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Details Düffel

Die Düffel - früher und heute

 

Das Naturschutzgebiet Düffel, Kellener Altrhein und Flussmarschen liegt in der Landschaft der Düffel. Als Düffel wird das linksrheinische Niederungsgebiet zwischen Kleve und Nijmegen bezeichnet. Es umfasst grenzüberschreitend eine Fläche von über 10.000 Hektar. Der deutsche Teil des Naturraums Düffel umfasst etwa 6.000 Hektar.
Die Landschaft der Düffel ist eine ehemalige Niederungslandschaft. Vor dem Bau der Flussdeiche und der Waldrodungen war die Düffel eine sumpfige Auenwaldlandschaft, die regelmäßig vom Hochwasser des Rheins überflutet wurde. Schotter- und Kiesbänke, Altrinnen, Flutmulden, Kolke, und verschiedene Auenwaldtypen wechselten einander ab. Im Winterüberflutungsbereich bestand die natürliche Vegetation aus Weidengebüsch, die Weichholzaue aus Silberweidenwald, die Hartholzaue aus Eichen-Ulmenwald.


Vor allem die höher gelegenen Uferwälle wurden bereits seit etwa 600 v. Chr. besiedelt und landwirtschaftlich genutzt. Bereits zur Römerzeit waren diese Uferwälle fast vollständig entwaldet. Als stärkste landschaftsgestaltende Maßnahme können die im 13. Jahrhundert begonnenen Deichbauten gesehen werden. Über Jahrhunderte entwickelte sich hier ein geschlossenes Deich- und Poldersystem. Seit dem Mittelalter erfolgten nur noch sehr sporadisch Überschwemmungen der Landschaft bei Deichbrüchen. Als "endgültig hochwassersicher" gilt das Gebiet seit den 1920er Jahren, als der Banndeich nach neuzeitlichen Maßstäben erhöht und verstärkt wurde. Zum letzten Mal wurde die Düffel Ende des 2. Weltkrieges überschwemmt, nachdem der Banndeich gesprengt worden war. Im Schutze der Deiche entwickelte sich eine bäuerliche Kulturlandschaft, geprägt durch Ackerbau und Grünlandwirtschaft.

 

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts überwog der Ackerbau gegenüber der Weidewirtschaft. Aufgrund billiger französischer Importe sank später der Absatz für Getreide. Die Bauern stellten auf Milchwirtschaft und später auf Käse- und Butterproduktion um. Im Zuge dieser Entwicklung entstand eine Wiesen- und Weidelandschaft, die von zahlreichen Entwässerungsgräben und Hecken durchzogen war. Heute wird das Gebiet der Düffel noch überwiegend als Grünland, aber in immer größeren Teilen auch als Acker (hauptsächlich für Futter- und Energiemais) genutzt.

 

Schutzziele und Schutzgebietsbetreuung

Innerhalb des 6.000 Hektar umfassenden deutschen Teils des Naturraums Düffel wurde im Jahr 1987 eine Fläche von 3.800 Hektar als Naturschutzgebiet (NSG) "Düffel, Kellener Altrhein und Flussmarschen" ausgewiesen. Die Naturschutzgebiets-Verordnung wurde 2005 neu aufgelegt. Das Gesamtgebiet ist Bestandteil des Feuchtgebietes internationaler Bedeutung "Unterer Niederrhein" gemäß der internationalen Ramsar-Konvention aus dem Jahre 1971 sowie Bestandteil des EU-Vogelschutzgebietes "Unterer Niederrhein". Die Ausweisung als Ramsar-Gebiet sowie als Vogelschutzgebiet erfolgte im Jahr 1983.

Die Naturschutzgebietsverordnung nennt folgende Schutzziele


- Erhaltung der Rast- und Äsungsplätze überwinternder Wildgänse als Teil des internationalen Feuchtgebietes "Unterer Niederrhein" gemäß Ramsar-Konvention
- Erhaltung der durch den Rhein geschaffenen naturräumlichen Strukturen der Flussmarschenlandschaft (Flutrinnen, Auskolkungen, Altarme, sandige Dünenrücken etc.)
- Erhaltung der bäuerlichen Kulturlandschaft, die besonders durch Hecken, Feldgehölze und Kopfbäume, durch Altwasser und Gräben sowie das Grünland geprägt ist und sich durch charakteristische Lebensgemeinschaften mit hohem Artenreichtum auszeichnet.
Aus der hohen Bedeutung des Naturschutzgebiets "Düffel, Kellener Altrhein und Flußmarschen" für Limikolen und andere Wiesenvögel sowie für Vogelarten heckenreicher Kulturlandschaften ergeben sich folgende Schutz-, Pflege- und Entwicklungsziele: 


1. Erhalt der großen, unzerschnittenen und störungsarmen Landschaft insbesondere für störungsempfindliche Limikolen mit großen Brutrevieren und Rastvögel wie z. B. Wildgänse;


2. Erhaltung und Pflege der Heckenstrukturen für die heckenbrütenden Vogelarten der Kulturlandschaft


3. Erhalt feuchter Senken und temporärer Blänken durch Erhaltung des unregelmäßigen, nicht nivellierten Bodenreliefs, ggf. Reaktivierung von Flutmulden, Anlage neuer Blänken und partielle Verbreiterung von Gräben


4. Erhalt und Vermehrung von ruderalen Säumen und mosaikartigen Sukzessionsstadien entlang der Hecken, Gräben und Wässerungen


5. Optimierung der extensiven Grünlandbewirtschaftung (Erreichen eines "Mahdmosaiks", Belassen von Randstreifen, Wiedereinführung der Beweidung).


