Wie können Böden langfristig fruchtbar bleiben? Welche Maßnahmen machen sie widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Sie in unserer FAQ.
Grundlage sind die Erkenntnisse von 14 Expertinnen und Experten, die in Workshops aktuelle Forschungsergebnisse zu verschiedenen Themen der Landwirtschaft vorgestellt und diskutiert haben. Die Präsentationsfolien der Vorträge stehen unten zum Download bereit.
Humus ist die stabile organische Substanz im Boden, die aus abgestorbenen Pflanzenresten, Wurzeln und Mikroorganismen entsteht. Er ist ein zentraler Bestandteil fruchtbarer Böden, da er Wasser und Nährstoffe speichern, die Bodenstruktur verbessern und das Bodenleben fördern kann. Darüber hinaus spielt Humus eine wichtige Rolle bei der Speicherung von Kohlenstoff und trägt damit zum Klimaschutz bei.
Ein hoher Humusgehalt verbessert die Ertragsstabilität, insbesondere in Trocken- und Starkregenphasen. Böden mit gutem Humusgehalt reagieren deutlich resilienter auf Wetterextreme.
Nach aktuellem Kenntnisstand entsteht stabiler Humus vor allem durch mikrobielle Umsetzungsprozesse im Boden. Bodenmikroorganismen zersetzen organisches Material und wandeln es in stabile Verbindungen um, die an Mineralbestandteile des Bodens, beispielsweise Tonpartikel, gebunden werden können.
Eine besonders wichtige Rolle spielen dabei die Pflanzenwurzeln. Heute geht man davon aus, dass ein großer Teil der organischen Substanz im Boden aus Wurzeln und ihren Ausscheidungen stammt. Für den Humusaufbau ist daher eine möglichst ganzjährige und vielfältige Durchwurzelung des Bodens entscheidend. Mehrjährige Kulturen, Zwischenfrüchte und vielfältige Fruchtfolgen können diesen Prozess unterstützen.
In vielen Regionen Europas werden sinkende Humusgehalte in landwirtschaftlich genutzten Böden beobachtet. Ursache hierfür sind sowohl klimatische Veränderungen als auch die Art der Bewirtschaftung.
Steigende Temperaturen beschleunigen die Aktivität von Bodenorganismen und damit den Abbau organischer Substanz. Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Humusvorräte pro Grad Celsius Erwärmung um etwa zehn Prozent verringern können.
Auch die Bewirtschaftung hat einen erheblichen Einfluss auf den Humusgehalt. Besonders eine intensive Bodenbearbeitung mit häufigem und tiefem Pflügen fördert die Belüftung des Bodens und beschleunigt dadurch den Humusabbau. Zudem werden durch die Entfernung von Ernteresten potenzielle Kohlenstoffquellen entzogen, die sonst zur Bildung neuer organischer Substanz beitragen könnten.
Ein nachhaltiger Humusaufbau erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der Pflanzenvielfalt, eine möglichst kontinuierliche Bodenbedeckung, ein aktives Bodenleben und eine angepasste Bewirtschaftung miteinander verbindet.
Organische Düngemittel wie Mist, Gülle, Kompost oder Gärreste liefern Kohlenstoff und fördern die biologische Aktivität im Boden. Mineralische Düngemittel tragen dagegen keinen direkten Kohlenstoff bei.
Wichtig sind außerdem günstige Standortbedingungen wie ein angepasster pH-Wert, ausreichende Nährstoffversorgung und ggf. Kalkung. Auch Komposttees sowie Pflanzenkohle können Bodenprozesse unterstützen.
Pflügen
Der Verzicht auf Pflügen allein führt nicht automatisch zu Humusaufbau, kann aber den Abbau verlangsamen. Verfahren wie Mulchsaat oder Direktsaat stabilisieren die Bodenstruktur. Für langfristigen Humusaufbau muss reduzierte Bodenbearbeitung mit Zwischenfrüchten, Fruchtfolgen und organischer Düngung kombiniert werden.
Zwischenfrüchte und Untersaaten
Zwischenfrüchte und Untersaaten halten den Boden ganzjährig bedeckt und durchwurzelt. Sie fördern Bodenleben, reduzieren Nährstoffverluste und erhöhen die Wasserspeicherfähigkeit.
