Details Kranenburger Bruch

Charakteristisch und prägend für das Kranenburger Bruch ist das hoch anstehende Grundwasser. Das Grundwasser kann vor allem im Winter zum Überstau von Flächen führen. Daher überrascht es nicht, dass viele der Tiere und Pflanzen, die an ein Leben im "nassen Sumpf" angepasst sind, im Kranenburger Bruch eine der wenigen verbliebenen Vorkommen haben. Hierzu zählen Pflanzenarten wie der Fieberklee (Menyanthes trifoliata), das Sumpf-Blutauge (Comarum palustre) oder die Sumpf-Ständelwurz (Epipactum palustre) oder auch typische Vogelarten wie das Blaukehlchen oder die Wasserralle.

 

Was macht die NABU-Naturschutzstation Niederrhein im Kranenburger Bruch?

Bereits seit den 1980er Jahren bemühen sich Naturschützer das Kranenburger Bruch zu schützen und zu entwickeln. Seit 1996 ist die NABU-Naturschutzstation Niederrhein offiziell mit der fachlichen Betreuung des Naturschutzgebietes durch das Land NRW beauftragt. Im Rahmen dieser Betreuung werden regelmäßig die Brut- und Rastbestände der Vögel erfasst. Darüber hinaus werden andere wichtige Artengruppen, wie z.B. Libellen, Heuschrecken, Amphibien erfasst sowie die Vorkommen seltener Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften erfasst.

Basierend auf diesen Daten werden Maßnahmen zur Pflege und Optimierung des Gebiets und seiner Lebensräume entwickelt. Mittel für die Durchführung von Maßnahmen werden beantragt, um beispielsweise mit Mitteln europäischer Förderinstrumente wie ELER Gräben zu entschlammen oder feuchte Senken zu schaffen, Zäune und Gatter zu setzen oder Gehölze aus stehenden Gewässern oder Gräben zu entfernen.

Zusammenarbeit mit Landwirten

Ein großer Teil des Kranenburger Bruchs wird landwirtschaftlich genutzt. Alle Nutzflächen sind in Besitz des Landes bzw. der Forstverwaltung. Da die Flächen zum Zwecke des Naturschutzes gekauft worden sind, enthalten alle Pachtverträge Vorgaben, nach denen die Pächter ihre Pachtflächen naturverträglich nutzen können. Hierzu gehören Vorgaben, die eine Bewirtschaftungsruhe während der Brut- und Setzzeiten vorsehen, auf bestimmten Flächen nur Beweidung oder nur Schnittnutzung (typische Wiesen) oder eine Kombination aus beidem (Mähweiden) zulassen. Wenn es die Vegetationsentwicklung oder das Brutgeschehen zulassen, verständigen die Gebietsbetreuer die Landwirte auch schon vorab, um eine vorzeitige Mahd zu ermöglichen. Bei der alljährlich stattfindenden Pächterversammlung gibt der Gebietsbetreuer einen Überblick über das abgelaufene Jahr und spricht geplante Maßnahmen an Wichtigstes Ziel bleibt dabei immer die Erreichung der Naturschutzziele.

Vögel

Seit 1987 konnten bereits über 70 Brutvogelarten festgestellt werden, darunter viele Arten der Roten Liste gefährdeter Brutvogelarten in NRW. Erfreulich sind die Brutvorkommen stark gefährdeter Vogelarten wie Wasserralle, Bekassine, Turteltaube, Nachtigall und Pirol. Der Bestand dieser Arten ist allerdings auch im Kranenburger Bruch bedroht. Es brüten jeweils nur noch ein bis zwei Paare dieser Arten im Gebiet. Der Bestand des Kiebitz war seit 1989 erloschen. Nach der Entfernung von Gehölzen kann seit 2009 wieder ein Bestand von 4-5 Brutpaaren beobachtet werden. Erfreulich ist der stabile Bestand von Blaukehlchen mit 3 bis 8 Revierpaaren seit 2000 und Schwarzkehlchen mit 2 bis 5 Revierpaaren seit Ende der 1980er Jahre. Als Lebensraum für den Teichrohrsänger ist das Gebiet von herausragender Bedeutung für den gesamten Landschaftsraum der Düffel. In jedem Jahr brüten um die 100 Brutpaare in den Schilfflächen. Hinzu kommen zwischen 40 und 60 Revierpaare der Rohrammer, einem weiteren Charaktervogel des Gebietes.

Libellen

Durch die Vielzahl von Gewässern bietet das Gebiet vielen Libellenarten sehr gute Lebensbedingungen. Insgesamt konnten 38 Libellenarten nachgewiesen werden. Von diesen nutzen über die Hälfte die Gewässer zur Fortpflanzung. Als extrem seltene Arten wurden die Mondazurjungfer (Coenagrion lunulatum) und die Keilflecklibelle (Aeshna isoceles) nachgewiesen.

