Wiederherstellung des Feuchtgebietscharakters der Emmericher Ward

Fluss und Aue wieder stärker verbinden

 

Am 1.Juli 2018 begann bei der NABU-Naturschutzstation Niederrhein ein neues EU-Life-Projekt. Dieses Projekt hat die Wiederherstellung des Feuchtgebietscharakters des Naturschutzgebiets Emmericher Ward zum Ziel.

 

Durch die seit langem fortschreitende Sohleintiefung des Rheins, verbunden mit einer Erhöhung des Deichvorlands durch Ablagerungen bei Überschwemmungen, wird der Höhenunterschied zwischen dem Rhein und seiner Aue immer größer. Zudem nehmen Häufigkeit und Dauer von Überschwemmungen ab. Dies führt zu einer zunehmenden Entkopplung des Rheins und seiner Aue und die auentypischen feuchten Lebensräume ziehen sich auf die am tiefsten liegenden Bereiche zurück. Dadurch nehmen die Bestände der an diese auentypischen Bedingungen angepassten Pflanzen- und Tierarten ab. Die Eintiefung des Rheins hat auch negative Auswirkungen auf den Grundwasserstand im Deichvorland. Er ist eng mit dem Wasserstand des Rheins verbunden, so dass ein sinkender Rheinwasserstand durch die Sohleintiefung auch einen sinkenden Grundwasserstand in der angrenzenden Flussaue zur Folge hat. Dies kann auch negative Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Nutzbarkeit der betroffenen Flächen haben.

 

Im Rahmen des Projektes werden verschiedene mehrstufige Maßnahmen durchgeführt, um den drohenden Verlust der wertgebenden Auenlebensräume zu stoppen und umzukehren. Zudem werden grundlegende Verbesserungen des Wasserhaushalts des Gebiets erreicht und die Verbindung zwischen Fluss und Aue gefördert. Zu diesen Maßnahmen gehören:

- die Verlangsamung des Wasserabflusses aus der Fläche mittels Verschluss von Entwässerungsgräben

- die Optimierung der Steuerung des Sommerpolders zur Verbesserung der Polderflutung bei Hochwasser und zum Wasserrückhalt in den tiefliiegenden Bereichen des Polders nach Flutungsereignissen

- die Reaktivierung bzw. (Wieder-)Herstellung von Auengewässern, Altrheinstrukturen, Flutmulden und temporären Gewässern.

 

Insgesamt werden diese Maßnahmen den Wasserhaushalt des Gebiets - vor allem im Frühjahr und Frühsommer - verbessern und die ökologische Verbindung von Fluss und Aue stärken. Die feuchtegeprägten Lebensräume der Flussaue erhalten die Möglichkeit, sich wieder auszubreiten und bieten somit den an diese Bedingungen angepaßten und darauf angewiesenen Pflanzen- und Tierarten einen größeren Lebensraum. Zu diesen Arten gehören Pflanzen wie die Schwanenblume, der Große Wasserfenchel und die Europäische Seekanne. Vögel wie Rotschenkel, Großer Brachvogel und Trauerseeschwalbe und Amphibien wie der Kammmolch finden wieder genügend Raum für Nahrungssuche und Fortpflanzung. Auch Fische wie der Bitterling werden von der Verbesserung der Auengewässer profitieren. 

Information

Das Projekt wird gefördert durch die Europäische Union (Förderinstrument LIFE) und das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Projektleitung: Dr. Thomas Chrobock