Vielfältige Fruchtfolgen
Unterschiedliche Pflanzenarten fördern verschiedene Bodenprozesse und Wurzelräume. Dadurch wird die biologische Vielfalt erhöht und der Humusaufbau unterstützt.
Agroforst kombiniert Landwirtschaft mit Bäumen oder Sträuchern. Diese liefern organische Substanz über Laub und Wurzeln, verbessern das Mikroklima, erhöhen die Wasserspeicherung und fördern die Biodiversität.
Mehr zu Agroforstsystemen siehe unten
Weidetiere bringen über Kot und Harn organische Substanz in den Boden ein und fördern die biologische Aktivität. Gleichzeitig regen sie das Pflanzenwachstum und damit die Wurzelbildung an.
Mehr zu verschiedenen Weidesystemen siehe unten
Wasser ist eine zentrale Ressource in der Landschaft, dennoch geht in Deutschland zunehmend Wasser verloren. Ursachen sind unter anderem Flächenversiegelung, begradigte und kanalisiert ausgebaute Gewässer sowie fehlende natürliche Rückhalteräume.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Bodenqualität: Verdichtete Böden können Wasser schlechter aufnehmen und speichern. Dadurch steigen Oberflächenabfluss, Erosion und Hochwasserrisiko.
Für vergleichsweise trockene Regionen wurde festgestellt, dass ein erheblicher Anteil der Trockenheit auf ungeeignete Landnutzungspraktiken zurückzuführen ist.
Wasserverfügbarkeit entscheidet zunehmend über Ertragssicherheit – insbesondere in Trockenperioden.
Böden spielen eine Schlüsselrolle im Wasserkreislauf. Bodenlebewesen wie Mikroorganismen fördern die Bildung von Bodenporen, die Wasseraufnahme und -speicherung ermöglichen.
Humus trägt zusätzlich wesentlich zur Wasserspeicherung bei: Je höher der Humusgehalt, desto mehr Wasser kann ein Boden pflanzenverfügbar speichern.
Böden sind die wichtigsten natürlichen Wasserspeicher an Land. Ihre Struktur und biologische Aktivität bestimmen maßgeblich, wie gut Landschaften mit Trockenheit, Starkregen und Klimaveränderungen umgehen können.
Pflanzen verdunsten Wasser, das in die Atmosphäre gelangt, Wolken bildet und zur Niederschlagsbildung beiträgt. Ein erheblicher Teil der Niederschläge wird durch Vegetation beeinflusst.
Eine vielfältige und gesunde Vegetation trägt daher wesentlich zu einem stabilen lokalen und regionalen Klima bei – dies wird als „kleiner Wasserkreislauf“ bezeichnet.
Weniger Vegetation führt entsprechend zu geringerer Verdunstung und potenziell weniger Niederschlag. Gleichzeitig erwärmen sich unbedeckte Böden stärker, wodurch Wasser schneller verloren geht.
Verdunstung hat zudem eine kühlende Wirkung auf das Mikroklima – insbesondere Bäume können eine Kühlleistung im Bereich mehrerer Klimaanlagen erreichen.
In vielen Regionen fehlt zunehmend Wasser in der Landschaft. Häufigere Trockenperioden und geringere Niederschläge verschärfen diese Entwicklung.
Gleichzeitig sind viele landwirtschaftliche Flächen stark auf schnelle Entwässerung ausgelegt. Gräben, Drainagen und Ableitungssysteme führen dazu, dass Wasser die Landschaft schnell verlässt, statt vor Ort gespeichert zu werden.
Maßnahmen zur Wasserrückhaltung sind häufig genehmigungspflichtig und unterliegen dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) sowie der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL).
Wasser gilt rechtlich als öffentliches Gut. Daher bestehen Einschränkungen beim Stauen oder Umleiten. Auch in Gewässern muss stets ein Mindestabfluss gewährleistet bleiben. Viele Entwässerungsgräben gelten ebenfalls als Gewässer und fallen unter diese Regelungen.
Wiedervernässung oder gezielter Wasserrückhalt erfordern daher meist behördliche Genehmigungen, deren konkrete Ausgestaltung regional unterschiedlich ist.
Der Umgang mit Wasser in der Landschaft ist häufig mit Zielkonflikten verbunden, insbesondere zwischen Hochwasserschutz und Wasserrückhalt, landwirtschaftlicher Nutzung und Retentionsflächen sowie Gewässerdurchgängigkeit und Stauung.
