Emmericher Ward

emmericher ward

 

Herausragendes Stück Rheinaue


Das Naturschutzgebiet Emmericher Ward ist ein überregional bedeutsames Auengebiet und Bestandteil des Internationalen Feuchtgebietes und EU-Vogelschutzgebietes Unterer Niederrhein. Schon seit den 1970er Jahren engagierte sich der Naturschutzbund Deutschland (NABU) für die Unterschutzstellung dieses herausragenden Gebietes.

 

1985 wurden die gut 310 Hektar Auengrünland mit Altrheinresten und relativ naturnahem Rheinufer als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen. Hauptziele sind der Erhalt des artenreichen Komplexes aus Stillgewässern, Verlandungszonen, extensivem Grünland und Kiesbänken am Rheinufer als Brut- und Nahrungsbiotope seltener und gefährdeter Wat- und Wasservögel und als Äsungsplätze (Fraßplätze) überwinternder Wildgänse sowie die Entwicklung von Auenwald. Besondere Bedeutung kommt weiterhin den Mager- und Trockenrasen-Standorten am Hochufer des Rheins mit Vorkommen gefährdeter Pflanzenarten und –gesellschaften sowie einem landesweit bedeutsamen Vorkommen von Stechimmen wie Sandwespen, Solitärbienen zu.

 

Aktuelles aus der Emmericher Ward

Schutzgebietsbetreuer Klaus Markgraf-Maué berichtet hier von Ereignissen, Beobachtungen und Schutzmaßnahmen in der Emmericher Ward. Aktuelle Informationen, vor allem zur neu angelegten Nebenrinne finden sich vor allem auf der Homepage des LIFE-Projekts Fluss und Aue Emmericher Ward.

 

September 2016: Auftakt für EU-LIFE-Projekt

Am 10. September war es soweit: die offizielle Auftaktveranstaltung für unser EU-LIFE-Projekt "Fluss- und Auenoptimierung Emmericher Ward" fand bei herrlichem Sommerwetter in Hüthum und in der Emmericher Ward statt. Näheres dazu findet sich auf der Homepage des Projektes: www.life-rhein-emmerich.de.

 

10. November 2015 Amphibienbagger sorgt für offene Wasserfläche

Um den offenen Charakter des westlichsten Rheinaltwassers in der Emmericher Ward aufrecht zu erhalten, wurden durch einen schwimmfähigen Bagger die zahlreich vorhandenen Weiden entfernt. Das Gewässer war so sehr von Weiden bewachsen, dass es vom Ostufer betrachtet nicht mehr ohne weiteres als Wasserfläche erkannt werden konnte:

Offene Gewässer sind jedoch ein wichtiger Lebensraum für seltene Brutvögel wie Schnatterente und Knäkente oder Rastvögel wie Krickente, Spießente und Pfeifente. Amphibien wie der Kammmolch profitieren ebenso von der Maßnahme wie der Bitterling, eine typische kleine Fischart der Altwasser. Diese Maßnahme folgt einem Zonierungskonzept: Im Osten des 310 Hektar großen Naturschutzgebietes Emmericher Ward ist die Entwicklung von Auenwald in Verbindung mit einer Rhein-Nebenrinne vorgesehen. Im westlichen Teil des Gebietes konzentrieren sich die Lebensräume und Arten der von Grünland und Gewässern geprägten offenen Auenlandschaft. Um ein Versinken in dem tiefen Schlamm zu verhindern, konnte die Maßnahme nur mit einem speziellen Amphibienbagger durchgeführt werden, der an Land fahren kann und im Wasser schwimmen.

Das Resultat kann sich sehen lassen:

 

7. Juli 2015 Studenten besuchen Projektgebiet

Am 01. Juli führte Naturschutzreferent Christian Langner Studenten der Landschaftsökologie der Westfälischen Universität Münster durch die Emmericher Ward und informierte über das Life Projekt. Er erläuterte, wie hier zukünftig die ursprünglichen Lebensräume mit ihren typischen Bewohnern wiederhergestellt und gefördert werden sollen. Ein Highlight waren die duftenden Blüten des Baldrians, der typisch ist für den Ziel-Lebensraum "Feuchte Hochstaudenfluren".

20. Oktober 2012 Arbeitseinsatz "Anpacken für den Wiesensalbei"

Sechs Ehrenamtliche packten an und sicherten dem Wiesensalbei einen Platz an der Sonne. Gehölze wurden zurückgeschnitten, ein weiterer Abschnitt der Sandrasen auf dem trocken-warmen Rheinhochufer freigestellt. Zusammen mit dem Salbei profitieren zahlreiche seltene Pflanzen- und Insektenarten von der Maßnahme.

