Naturschutzgebiet Rindernsche Kolke

Stanislav Grebennikov ist Schutzgebietsbetreuer für dieses kleine Naturschutzgebiet, das nordwestlich an die Stadt Kleve anschließt und von unserer NABU-Station auf den Namen „RiKos“ getauft wurde. Er erzählt, warum er das Gebiet in sein Herz geschlossen hat.

Was macht die Rindernschen Kolke für dich besonders?
Mit vielen diversen Lebensräumen und vielen kleinen Gewässern auf engstem Raum sind die Rindernschen Kolke ein spannendes Gebiet. Diese strukturreiche und idyllische Kulturlandschaft, die auch durch Beweidung gepflegt wird, bietet zahlreichen kleinen und ganz kleinen Wildtieren ein Zuhause. Auch die Kopfweiden sind ein echter Hingucker. Jeder einzelne Baum ist für sich schon ein eigenes Biotop. Diese von Menschen seit vielen Jahren regelmäßig gestutzten Bäume beherbergen eine Vielzahl von Tieren. Im Laufe der Zeit sind im Stamm durch Pilzbefall Hohlräume entstanden. Diese dienen z. B. unterschiedlichen Käferarten und andere Insektenarten als Lebensraum und werden von höhlenbrütenden Vögeln und kleinen Säugetieren genutzt.

Zu den Pluspunkten des Naturschutzgebietes gehören sicherlich seine direkte Nähe zur Stadt und, dass es selbst für körperlich eingeschränkte Interessierte recht gut zugänglich ist.

Warum genau sind die Rindernschen Kolke ein Naturschutzgebiet?
Die Kolke, kleine, mehr oder weniger kreisrunde Gewässer, sind vor langer Zeit durch Deichbrüche entstanden. Insgesamt gibt es elf davon und noch weitere Kleingewässer. All diese Gewässer samt Tweestrom, einem kleinen grabenartigen Bach, ziehen neben vielen Wasservögeln bedrohte Arten wie Kammmolch oder Biber an. Auch Fischarten wie Steinbeißer oder Bitterling sind hier zu finden. Unauffälligere seltene Pflanzenarten, z. B. die Polei-Minze, gibt es an den natürlichen Gewässerufern zu entdecken. Und in den Kolken und Teichen wachsen unter anderem auch Schwanenblume, Igelkolben und Pfeilkraut.

Die Rindernschen Kolke sind übrigens formal Bestandteil des Naturschutzgebietes Salmorth, das sich nördlich anschließt und bis zum Rhein erstreckt.

Warum sind die Lebensräume oder Arten so wertvoll?
Wir haben es hier mit extensiv genutztem Weideland zu tun, in dem sich Gewässer unterschiedlicher Größe und Entwicklungsstadien befinden. Da gibt es kleine Kolke, die jedes Jahr austrocknen. Andere, große Gewässer führen das ganze Jahr über Wasser. Es gibt Verlandungszonen und von den Rindern, die hier weiden, offengehaltene Uferbereiche. Hier wachsen sehr charakteristische Pflanzenarten der Schlamm- und Sandufer; Nadel-Sumpfbinse, Braunes Zypergras. Wir finden hier aber auch Röhrichte und Hochstaudenfluren. Diese vielen unterschiedlichen Strukturen bilden die Lebensgrundlage für viele unterschiedliche Pflanzen und damit auch für ganz verschiedene Tiere.

Strukturvielfalt heißt Pflanzen- und Tiervielfalt. Dieser Umstand macht die Rindernschen Kolke zu etwas Besonderem, das sich vielleicht dem Betrachter auf den ersten Blick nicht sofort erschließt.

Wie ist der derzeitige Zustand des Gebiets?
Die Dürre der vergangen Jahre wirkt sich negativ auf den Wasserhaushalt im Gebiet aus. Der Grundwasserspiegel sinkt, das Oberflächenwasser verdunstet schneller und die Gewässer trocknen eher aus. Insektenarten beispielsweise, deren Larven einige Zeit im Wasser leben oder dort den Winter überdauern, können sich nicht reproduzieren. Weniger Insekten haben immer auch zur Folge, dass es weniger Amphibien, Reptilien und Vögel gibt.