Maßnahmen zum Wasserrückhalt können wirtschaftliche Belastungen mit sich bringen. Dazu zählen Flächenverluste durch Retentionsräume, hohe Investitionskosten sowie komplexe Genehmigungsverfahren.
Zusätzlich sind Förderstrukturen oft regional unterschiedlich und schwer überschaubar.
Eine zentrale Strategie besteht darin, Wasser möglichst lange in der Landschaft zu halten. Auf Landschaftsebene gehören dazu die Renaturierung von Flüssen und Auen, die Wiedervernässung von Mooren sowie der Aufbau von Schwamm- und Retentionslandschaften.
Auf Betriebsebene spielt der Boden eine entscheidende Rolle: Humusaufbau erhöht die Wasserspeicherfähigkeit, während eine stabile Bodenstruktur die Versickerung verbessert. Bodenverdichtung sollte vermieden werden.
Die vollständige Entfernung von Drainagen ist in der Praxis oft schwierig. Häufig reicht jedoch eine Teilregulierung oder ein gezielter Verschluss aus.
Drainagen können mit Stauelementen ausgestattet werden, sodass der Wasserstand flexibel gesteuert werden kann. Dadurch bleibt die Fläche bei Bedarf entwässerbar, während in anderen Zeiträumen Wasser zurückgehalten wird.
Durch Wehre oder Stauklappen kann die Fließgeschwindigkeit reduziert und der Wasserabfluss verlangsamt werden.
Dabei sind rechtliche Vorgaben zu beachten, da Eingriffe in Gewässer genehmigungspflichtig sein können. Zudem können bauliche Maßnahmen kostenintensiv sein. Übergangslösungen wie Sandsäcke oder provisorische Systeme können erste Erfahrungen ermöglichen.
Rückhaltebecken sowie Mulden und Senken dienen dazu, Starkregenereignisse zu puffern und Wasser zeitweise zu speichern.
Gleichzeitig fördern sie die Versickerung und tragen zur Grundwasserneubildung bei.
Praxisorientierte Plattformen und Projekte unterstützen die Umsetzung, darunter boden:ständig sowie verschiedene regionale Initiativen.
Ein Beispiel ist die Suderberger Stauklappe, ein selbst regulierender Wehr der Hochschule Ostfalia.
Projekt Wässerwiesen des DVL unter Leitung von Thomas Köhler Tel.:+49 981 / 1800 99-34E-Mail:t.koehler@dvl.org
Zu den Mikroorganismen im Boden zählen Bakterien, Pilze, Algen und weitere Kleinstlebewesen. Sie spielen eine zentrale Rolle für die Bodenfruchtbarkeit, da sie organische Substanz umsetzen und maßgeblich am Humusaufbau beteiligt sind. Darüber hinaus beeinflussen sie den Wasserhaushalt des Bodens, indem sie zur Bildung und Stabilisierung von Bodenporen beitragen, die für die Wasseraufnahme und -speicherung wichtig sind. Ein gesunder Boden ist daher stark von seiner biologischen Aktivität abhängig.
Ein aktives Bodenleben ist direkt mit Ertragssicherheit und Bodenstabilität verbunden. Böden funktionieren nur langfristig produktiv, wenn Mikroorganismen ausreichend Lebensbedingungen vorfinden.
Die Pflanze kann als Holobiont betrachtet werden – also als funktionales Gesamtsystem aus Pflanze und Bodenmikrobiom. Dieses Prinzip lässt sich mit der Darmflora des Menschen vergleichen. Auch der Mensch ist auf Mikroorganismen angewiesen, die wesentlich zur Gesundheit und Widerstandsfähigkeit beitragen.
Auch das Bodenmikrobiom benötigt eine vielfältige „Ernährung“. Diese wird durch abwechslungsreiche Fruchtfolgen sowie Zwischen- und Untersaaten gefördert. Unterschiedliche Pflanzenarten versorgen verschiedene Mikroorganismen mit Nährstoffen und erhöhen so die biologische Vielfalt im Boden.
Pflanzen geben über ihre Wurzeln organische Verbindungen wie Zucker, Aminosäuren und andere Exsudate an den Boden ab. Diese dienen Mikroorganismen als Energiequelle.
Im Gegenzug machen Bodenlebewesen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar, fördern stabile Bodenstrukturen und unterstützen den Humusaufbau. Dadurch entsteht eine enge wechselseitige Beziehung zwischen Pflanze und Bodenleben.
