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Die Rindernschen Kolke

Naturschutzgebiet vor der Klever Haustür


Wie ein grüner Finger erstrecken sich die Rindernschen Kolke im südlichen Deichhinterland von Salmorth. Das 80 Hektar umfassende Gebiet gehört zum Naturschutzgebiet Salmorth und war früher ein bedeutendes Feuchtgebiet. Bis heute ist in den Rindernschen Kolken ein vom Rhein gestaltetes hügeliges Relief erhalten geblieben. Neben zahlreichen Kleingewässern wird die Landschaft des Gebietes von Feldgehölzen wie Kopfweiden und lang gezogenen Hecken geprägt. Die Rindernschen Kolke liegen im Landschaftsraum Düffel. Dieser umfasst das linksrheinische Niederungsgebiet zwischen Kleve und Nijmegen mit einer Fläche von über 10.000 Hektar.

Historie - Das Gebiet früher und heute

Die für das Gebiet östlich von Rindern charakteristischen Kolke entstanden hauptsächlich durch Deichbrüche bei Hochwasser. Das Wasser floss nach solchen Ereignissen mit hoher Strömungsgeschwindigkeit durch die Bruchstelle und verursachte hinter dem Deich eine Auskolkung, d.h. Bodenmaterial wurde heraus gespült. Durch ihre Lage in einer intensiv genutzten Landschaft waren die Kolke schon immer nährstoffreicher. Heute sind viele der Gewässer jedoch stark mit zusätzlichen Nährstoffen aus Düngung und Kot von Tieren angereichert. Einige Gewässer wurden künstlich als Viehtränken und Angelgewässer angelegt – letztere sind bis heute verpachtet und werden regelmäßig beangelt. Historische Aufnahmen belegen die Nutzung des großen zentralen Kolkes als Badegewässer – viele alteingesessene Rinderner Bürger kennen das Gewässer noch unter dem Namen Schwimmkolk.

Nutzungen

Die Grünlandflächen der Rindernschen Kolke werden landwirtschaftlich genutzt. Hier weiden Charolaisrinder und zahlreiche Pferde. Einzelne Wiesen werden als Mähweide genutzt. Zwar trägt die landwirtschaftliche Nutzung zur Offenhaltung des Gebietes bei, allerdings führt die derzeitige hohe Beweidungsintensität zu starken nachteiligen Auswirkungen auf Flora und Fauna des Gebietes, z.B. Trittschäden an der Grasnarbe, Bodenerosion an den Viehtriften, Nährstoffanreicherung in den Gewässern. Die Beeinträchtigung der Uferbereiche wirkt sich auf Amphibien, Libellen und Pflanzen der Wechselwasserzone nachteilig aus. Wir erarbeiten Naturschutzmaßnahmen, welche wir in enger Absprache mit Flächeneigentümern und Pächtern umsetzen.

Vogelwelt

Seit 1997 konnten in den Rindernschen Kolken 86 Brutvogelarten festgestellt werden. Die Zahl der jährlich brütenden Vogelarten liegt bei etwa 55 Arten. Davon werden vier Arten auf der Roten Liste Nordrhein-Westfalens geführt, weitere sieben Arten stehen auf der landesweiten Vorwarnliste. Früher kamen in den Feuchtwiesen der Rindernschen Kolke auch in Wiesen brütende Watvögel wie Kiebitz vor – seit vielen Jahren können Arten wie Rotschenkel, Kiebitz und Großer Brachvogel ausschließlich als Nahrungsgäste und Durchzügler beobachtet werden. An den Gewässern brüten überwiegend häufige Arten wie Stockente, Reiherente, Haubentaucher und Blässralle. Die Röhrichte werden von Teichrohrsängern, Rohrammern und Sumpfrohrsängern besiedelt. Unregelmäßig brüten Flussregenpfeifer entlang der kiesigen Ufer der größeren Gewässer. In den Kopfweiden am Drususdeich brütet unregelmäßig der Steinkauz, während im Gut Hogefeld alljährlich eine Schleiereulenfamilie zu beobachten ist. Mit Dorngrasmücke, Gartengrasmücke, Klappergras-mücke, Mönchsgrasmücke, Heckenbraunelle, Gelbspötter, Zilpzalp sowie verschiedenen Drossel- und Meisenarten sind die Gehölz- und Heckenbrüter artenreich vertreten. Die zeitweisen Rückgänge bei den Arten Heckenbraunelle, Rotkehlchen und Gartengrasmücke können mit der Pflege der Hecken entlang des Drususdeiches erklärt werden. Für viele Rastvogelarten haben die Rindernsche Kolke eine wichtige Bedeutung. Von den mehr als 30 nachgewiesenen Arten treten im Winter regelmäßig arktische Bläss- und Saatgänse auf – höhere Bestände erreichen auch Lach- und Sturmmöwen, sowie Graugänse und Blässrallen. Hinzu kommen regelmäßige Durchzügler wie Waldwasserläufer, Bruchwasserläufer, Krickente, Knäkente und Flussuferläufer.