Die NABU-Naturschutzstation Niederrhein betreut seit 1998 nur die Flächen im Besitz des Landes NRW, die derzeit eine Größe von rund 130 Hektar haben. Die Zusammenarbeit mit den Pächtern dieser Flächen verläuft sehr zufriedenstellend. Im Rahmen der Schutzgebietsbetreuung werden verschiedene Maßnahmen geplant und durchgeführt, zum Beispiel die Beweidung von Gewässerufern oder die Neuanlage von Naturschutzgewässern. Naturschutzfachlich wäre natürlich eine Betreuung des gesamten NSG durch die NABU-Naturschutzstation wünschenswert.

Tiere und Pflanzen

Brutvögel:
Das Naturschutzgebiet Düffel hat eine besondere Bedeutung für Brutvögel. Auf den landeseigenen Flächen werden die Revierzahlen ausgewählter Brutvogelarten jedes Jahr erfasst. Viele Wiesenvogelarten wie Wiesenpieper oder Uferschnepfe nehmen langfristig ab, einige wenige haben aber auch zugenommen wie der Große Brachvogel oder das Schwarzkehlchen.

 

Das Gesamtgebiet hat natürlich eine wesentlich größere Bedeutung für zahlreiche bedrohte Brutvogelarten der bäuerlichen Kulturlandschaft als die nur 130 Hektar landeseigenen Naturschutzflächen. Gleichzeitig zeigen die Bestände gefährdeter Arten auf Landesflächen stabile Bestände, während sie auf den intensiv genutzten Flächen des restlichen Gebiets Abnahmen zeigen. Die Düffel hat eine besondere Bedeutung für den Großen Brachvogel (wichtigstes Teilgebiet des Vogelschutzgebiets) und die Uferschnepfe (nach der Hetter zweitgrößter Bestand im Vogelschutzgebiet Unterer Niederrhein). Neben den Wiesenvögeln besiedeln vor allem sehr viele Singvogelarten die strukturreiche Landschaft, aber auch Greifvögel und Wasservogelarten sind anzutreffen.
Neben der Bedeutung für Brutvögel hat das Gebiet auch eine sehr große Bedeutung als Rastgebiet. So rasten von Oktober bis März bis zu 70.000 arktische Saat- und Blässgänse in der Düffel. Aber auch andere Vögel rasten in zum Teil hohen Zahlen, zum Beispiel verschiedene Watvogel- und Möwenarten oder Stare.


Libellen: Insgesamt sind an den Naturschutzgewässern und ausgewählten Grabenabschnitten im Bereich der Düffel-Landesflächen 29 Libellenarten nachgewiesen worden. Darunter finden sich auch gefährdete Arten der Roten Liste wie die Kleine Mosaikjungfer (Schilfjäger) oder die Kleine Pechlibelle, die auch zum Teil bodenständig in den Gewässern vorkommen.


Heuschrecken: Besonders hervorzuheben unter den auf den Landesflächen 12 nachgewiesenen Heuschreckenarten ist die stark gefährdete Sumpfschrecke. Von dieser auf Feuchtwiesen angewiesenen Art kommt ein über die Jahre ansteigender Bestand vor.

Gefährdungsursachen

Die rasante Veränderung in der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten hat auch die bäuerliche Kulturlandschaft stark verändert: Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich stark reduziert, die verbleibenden größeren Höfe wirtschaften in der Regel deutlich intensiver. Die Umstellung von Teilen der Grünlandwirtschaft auf Maisanbau, der verstärkte Einsatz von chemischen Behandlungsmittel und vieles mehr, führen zu einer Abnahme zahlreicher Tier- und Pflanzenarten.
Aber auch andere Faktoren beeinträchtigen unter anderem die Natur in der Düffel:
- Entwässerung
- Freizeitaktivitäten (z. B. Heißluftballons, Wassersport, Hubschrauberflüge, ferngesteuerte Flugzeuge)
- Straßenbau (Planungen zum Bau der B9neu)
- Jagd
- Hochspannungsleitungen und Windkraftanlagen

Info

Dueffel-foto 03

 

Die Düffel ist eine weitläufige Kulturlandschaft mit Hecken, Feldgehölzen und Feuchtwiesen. Der Landschaftsraum Düffel erstrreckt sich beiderseits der Grenze und umfasst große Teile der alten Rheinniederung. Gleichzeitig ist die Düffel eines der größten Naturschutzgebiete in NRW und Teil des EU-Vogelschutzgebietes Unterer Niederrhein. In der Düffel finden sich hochproduktive Böden - eine landwirtschaftliche Nutzung und Naturschutz lassen sich dennoch vereinbaren.

 

Gebietsbetreuer:

 

Mona Kuhnigk

 

Telefon: 02826-91876119

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