Organische Dünger wie Kompost oder Mist liefern Nahrung für Mikroorganismen und fördern deren Aktivität sowie den Aufbau von Humus.
Unterschiedliche Pflanzenarten fördern verschiedene Mikroorganismen und erhöhen die biologische Vielfalt im Boden. Dadurch wird die Stabilität des Bodenökosystems verbessert.
Eine gute Bodenstruktur sorgt für ausreichend Luft und Wasser im Boden – wichtige Voraussetzungen für ein aktives Bodenleben. Verdichtungen sollten daher möglichst vermieden werden.
Pflanzenkohle ist ein kohlenstoffreiches Material mit poröser Struktur. Sie bietet Mikroorganismen geschützte Lebensräume und kann Wasser sowie Nährstoffe speichern.
Dadurch unterstützt sie die Bodenmikrobiologie, verbessert die Bodenstruktur und kann den Humusaufbau fördern. Gleichzeitig wird Kohlenstoff langfristig im Boden gebunden und trägt damit zum Klimaschutz bei. Besonders wirksam ist sie in Kombination mit organischen Düngern wie Kompost oder Mist.
Agroforst bezeichnet die Kombination von Landwirtschaft und Forstwirtschaft auf derselben Fläche. Dabei werden Bäume oder Sträucher gezielt mit Ackerbau und/oder Tierhaltung kombiniert. Die Gehölze werden meist in Reihen oder Streifen angelegt und gemeinsam mit landwirtschaftlichen Kulturen bewirtschaftet.
Agroforstsysteme waren früher in Europa weit verbreitet und gewinnen heute im Kontext von Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Bodenschutz wieder zunehmend an Bedeutung.
Agroforstsysteme wirken sich positiv auf mehrere ökologische Funktionen aus:
Mikroklima: Bäume kühlen durch Verdunstung, spenden Schatten, reduzieren Wind und verringern die Verdunstung am Boden.
Boden: Tiefreichende Wurzeln verbessern die Bodenstruktur, fördern den Humusaufbau und reduzieren Erosion deutlich.
Biodiversität: Die zusätzliche Strukturvielfalt schafft neue Lebensräume und erhöht die Artenvielfalt in der Landschaft.
Die ökologischen Effekte führen auch zu wirtschaftlichen Vorteilen. Der Bedarf an Maßnahmen wie Erosionsschutz, Windschutz oder zusätzlicher Bewässerung kann sinken, wodurch indirekt Kosten eingespart werden.
Gleichzeitig erhöhen Agroforstsysteme die betriebliche Resilienz gegenüber Klimaveränderungen, Wetterextremen und Ertragsschwankungen. Durch zusätzliche Produktionszweige entsteht zudem eine höhere wirtschaftliche Stabilität.
Grundsätzlich sind vielfältige Ausgestaltungen möglich. Beispiele sind Streuobstwiesen mit Tierhaltung, Wertholzsysteme im Ackerbau oder Hühnerhaltung unter Gehölzen.
Drei Haupttypen lassen sich unterscheiden:
Ackerbau-Agroforst: Gehölze werden in Reihen in Ackerflächen integriert, zwischen denen weiterhin landwirtschaftlicher Anbau möglich ist.
Silvopastoral: Kombination von Gehölzen und Weidehaltung. Tiere profitieren von Schatten und Windschutz, die Fläche bleibt landwirtschaftlich nutzbar.
Agrosilvopastoral: Kombination aus Ackerbau, Tierhaltung und Gehölzen auf einer Fläche.
Alle Systeme tragen zur Biodiversität, zum Bodenschutz und zu einer vielfältigeren Landnutzung bei.
Weitere Praxisbeispiele: Bäuerliche Agroforste (ABL NRW)
Die Investitionskosten für Agroforstsysteme können je nach Ausgestaltung erheblich sein. Da wirtschaftliche Erträge häufig erst nach mehreren Jahren entstehen, ist zunächst eine finanzielle Vorleistung erforderlich. Zudem steigt insbesondere in der Etablierungsphase der Pflege- und Managementaufwand.
Baumreihen können die maschinelle Bewirtschaftung erschweren. Fahrgassen müssen angepasst werden, und der Einsatz großer Landmaschinen ist teilweise eingeschränkt.