Hinzu kommt die Belastung durch den Stickstoff, der über die Luft eingetragen wird etwa durch intensive landwirtschaftliche Nutzung und Abgase aus dem Verkehr. Leider sind die Rindernschen Kolke als Naturschutzgebiet davon nicht ausgenommen. Unter diesem verstärkten Nährstoffeintrag verringert sich auch der Artenreichtum des Grünlandes, der landwirtschaftlich genutzten Weiden und Wiesen. Viele Wildpflanzen wachsen nur auf nährstoffarmen Böden.

Mit jeder Pflanzenart, die verschwindet, verlieren wir außerdem im Mittel etwa zehn Tierarten. Besonders den auf bestimmte Pflanzenarten spezialisierten Arten wird damit die Lebensgrundlage entzogen.

Was genau machen wir dort?
Zu unseren Aufgaben bei der Betreuung der Schutzgebiete gehört es, den Zustand des Gebietes zu erhalten und sogar zu verbessern. Wir planen daher Maßnahmen, den Wasserhaushalt zu optimieren und die Wasserversorgung auch während der Trockenzeiten sicherzustellen. Dazu beitragen kann eine Entschlammung und damit auch Vertiefung einiger Kolke. Das hat zur Folge, dass über einen längeren Zeitraum dort Wasser vorhanden ist, wovon Pflanzen und Tiere profitieren.

Mit Landschaftspflege erhalten wir bestehende Lebensräume und ihre Bewohner. Das schließt zum Beispiel einen Heckenschnitt und die Pflege der Kopfbäume mit ein. Außerdem unterstützen wir das Anliegen, Rahmenbedingungen für Landwirte zu schaffen, damit Naturschutzgebiete wie auch die Rindernschen Kolke naturgerecht, nachhaltig und gleichzeitig auch finanziell auskömmlich, bewirtschaftet werden können.

Kann man die Rindernschen Kolke betreten oder besichtigen?
Ein Spaziergang entlang des historischen Drususdeiches, den übrigens schon die Römer errichtet hatten, führt die Besuchenden einmal fast am gesamten Gebiet entlang. Vom Weg aus können die idyllischen Gewässer und vielleicht auch ein paar ihrer Bewohner gesichtet werden. Es lohnt sich, ein Fernglas dabei zu haben. Am besten startet man zu Fuß oder mit dem Fahrrad am Parkplatz der St. Willibrord-Kirche in Kleve-Rindern und folgt dann der Straße Drususdeich in nördlicher Richtung.

Was wünschst du dir für die Zukunft für das Naturschutzgebiet?
Dieses schöne kleine Naturschutzgebiet hat jede Menge Potenzial für sehr viele Naturschätze auf kleinstem Raum. Wenn wir die Lebensräume im Gebiet erhalten und verbessern können, wäre das wirklich viel wert. Gerade auch, weil es durch die gute Erreichbarkeit und Nähe zu Kleve, Menschen wieder besser mit der Natur und dem Schutzgedanken verbinden kann.

Steckbrief

Lage: Nordkreis Kleve, linksrheinisch, im Deichhinterland, schließt sich nordwestlich an die Stadt Kleve an
Größe: 80 Hektar
Schutzstatus: Naturschutzgebiet, FFH-Gebiet, Teil des VSG Unterer Niederrhein
Jahr der Ausweisung: 1987
Landschaft und Naturraum: Ehemaliges Feuchtgebiet, viele Kleingewässer mit umgebenen Kopfweiden und Hecken
Einige seltene Pflanzenarten im Gebiet: Polei-Minze, Mäuseschwänzchen, Wasserfeder, Seekanne, Schwanenblume, Igelkolben, Pfeilkraut, Erdbeer-Klee
Einige seltene Tierarten im Gebiet: Kammmolch, Biber, Bitterling, Steinbeißer, Flussregenpfeifer, Teichrohrsänger, Steinkauz, Großer Abendsegler, Früher Schilfjäger, Keilfleck-Mosaikjungfer
Ansprechperson: Stanislav Grebennikov, Ortrun Heine (stv.) 

Weitere Informationen: