Arktische Wildgänse

Jedes Jahr im Spätherbst kommen die ersten Wildgänse am Niederrhein an. Die ersten Blässgänse sind häufig Anfang Oktober zu sehen. Bis Mitte Dezember folgen ihnen tausende Artgenossen sowie größere Trupps von Saatgänsen und Graugänsen. Im Spätwinter kommen dann noch Trupps von Weißwangengänsen dazu. Die großen Schwärme überwinternder arktischer Wildgänse sind ein wahres Schauspiel und gleichzeitig Wahrzeichen des Naturschutzes am Niederrhein und in ganz Nordrhein-Westfalen. Sie werden angezogen vom Grün des Wiesenlands, denn sie fressen hauptsächlich Gras: Auch abgeerntete Maisfelder suchen sie noch nach Körnern ab. Nachts schlafen sie dann auf den vielen vorhandenen Gewässern, wie den Altarmen des Rheins, Kolken oder Baggerseen.

Bis zu ein Drittel des westeuropäischen Bestandes der Blässgans halten sich im Winterhalbjahr hier am Niederrhein zwischen Duisburg und Nimwegen auf. Sie belegen unter anderem die internationale Bedeutung dieses Vogelrastgebietes.

Wildgänse gab es hier auch schon in früheren Jahrhunderten – allerdings war deren Zahl geringer. In der Zeit zwischen 1950 und 1985 nahmen die Gänse schrittweise zu: Von wenigen tausend Vögeln auf heute rund 150.000 Individuen in jedem Winter. Seitdem pendelt die Bestandszahl um diesen Wert. Je nach Witterung und Bruterfolg sind es dann etwas mehr oder weniger Gänse.

Aktiv, um Wildgänse zu schützen

Unsere Station engagiert sich seit ihrer Gründung für die Erforschung und den Schutz der arktischen Wildgänse. Im Winterhalbjahr finden von September bis April deutschland- und europaweit synchronisierte Zählungen der überwinternden Wildgänse satt. An den festgelegten Wochenenden zählen in vielen Ländern und natürlich auch am Niederrhein ehrenamtliche Vogelkundige die Bestände. Die monatlichen Zählungen erlauben auch Rückschlüsse auf das Äsungsverhalten der Gänse und die räumliche Verteilung im Untersuchungsgebiet. Diese ist zudem abhängig von Faktoren wie Hochwasser, Schneebedeckung oder Jagden. Die Daten werden mit Ortsangabe auf Karten vermerkt und anschließend von der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft ausgewertet. Zudem wird der Anteil der Jungvögel erhoben.

Zum Schutz der faszinierenden Tiere gehören der Erhalt des Grünlands in den Schutzgebieten etwa in der Düffel. Dort werden im LIFE-Projekt „Grünland für Wiesenvögel“ außerdem Kleingewässer, also Senken und Blänken, angelegt. Diese kommen neben vielen anderen Tieren auch den Gänsen zugute. Denn diese mögen es, wenn Futter und Wasser auf ein und derselben Fläche zu finden sind. Auch unsere Exkursionen, mit denen Interessierte das Naturschauspiel entdecken können, sind ein Beitrag zum Schutz der Tiere. Denn hier wird auf die Bedürfnisse der scheuen Tiere Rücksicht genommen. Darüber klären wir auch alljährlich mit Pressemeldungen und Interviews auf.