Zusätzlich ist der Planungsaufwand hoch, da Agroforstsysteme langfristig und standortspezifisch konzipiert werden müssen. Bei unzureichender Planung können zudem Ertragseinbußen durch Konkurrenz zwischen Gehölzen und Feldfrüchten entstehen.
Seit 2023 ist Agroforst im Rahmen der GAP-Direktzahlungen (GAPDZV §4) als landwirtschaftliche Fläche anerkannt, sofern die landwirtschaftliche Produktion im Vordergrund steht.
In der Praxis bestehen jedoch weiterhin Unsicherheiten, da Agroforstsysteme bei Behörden noch nicht überall etabliert sind. Auch Pachtverhältnisse können zusätzliche Herausforderungen darstellen.
– GAP-Ökoregelung 3: Förderung mit ca. 600 €/ha Gehölzfläche pro Jahr
– Investitionsförderungen in einzelnen Bundesländern (z. B. Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen)
– Weitere Programme und Initiativen wie SilvoCultura
Weitere Unterstützung bieten praxisorientierte Netzwerke und Initiativen wie die Bäuerliche Agroforste der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e. V. (NRW), die Betriebe beim Einstieg in Agroforstsysteme begleiten.
Ein effizientes Weidemanagement bildet die Grundlage für eine nachhaltige Grünlandbewirtschaftung. Ziel ist es, die vorhandenen Weideflächen optimal zu nutzen, eine hohe Futterqualität sicherzustellen und gleichzeitig die Gesundheit der Tiere sowie die langfristige Produktivität der Grasnarbe zu erhalten. Durch die Wahl eines geeigneten Weidesystems kann der Aufwuchs des Grases besser gesteuert und die Nutzung an die Bedürfnisse des Betriebs angepasst werden.
Je nach Betriebsform und Bewirtschaftungsziel kommen unterschiedliche Weidesysteme zum Einsatz. Bei der Kurzrasenweide bleiben die Tiere dauerhaft auf einer Fläche, die kontinuierlich kurz gehalten wird. Die Umtriebsweide teilt die Weide in mehrere Parzellen, zwischen denen die Tiere regelmäßig wechseln, sodass sich die abgeweideten Flächen erholen können. Bei der Portionsweide wird den Tieren täglich oder mehrmals pro Woche eine neue Fläche zugeteilt, wodurch das Futter besonders effizient genutzt wird. Die Standweide zeichnet sich dagegen durch eine längere Nutzung derselben Fläche mit nur wenigen Wechseln aus.
Die herkömmliche Kurzrasenweide ist einfach zu bewirtschaften, bringt jedoch einige Nachteile mit sich. Durch den dauerhaften Verbiss wird das Gras oft zu stark belastet, wodurch die Nachwuchsleistung der Pflanzen sinkt. Gleichzeitig entstehen über- und unterbeweidete Bereiche, was die Futterqualität und den Weideertrag verringert. Zudem können Bodenverdichtungen, Trittschäden und eine zunehmende Ausbreitung von Unkräutern die langfristige Produktivität der Weide beeinträchtigen. Moderne Weidemanagement-Konzepte setzen daher verstärkt auf eine gezielte Steuerung der Beweidung, um Tierwohl, Ertrag und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden.
Synonyme sind unter anderem regenerative Weidewirtschaft, Holistic Grazing Management oder Rational Grazing.
Mob Grazing ist ein Weidesystem, das sich am natürlichen Verhalten großer Pflanzenfresser orientiert. Es basiert auf sehr kurzen, intensiven Beweidungsphasen und anschließenden langen Erholungszeiten für die Vegetation.
Durch die hohe Besatzdichte entsteht sogenannter Herdendruck: Die Tiere fressen weniger selektiv und nehmen auch weniger schmackhafte Pflanzenarten mit auf.
Das System kann zur Stabilisierung von Futterproduktion, Bodenfruchtbarkeit und Tiergesundheit beitragen, ist jedoch stark managementintensiv.
Im Mittelpunkt steht nicht die maximale tierische Leistung, sondern die Regeneration der Vegetation. Pflanzen erhalten ausreichend Erholungszeit und können dadurch mehr Energie in das Wurzelwachstum investieren.
Ziel ist die gleichzeitige Förderung von Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Klimaschutz und Tierwohl. Erste Beobachtungen aus der Praxis sowie Vergleichsstudien deuten auf eine verbesserte Bodenstruktur, stärkere Durchwurzelung und ein aktiveres Bodenleben hin.
