memorie Schutzgebiet EW

Details Emmericher Ward

Historie - Das Gebiet früher und heute

Die Grundstruktur der Emmericher Ward wurde durch den Rhein und seine wandernden Arme geprägt. Nach Hoppe (1970) ist der Rhein oder ein Arm desselben, zuletzt zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert immer wieder im Bereich der Emmericher Ward verlaufen. Für die Zeit bis zum Beginn der systematischen Strombaumaßnahmen ergibt sich das Bild einer durch Altarme und Strominseln geprägten Auenlandschaft. Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts liegt der Rhein in seinem heutigen Verlauf weitgehend fest. Der systematische Ausbau des Rheins mit Buhnen in der heute noch vorhandenen Form erfolgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Etwa Dreiviertel der Oberfläche des Gebietes sind durch Abgrabung, Lehm- und Bodenentnahmen und anschließende Auffüllung mit Bodenaushub unterschiedlicher Herkunft verändert. Am Rhein befindet sich weiterhin eine Kies-Nassabgrabung, die nicht wieder verfüllt wurde.

Nutzungen

Das Grünland der Emmericher Ward befindet sich zum überwiegenden Teil im Besitz des Landes NRW. Die Flächen sind unter Naturschutzauflagen verpachtet und extensiv bewirtschaftet. Teilflächen am Rhein werden mittels Schafbeweidung offengehalten und gepflegt. Die rheinnahen Flächen werden seit über 20 Jahren nicht mehr genutzt. In diesem Bereich der Buhnenfelder haben sich großflächig Staudenfluren und Weichholz-Auengehölze entwickelt. Landseits schließt der Banndeich das Gebiet ab.

Flora und Fauna

Die Emmericher Ward beherbergt eine sehr vielfältige Brutvogelfauna. Zu den wertbestimmenden Arten gehören Wasservögel wie Knäkente und Zwergtaucher, Watvogelarten wie Flussregenpfeifer, Kiebitz und Rotschenkel ebenso wie Arten der strukturreichen Hochstaudenkomplexe und Auengehölze wie Schwarzkehlchen, Blaukehlchen und Nachtigall. Unregelmäßig besiedelt auch der Wachtelkönig die Staudenfluren am Rhein.
Der Emmericher Ward kommt innerhalb des EU-Vogelschutzgebietes „Unterer Niederrhein“ eine herausragende Bedeutung als Rast- und Überwinterungsgebiet für Gänse, Enten und Watvögel zu. Wichtige Wasservogelarten sind zum Beispiel Pfeifente, Löffelente, Spießente und auf dem ufernahen Rhein die Schellente. Bei mittleren Hochwasserständen mit entsprechend großflächig überschwemmten Wiesen können in der Ward bis zu mehrere tausend Wasservögel und Möwen beobachtet werden.  
Die Vielfalt der Gewässer beherbergt weiterhin artenreiche Libellengemeinschaften, darunter so spezialisierte Arten wie die Asiatische Keiljungfer (Gomphus flavipes) an sandigen Uferabschnitten des Rheins, und inidivuenreiche Amphibienvorkommen.
Im Gebiet wurden seit 1996 fast 380 Gefäßpflanzenarten nachgewiesen. Die charakteristischen stromtalbegleitenden Florenelemente der Trockenwiesen, Staudenfluren und Auengewässer sind artenreich vertreten. Damit gehört das Naturschutzgebiet Emmericher Ward floristisch zu den regional bis landesweit bedeutenden Auengebieten der Großlandschaft Niederrheinisches Tiefland.
Diese Bewertung wird unterstrichen durch die Vorkommen von 35 Arten der Roten Liste NRW bzw. des Naturraums Niederrheinisches Tiefland. Zu den floristisch bedeutsamsten Biotoptypen des Gebietes gehören trockene Wiesen- und Weideausbildungen, Stromtal-Halbtrockenrasen und Sandrasen des Rheinhochufers, Staudenfluren rheinseits des Hochufers und die vielfältigen Auengewässer bis hin zu den temporär wasserbedeckten Schlammfluren zwischen den Buhnen am Rhein.

Ziele und Maßnahmen der NABU-Naturschutzstation Niederrhein

Das Naturschutzgebiet Emmericher Ward soll im westlichen Teil als offene Grünland-Gewässerlandschaft der Auen mit ihrer artenreichen, spezifischen Tier- und Pflanzenwelt erhalten und weiterentwickelt werden. Entscheidender Engpass ist dabei der Wasserhaushalt des Gebietes. Durch die fortschreitende Eintiefung der Rheinsohle wird die Aue immer trockener.
Im östlichen Teil des Gebietes ist die Entwicklung größerer Auenwald-Flächen in Verbindung mit der Anlage einer Rhein-Nebenrinne vorgesehen. Diese Maßnahmen werden derzeit im Rahmen des LIFE-Projektes Fluss und Aue Emmericher Ward vorangetrieben.

Info

Die Emmericher Ward ist ein Naturschutzgebiet in der rezenten Rheinaue. Bei höheren Wasserständen wird das Gebiet teilweise überschwemmt. Neben vielen kleinen Auengewässern ist die Emmericher Ward von Feuchtgrünland und Auenwaldbeständen geprägt.