Dazu kommen Funde von bedrohten Arten wie der Scharlachlibelle (Ceragrion tenellum), Südlicher Binsenjungfer (Lestes barbarus), Kleiner Pechlibelle (Ischnura pumilio) und Früher Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii), die alle 2009 nachgewiesen werden konnten. Von besonderer Bedeutung sind die Vorkommen des Schilfjägers (Brachytron pratense) und der Nordischen Moorjungfer (Leucorrhinia rubicunda). Beide Arten gelten in Nordrhein Westfalen als stark gefährdet. Der Schilfjäger ist im Gebiet recht häufig. Im Gegensatz dazu kann die Nordische Moorjungfer immer nur in wenigen Exemplaren und auch nicht in jedem Jahr beobachtet werden.

Geplante Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung

Für die Lebensbedingungen vieler Tier- und Pflanzenarten ist der limitierende Faktor aktuell Wassermangel. Die Pegelmessungen weisen regelmäßig zu tief liegende Grundwasserstände aus. Das führt zu einer Austrocknung der Schilfgebiete und Feuchtwiesen. Die Entwicklung der Bestände von Bekassine, Wasserralle, Blaukehlchen und Teichrohrsänger leidet darunter. Weitere Röhrichtbewohner wie Drosselrohrsänger, Bartmeise oder Schilfrohrsänger wären zu erwarten. Hierfür wäre die Schilfentwicklung zu fördern, was durch eine Anhebung der Grundwasserstände zu erreichen wäre. Hierzu müsste der Pegelstand im Abgrabungssee um wenige Dezimeter angehoben und die fortlaufende Entwässerung des Gebietes gestoppt werden.

Bisher abgeschlossene Maßnahmen zeigen bereits Erfolge

 

03. September 2015: Die Rodungsmaßnahmen zur Wiederherstellung des Offenlandcharakters im Kranenburger Bruch und zum Schutz des einzigartigen

Lebensraumes Schilfröhricht sind vollständig abgeschlossen und zeigen erste Erfolge. 

 

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Das im Rahmen des ELER-

Förderprogramms

(Europäischer Landwirtschafts-

fond für die Entwicklung des

ländlichen Raums) mit Mitteln

der EU und des Landes

Nordrhein-Westfalen finanzierte

Projekt wurde im August

von Mitarbeiterinnen der

Bezirksregierung Düsseldorf überprüft.

 

 

 

 

 

Für den Erhalt historischer Kulturlandschaft

Im Winter 2014/2015 rollten die Bagger im Kranenburger Bruch. Unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit ließen wir eine Baumreihe sowie Weiden-gebüsche roden. Es war sicherlich nicht einfach zu verstehen, warum wir als Naturschützer ausgerechnet Bäume und Sträucher rodeten. Wir haben uns die Entscheidung für diese Maßnahme auch nicht leicht gemacht.

  

Rodungsarbeiten Januar 2015

 

Die Einzigartigkeit des Kranenburger Bruchs liegt vor allem darin, dass hier auf kleinstem Raum ein kulturlandschaftliches Mosaik mit einer großen biologischen Vielfalt bewahrt wird, die in der modernen Kulturlandschaft verloren gegangen ist. Durch die fortschreitende Sukzession in Form von Gehölzaufwuchs, die vor allem auf zu niedrige Grundwasserstände aufgrund von Entwässerung zurückzuführen ist, ist diese historische Kulturlandschaft gefährdet. Unsere Maßnahmen sollten die bereits fortgeschrittene Sukzession rückgängig machen, um wieder mehr Lebensraum für die Bewohner der alten Kulturlandschaft zu schaffen. Zwei Lebensräume hatten wir dabei besonders im Blick.

 

Den Lebensraum Schilfröhricht: Hier finden seltene Vogelarten wie zum Beispiel das Blaukehlchen und die Wasserralle ideale Lebensbedingungen. Das Schilfröhricht wurde bis 2014 jährlich von einem Reetdachdecker aus der Region gemäht. Dieser konnte die Halme auch wirtschaftlich nutzen. Allerdings wuchsen in den Gräben Weidengebüsche auf, die den Schilflebensraum zu überwuchern drohten. Unsere Maßnahmen zur Entbuschung waren schon der zweite Teil einer Maßnahme. Im Dezember 2013 ließen wir bereits Abdichtungen in Entwässerungsgräben einbauen, um den Wasserstand im Gebiet anzuheben. Diese beiden Maßnahmen sollten das Schilfröhricht als zusammenhängenden Lebensraum wieder herstellen. 3 Blaukehlchenpaare und 1 Wasserrallenpaar zogen in diesem Frühjahr 2015 bereits in die frisch renovierte Wohnung ein.

Blaukehlchen

 

Auch eine balzende Bekassine konnte in diesem Frühjahr mehrmals über dem Schilfgebiet vernommen werden. Nach vier Jahren ohne Brutversuch dieser sehr seltenen Art im Kranenburger Bruch ist dies eine ganz besondere Freude für uns. Um die nun wieder zusammenhängende Schilffläche zu erhalten, ist es allerdings unerlässlich, die Flächen regelmäßig bis an die Grabenränder zu mähen. Daher ist es nun unser vorrangiges Ziel, einen neuen Schilfpächter für die Flächen zu finden.

 

Der 2. Lebensraum ist die Feuchtwiese: Westlich und östlich der Kurzen Huven erstreckt sich artenreiches feuchtes Grünland. Feuchtgrünland ist der ideale Lebensraum für Wiesenvögel. Auch für den Kiebitz, der aus Mangel an geeignetem Feuchtgrünland inzwischen häufig auf dem Acker brütet. Kiebitze brüten immer wieder im Kranenburger Bruch, allerdings immer westlich des Weges. Die Grünlandflächen östlich des Weges sind eigentlich auch wertvolles Bruthabitat unter anderem auch für die Bekassine. Doch Wiesenvögel meiden bei der Wahl des Brutplatzes Bäume, Hecken und andere hohe Strukturen, da diese potentiellen Nesträubern Deckung bieten. Eine solche Scheuchwirkung ging von der hohen Baumreihe östlich der Kurzen Huven aus. Dies machte das tolle Feuchtgrünland östlich des Weges unattraktiv für Kiebitze. Damit mehr Kiebitzpaare Platz im Kranenburger Bruch finden, wo ihre Gelege aufgrund der extensiven Bewirtschaftung gut geschützt sind, haben wir die Baumreihe roden lassen. Im Jahr 2014 brüteten 2 Kiebitzpaare zwar auf den altbekannten Flächen westlich des Weges, aber ihr Radius zur Futtersuche ging schon deutlich in den Ostteil hinein. Für 2016 hoffen wir auf ein Brutpaar auf den Ostflächen.

 

mehr Offenland nach der Rodung

 

Ausgleichsmaßnahmen

Das Naturschutzrecht sieht bei Eingriffen in die Natur Ausgleichsmaßnahmen vor. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens wurden die entsprechenden Ausgleichsmaßnahmen mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Kleve und dem zuständigen Forstamt abgestimmt. Im Anschluss an die Rodungsmaßnahmen haben wir daher vor Ort im Kranenburger Bruch 20 Kopfweiden gepflanzt und 3 Nistkästen für den Gartenrotschwanz aufgehängt.

 

Warum ist Schilf wichtiger als ein Feldgehölz?

Natürlich sind auch Feldgehölze für viele Tierarten wertvolle Lebensräume. Aber Schilfgebiete können sich am gesamten Niederrhein nur an ganz wenigen Stellen entwickeln. Das Schilfgebiet im Kranenburger Bruch ist eines der größten davon und als Lebensraum für die genannten Vogelarten, aber auch zahlreiche Insekten, z. B. Nachfalter unverzichtbar. Der Entwicklung von Gehölzen geben wir an anderer Stelle Raum, so z. B. an weiten Teilen im Süden des Naturschutzgebietes in der Nähe der Moorwässerung. Hier haben sich in den letzten Jahrzehnten wieder Erlenbruchbestände und ausgedehnte Weidengebüsche entwickelt. Auch die schönen Weißdorngebüsche im Nordwesten des Gebietes, nahe der B 504 sollen als Lebensraum für Dorngrasmücken, Goldammern, Nachtigallen und Schwarzkehlchen erhalten und gefördert werden

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Pflanzenwelt

Das Kranenburger Bruch zeichnet sich durch eine außerordentlich reiche Pflanzenwelt aus. Insbesondere zahlreiche gefährdete Arten der Niedermoore, Feuchtwiesen, Gewässer und Röhrichte lassen sich hier noch finden. Insgesamt wachsen im Naturschutzgebiet 350 verschiedenen Farn- und Blütenpflanzen. Davon stehen 65 auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten. Von herausragender Bedeutung sind u.a. die folgenden Arten:

 

Vom Aussterben bedroht:


Gewöhnlicher Wasserschlauch (Utricularia vulgaris), Krebsschere (Stratiotes alloides), Zwerg-Igelkolben (Sparganium natans), Flut-Moorbinse (Eleogiton fluitans).


Stark gefährdet:


Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris), Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata), Faden-Segge (Carex lasiocarpa). 


Weitere interessante Arten des Kranenburger Bruchs sind:


Sumpfdotterblume (Caltha palustris), Großer Klappertopf (Rhinanthus angustifolius).

 

 

Info

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Das Kranenburger Bruch ist eines der letzten Niedermoore am Niederrhein. Es gehört auch heute noch zu den floristisch artenreichsten Gebieten in NRW. In den ausgedehten Schilfflächen brüten zudem eine Vielzähl gefährdeter Brutvögel der Röhrichte.

 

Gebietsbetreuer:

 

Dietrich Cerff