Tierische Ausscheidungen spielen dabei eine wichtige Rolle, da sie die mikrobielle Aktivität im Boden fördern und gleichzeitig Nährstoffe zurückführen.
Durch die intensive, aber kurze Beweidung wird Pflanzenmaterial teilweise in den Boden eingearbeitet und mit Kot und Urin vermischt. Dadurch wird organische Substanz schneller mikrobiell umgesetzt und kann langfristig zur Humusbildung beitragen.
Der Dung dient zusätzlich als Nährstoffquelle und stimuliert das Bodenleben.
Mob Grazing wird häufig in trockenen Regionen eingesetzt, kann aber auch in mitteleuropäischen Systemen zur Stabilisierung in Trockenjahren beitragen.
Ein wichtiger Faktor ist die verbesserte Bodenstruktur, die die Wasserspeicherfähigkeit erhöht. Zudem wird die Vegetation nicht vollständig gleichzeitig abgefressen, wodurch die Regenerationsfähigkeit der Fläche erhalten bleibt.
Mob Grazing eignet sich grundsätzlich besonders für die Mutterkuhhaltung, da kein tägliches Melken erforderlich ist.
In der Milchviehhaltung ist das System ebenfalls möglich, erfordert jedoch deutlich höheren organisatorischen Aufwand. Mit mobilen Melksystemen oder hofnahen Weideflächen kann es auch dort integriert werden.
Im Milchviehbereich zeigen Versuche, etwa an der Landwirtschaftlichen Schule Riswick, dass bei guter Umsetzung eine stabile Milchleistung erreichbar ist. In einzelnen Fällen können Leistungen in Trockenjahren sogar stabiler sein als in konventionellen Systemen.
Das System ist jedoch nicht primär auf maximale Einzelleistung ausgelegt, sondern auf die langfristige Stabilität des Gesamtsystems.
Ein wesentlicher Nachteil ist der hohe Arbeitsaufwand, da Tiere häufig umgesetzt werden müssen.
Zusätzlich sind flexible Infrastrukturen wie Zäune, Tränken und Unterstände erforderlich. Auch logistische Anforderungen und fehlende Erfahrungswerte in der Praxis können die Umsetzung erschweren.
Es existieren verschiedene Umsetzungsformen.
Ein Beispiel ist der Betrieb von Reiner Westers in Steinfurt, der ein mobiles „Rindermobil“ nutzt, bei dem ein komplettes Weidesystem inklusive Zaun, Tränke und Unterstand täglich auf etwa 400–450 m² umgesetzt wird.
Am Standort Haus Riswick werden sogenannte Zaunspinnen eingesetzt, um das tägliche Umsetzen der Weideflächen zu erleichtern.
Andere Betriebe arbeiten mit fest installierten Zwischenzäunen, um die Flächenrotation effizienter zu gestalten.
Ein erheblicher Anteil der Böden in Europa ist von Verdichtungen betroffen. Rund ein Viertel der Böden weist im Unterboden starke Verdichtungen auf, während viele weitere Flächen Strukturprobleme im Oberboden zeigen.
Besonders kritisch ist die Unterbodenverdichtung, da sie nur schwer oder kaum reversibel ist.
Bodenverdichtung entsteht durch hohen Druck auf den Boden, beispielsweise durch schwere landwirtschaftliche Maschinen.
Ein entscheidender Faktor ist die Bodenfeuchte: Je nasser der Boden ist, desto stärker wirkt sich die Belastung auf die Bodenstruktur aus und desto schneller entstehen Verdichtungen.
Bodenverdichtung wirkt sich direkt auf die Produktionsfähigkeit von Böden aus und beeinflusst Wasserhaushalt, Ertragssicherheit und Pflanzenentwicklung.
Verdichtete Böden weisen eine deutlich verringerte Bodenfruchtbarkeit auf. Sie können weniger Wasser aufnehmen und speichern, wodurch die Ertragsleistung sinkt.
Gleichzeitig ist das Wurzelwachstum eingeschränkt, da der durchwurzelbare Bodenraum reduziert wird.
Darüber hinaus steigt die Anfälligkeit für Erosion, da Wasser verstärkt oberflächlich abfließt. Auch Trockenstress und Extremwetterfolgen nehmen zu, da der Boden seine Pufferfunktion verliert.
Typische Anzeichen im Feld sind:
– Wasser bleibt nach Niederschlägen länger an der Oberfläche stehen
– Pfützen- und Staunässebildung
– ungleichmäßiger Pflanzenbestand
– Trockenstress trotz ausreichender Niederschläge
– horizontales statt tiefem Wurzelwachstum
Zur genaueren Bewertung können Feldleitfäden wie der Bestimmungsschlüssel zur Erkennung und Bewertung von Bodenschadverdichtungen (z. B. MUNLV und FH Südwestfalen) genutzt werden.
Ein zentraler Ansatz zur Reduzierung von Bodenverdichtung ist die Anpassung der Fahrzeugtechnik.
Leichtere Maschinen und eine angepasste Bewirtschaftung können die Bodenbelastung deutlich reduzieren, auch wenn dies teilweise mit geringerer Arbeitseffizienz verbunden ist.
Wichtig ist zudem die Bereifung: Breitreifen oder Systeme mit reduziertem Reifendruck verbessern die Lastverteilung erheblich. Besonders bodenschonend sind Raupenfahrwerke, die jedoch mit höheren Investitionskosten verbunden sind.
Mechanische Tiefenlockerung kann kurzfristig die Bodenstruktur verbessern, beseitigt jedoch meist nur Symptome. Ohne begleitende Maßnahmen tritt die Verdichtung häufig erneut auf.
Nachhaltiger ist eine Kombination aus:
– angepasstem Maschineneinsatz
– vielfältigen Fruchtfolgen
– Zwischenfruchtanbau
– Humusaufbau
– Förderung des Bodenlebens
Eine hohe biologische Aktivität ist entscheidend, da insbesondere wasserleitende Mittelporen wesentlich durch Bodenorganismen gebildet werden.
Kunststoffe sind aus der modernen Landwirtschaft kaum wegzudenken. Sie werden unter anderem für Mulchfolien, Gewächshäuser, Silageballen, Bewässerungssysteme und Schutznetze eingesetzt.
Der Einsatz erfolgt, weil Kunststoffe leicht, wetterbeständig, flexibel und vergleichsweise günstig sind. Dadurch können Erträge gesichert, Wasser eingespart und Kulturen besser geschützt werden.
Gleichzeitig entstehen durch Herstellung und Nutzung erhebliche Umweltwirkungen, insbesondere wenn Materialien nicht vollständig rückgeführt werden.
Kunststoffe werden überwiegend aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Werden sie nicht vollständig eingesammelt, können sie in Böden und Gewässer gelangen und dort über die Zeit zu Mikroplastik zerfallen.
Dieses kann sich langfristig im Boden anreichern und Bodenorganismen beeinträchtigen. Zusätzlich entstehen Treibhausgasemissionen durch Herstellung und Entsorgung.
Ein kompletter Verzicht auf Kunststoffe ist derzeit in der Landwirtschaft kaum möglich, da die Materialien sehr unterschiedliche technische Anforderungen erfüllen müssen.
Sie sollen reißfest, flexibel, wasserabweisend, UV-beständig und gleichzeitig kostengünstig sein. Zudem müssen sie oft über lange Zeiträume unter wechselnden Witterungsbedingungen stabil bleiben.
Alternative Materialien wie Papier, Holzfasern oder Naturtextilien erfüllen diese Anforderungen bislang nur eingeschränkt. Besonders bei Anwendungen mit hoher Barrierewirkung, etwa Silagefolien, bestehen derzeit kaum gleichwertige Alternativen.
Die Reinigung und Wiederverwendung von Folien direkt am Betrieb ist in der Regel mit hohem Aufwand verbunden und wirtschaftlich nur schwer umsetzbar.
Eine vielversprechende Lösung sind zentrale Sammel-, Reinigungs- und Recyclingsysteme, die Agrarkunststoffe nach ihrer Nutzung aufbereiten und in den Materialkreislauf zurückführen.
Der Ausbau solcher Systeme kann dazu beitragen, Kunststoffeinträge in die Umwelt deutlich zu reduzieren.
Biokunststoffe umfassen sowohl biobasierte als auch biologisch abbaubare Kunststoffe. Beide Eigenschaften treten nicht zwangsläufig gemeinsam auf.
So gibt es biobasierte Kunststoffe, die nicht biologisch abbaubar sind (z. B. biobasiertes Polyethylen). Umgekehrt existieren biologisch abbaubare Kunststoffe, die teilweise aus fossilen Rohstoffen bestehen.