Details Emmericher Ward

Historie - Das Gebiet früher und heute

Die Grundstruktur der Emmericher Ward wurde durch den Rhein und seine wandernden Arme geprägt. Nach Hoppe (1970) ist der Rhein oder ein Arm desselben, zuletzt zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert immer wieder im Bereich der Emmericher Ward verlaufen. Für die Zeit bis zum Beginn der systematischen Strombaumaßnahmen ergibt sich das Bild einer durch Altarme und Strominseln geprägten Auenlandschaft. Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts liegt der Rhein in seinem heutigen Verlauf weitgehend fest. Der systematische Ausbau des Rheins mit Buhnen in der heute noch vorhandenen Form erfolgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Etwa Dreiviertel der Oberfläche des Gebietes sind durch Abgrabung, Lehm- und Bodenentnahmen und anschließende Auffüllung mit Bodenaushub unterschiedlicher Herkunft verändert. Am Rhein befindet sich weiterhin eine Kies-Nassabgrabung, die nicht wieder verfüllt wurde.

Nutzungen

Das Grünland der Emmericher Ward befindet sich zum überwiegenden Teil im Besitz des Landes NRW. Die Flächen sind unter Naturschutzauflagen verpachtet und extensiv bewirtschaftet. Teilflächen am Rhein werden mittels Schafbeweidung offengehalten und gepflegt. Die rheinnahen Flächen werden seit über 20 Jahren nicht mehr genutzt. In diesem Bereich der Buhnenfelder haben sich großflächig Staudenfluren und Weichholz-Auengehölze entwickelt. Landseits schließt der Banndeich das Gebiet ab.

Flora und Fauna

Die Emmericher Ward beherbergt eine sehr vielfältige Brutvogelfauna. Zu den wertbestimmenden Arten gehören Wasservögel wie Knäkente und Zwergtaucher, Watvogelarten wie Flussregenpfeifer, Kiebitz und Rotschenkel ebenso wie Arten der strukturreichen Hochstaudenkomplexe und Auengehölze wie Schwarzkehlchen, Blaukehlchen und Nachtigall. Unregelmäßig besiedelt auch der Wachtelkönig die Staudenfluren am Rhein.
Der Emmericher Ward kommt innerhalb des EU-Vogelschutzgebietes „Unterer Niederrhein“ eine herausragende Bedeutung als Rast- und Überwinterungsgebiet für Gänse, Enten und Watvögel zu. Wichtige Wasservogelarten sind zum Beispiel Pfeifente, Löffelente, Spießente und auf dem ufernahen Rhein die Schellente. Bei mittleren Hochwasserständen mit entsprechend großflächig überschwemmten Wiesen können in der Ward bis zu mehrere tausend Wasservögel und Möwen beobachtet werden.  
Die Vielfalt der Gewässer beherbergt weiterhin artenreiche Libellengemeinschaften, darunter so spezialisierte Arten wie die Asiatische Keiljungfer (Gomphus flavipes) an sandigen Uferabschnitten des Rheins, und inidivuenreiche Amphibienvorkommen.
Im Gebiet wurden seit 1996 fast 380 Gefäßpflanzenarten nachgewiesen. Die charakteristischen stromtalbegleitenden Florenelemente der Trockenwiesen, Staudenfluren und Auengewässer sind artenreich vertreten. Damit gehört das Naturschutzgebiet Emmericher Ward floristisch zu den regional bis landesweit bedeutenden Auengebieten der Großlandschaft Niederrheinisches Tiefland.
Diese Bewertung wird unterstrichen durch die Vorkommen von 35 Arten der Roten Liste NRW bzw. des Naturraums Niederrheinisches Tiefland. Zu den floristisch bedeutsamsten Biotoptypen des Gebietes gehören trockene Wiesen- und Weideausbildungen, Stromtal-Halbtrockenrasen und Sandrasen des Rheinhochufers, Staudenfluren rheinseits des Hochufers und die vielfältigen Auengewässer bis hin zu den temporär wasserbedeckten Schlammfluren zwischen den Buhnen am Rhein.

Ziele und Maßnahmen der NABU-Naturschutzstation Niederrhein

Das Naturschutzgebiet Emmericher Ward soll im westlichen Teil als offene Grünland-Gewässerlandschaft der Auen mit ihrer artenreichen, spezifischen Tier- und Pflanzenwelt erhalten und weiterentwickelt werden. Entscheidender Engpass ist dabei der Wasserhaushalt des Gebietes. Durch die fortschreitende Eintiefung der Rheinsohle wird die Aue immer trockener.
Im östlichen Teil des Gebietes ist die Entwicklung größerer Auenwald-Flächen in Verbindung mit der Anlage einer Rhein-Nebenrinne vorgesehen. Diese Maßnahmen werden derzeit im Rahmen des LIFE-Projektes Fluss und Aue Emmericher Ward vorangetrieben.

Galerie Emmericher Ward