden.

 

Quellenkartierung Marga NABU Bruder

Beim Quellenkartieren (Foto: Franca Bruder)