Amphibien

In den Gewässern finden sich mit Teichmolch, Kammmolch, Erdkröte, Grasfrosch und Kleine Wasserfrosch fünf Amphibienarten. Von den nachgewiesenen Arten steht der Kammmolch auf der Roten Liste der in Nordrhein-Westfalen gefährdeten Amphibien

Libellen

In den Rindernsche Kolken wurden bislang 28 Libellenarten festgestellt. Besonders hervorzuheben sind die regelmäßigen Beobachtungen des Spitzenflecks (Libellula fulva) und der Kleinen Mosaikjungfer (Brachytron pratense) die in Nordrhein-Westfalen stark gefährdet sind. Zwei weitere stark gefährdete Libellenarten, die Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus) und das Kleine Granatauge (Erythromma viridulum), wurden 2005 erstmals gefunden. Die artenreichsten Gewässer beherbergen zwanzig und mehr Libellenarten. An ihren Ufern sind unterschiedliche Strukturen wie Röhricht, Schlammflächen, Schwimmblattpflanzen und Weidengebüsche nebeneinander ausgebildet, so dass sie für unterschiedliche Libellenarten mit jeweils spezifischen Ansprüchen geeignete Lebensräume bieten.

Flora

In den Rindernschen Kolken ist an zahlreichen Gewässern eine artenreiche Wasservegetation erhalten. Wasserpflanzengesellschaften, Teichbodenflora, Flutrasen bis hin zu den Röhrichten sind vielfältig ausgebildet und enthalten noch zahlreiche, gefährdete Arten. Das Grünland wird überwiegend intensiv genutzt und ist artenarm. Außerhalb der Kolke kommen gefährdete Arten wie z.B. Wiesenkümmel (Carum carvi), Erdbeerklee (Trifolium fragiferum), Flaumhafer (Avenochloa pubescens) und Wiesengerste (Hordeum secalinum) vor. Im feuchten Grünland in Senken und im Umfeld der Kolke Sumpfsternmiere (Stellaria palustris) und Schild-Ehrenpreis (Veronica scutellata). Von herausragender floristischer Bedeutung sind die Vorkommen der Poleiminze (Mentha pulegium) und des Stumpfblättrigen Laichkrautes (Potamogeton obtusifolius). Beide Arten sind im Niederrheinischen Tiefland stark gefährdet. Die Polei-Minze hat nur wenige Vorkommen in NRW und ist als vom Aussterben bedroht eingestuft.


Ziele und Maßnahmen der NABU-Naturschutzstation Niederrhein
Folgende Vorschläge zur Nutzung, Pflege und Entwicklung verfolgt die NABU-Naturschutzstation Niederrhein:

 

Extensivierung des Grünlandes
Minimierung der Nährstoffeinträge in den Gewässern, z.B. durch Einzäunung
Längere Wasserrückhaltung im Gebiet
Entschlammung einzelner Kolke
Pflege der Kopfbäume und Hecken

Info

Thomas Chrobock

 

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Telefon: 02826-91876-116


Die durch die NABU-Naturschutzstation Niederrhein betreuten Rindernschen Kolke sind ein Teilgebiet des NSG Salmorth. Die im Deichvorland liegende Halbinsel Salmorth wird durch das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve in Rees-Bienen betreut. Die Rindernschen Kolke bilden als südlicher Teil des NSG Salmorth und strukturreiche Landschaft mit einem natürlichen Kleinrelief einen wichtigen Trittstein für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten.


weiterführende Links:

Informationen von Kleve Marketing

Informationen der Stadt Kleve

Informationen von Naturschutz
  im Kreis Kleve

Heimatverein Rindern

Museum Forum Arenacum