In der Landwirtschaft werden Biokunststoffe bislang vor allem bei Mulchfolien eingesetzt. Weitere Anwendungen befinden sich in der Entwicklung.
Studien zeigen bislang überwiegend keine signifikanten Veränderungen des Bodenmikrobioms, sofern keine problematischen Zusatzstoffe enthalten sind.
Bei Bodenlebewesen wie Regenwürmern sind die Ergebnisse jedoch uneinheitlich. Insgesamt besteht noch Forschungsbedarf, insbesondere zu Langzeitwirkungen und möglichen Rückständen im Boden.
Biologisch abbaubare Mulchfolien können im Boden verbleiben und dort eingearbeitet werden. Dadurch entfällt das Einsammeln und die Entsorgung nach der Nutzung.
Allerdings sind diese Materialien derzeit meist teurer und teilweise weniger reißfest als konventionelle Folien. Zudem hängt die Abbaurate stark von Boden- und Klimabedingungen ab.
Für Silagefolien sind sie bislang nur eingeschränkt geeignet, da hohe Anforderungen an Dichtheit, UV-Stabilität und Haltbarkeit bestehen.
Beim Abbau biologisch abbaubarer Kunststoffe wird der enthaltene Kohlenstoff überwiegend wieder als CO₂ freigesetzt. Ein nennenswerter Beitrag zum Humusaufbau ist daher nicht zu erwarten.
Bei fossilen Ausgangsstoffen gelangt zusätzlicher Kohlenstoff in den Kreislauf. Biobasierte Varianten setzen hingegen nur den zuvor von Pflanzen aufgenommenen Kohlenstoff wieder frei.
Biobasiertes Polyethylen wird aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrohr oder Zuckerrüben hergestellt. Es ist jedoch – wie konventionelles PE – nicht biologisch abbaubar.
Der Vorteil liegt darin, dass es technisch identische Eigenschaften besitzt und ohne Leistungseinbußen eingesetzt werden kann.
Allerdings sind die Produktionskosten derzeit höher, und die Verfügbarkeit ist regional begrenzt. Die Bewertung der Nachhaltigkeit sollte immer im Rahmen einer ganzheitlichen Lebenszyklusanalyse erfolgen.
– Dr. Stefan Schwarzer (Aufbauende Landwirtschaft):
Mit Vegetation die kleinen Wasserkreisläufe stärken und das Klima kühlen
– Dr. Andrea Beste (gesunde-erde.net):
Mehr Wasser in Böden speichern – mit Bioporen und Schwammlandschaften schaffen
– Thomas Köhler (Deutscher Verband für Landschaftspflege):
Klimaangepasstes Wassermanagement
– Dr. Konrad Egenolf (Landwirtschaftskammer NRW):
Die neue Humustheorie und was wir daraus ableiten können
– Rainer Westers (Hof Westers, Rindermobil Steinfurt):
Humusaufbau, Rinderbeweidung, Mob-Grazing
– Dr. Sonja Dreymann (Beratung Pflanze & Boden):
Regenerative Landwirtschaft in Theorie & Praxis – Erfahrungen aus Beratung eigenem Betrieb
– Christoph Fischer (EM-Chiemgau):
Regenerative Landwirtschaft in Theorie & Praxis – Erfahrungen aus Beratung eigenem Betrieb
– Ruth Laakmann (Schanzenhof-Niederrhein):
Wie stellen wir uns klimarelevant auf? Erfahrungen vom Schanzenhof
– Eva Horrion (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft):
Agroforst zur Klimaanpassung auf landwirtschaftlichen Flächen
– Gé van den Eertwegh (knowh2o):
Klimawandel, Grundwasser und Abfluss: Bessere Wasser Bilanz für Natur und Bach
– Dr. Sabine Schrade (Schweizerische Bundesanstalt für landwirtschaftliche Forschung):
Emissionen aus der Milchviehhaltung
– Prof. Dr. Nele Meyer (Universität Frankfurt):
Auswirkung biologisch abbaubarer Kunststoffe auf Bodenorganismen und Stoffkreisläufe
– Prof. Dr. Christoph Heß (Hochschule Rhein-Waal):
Biokunststoffe in der Landwirtschaft
– Anne Verhoeven (Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Riswick):
Mob Grazing – Eine alternative Weidestrategie?
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