Gänsearten

Jedes Jahr verbringen viele zehntausende Wildgänse den Winter am Niederrhein. Für den Laien erscheint es so, als ob es sich bei diesen großen Trupps grauer Gänse um die gleiche Art handelt. Schaut man genau hin, erkennt man aber, dass es sich um verschiedene Arten handelt, die sich im Aussehen, ihrer Ökologie und auch in ihren Zugwegen deutlich unterscheiden. Nachfolgend stellen wir die wichtigsten Arten kurz vor.

 

Häufige Arten

 

Blässgans

Die häufigste Gänseart am Niederrhein ist mit die Blässgans. Ihr Überwinterungsbestand schwankt zwischen 130.000 und 180.000 Exemplaren. Sie ist etwa 65-76 cm groß, das Gewicht liegt bei 1.900-2.400 g (Ganter) und 1.600-2.100 g (Gans).
Blässgänse in der Düffel

Ein erwachsener Vogel ist an der weißen Stirn der sogenannten Blässe, dem fleischfarbenen Schnabel und den schwarzen Streifen auf dem Bauch zu erkennen. Jungvögel aus dem gleichen Jahr haben im Herbst noch keine Blässe und die schwarzen Streifen fehlen auch noch. Sie hat einen hohen jodelnden Ruf, der gar nicht wie typisches Gänsegeschnatter klingt.

Saatgans

SaatgänseZweithäufigste Gänseart am Niederrhein ist die Saatgans. Ihr Bestand schwankt stark von Jahr zu Jahr - je nach Witterung. In milden Wintern verbleibt der Großteil dieser Gänse in Ostdeutschland, Polen und in Südosteuropa. In den letzten Jahren rasten zwischen 15 - 30.000 dieser Art am Niederrhein. Die Saatgans ist etwas größer als die Blässgans, hat einen schokoladenbraunen Kopf (ohne Blässe) und der Schnabel ist dunkel mit einem orangefarbenen Streifen. Der Ruf ist tief und nasal, so wie man ihn von einer Gans erwartet.

Weisswangengans

 

Weißwangengänse inmitten von Blässgänsen M GlöcknerFür diese vor allem an den Meeresküsten lebende Art gibt es zwei Namen: Weisswangengans bzw. Nonnengans. Sie gehört zur Familie der Meeresgänse, ist recht klein und auffällig grau-schwarz gezeichnet. Ursprünglich kam diese Art nur als sogenannter Mitflieger oder Irrgast an den Niederrhein: An der Küste der Niederlande, wo Bläss- und Weisswangengänse gemeinsam überwintern, sind regelmäßig "irrtümlich" einige Weisswangengänse mit den Blässgänsen an den Niederrhein geflogen. Inzwischen hat diese Art aber auch eine eigene Rastradition am Niederrhein: Vor allem auf dem Frühjahrszug zieht ein Teil der Weisswangengänse aus dem Rheindelta nicht entlang der Nordseeküste sondern folgt dem Rheinverlauf und fliegt dann durch das norddeutsche Binnenland Richtung der schwedischen Insel Gotland, wo ein Teil der Vögel brütet. Ende Februar und Anfang März können mehrere tausend Weisswangengänse am Niederrhein beobachtet werden.

Graugans


GraugansDie Graugans kann man ganzjährig am Niederrhein beobachten und in vielen Naturschutzgebieten ist sie inzwischen ein regelmäßiger Brutvogel. Ursprünglich brütete sie überwiegend östlich der Elbe. In den sechziger und siebziger Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts setzen Jäger Graugänse aus. Diese haben sich inzwischen stark vermehrt. Am ganzen Niederrhein brüten mehr als 1000 Paare der Graugans - vor allem an Altrheinarmen, Kolken und anderen Gewässern. Im Herbst und Winter rasten bis zu 5000 Vögel am Niederrhein, wobei meistens die Nähe zum Wasser gesucht wird. Die Graugans ist deutlich größer als Saat- und Blässgans, das Gefieder ist hellgrau und sie hat einen großen karottenförmigen und - farbigen Schnabel.

Kanadagans

KanadagänseDie Kanadagans stammt ursprünglich aus Nordamerika. Sie ist die größte der Meeresgänse. Ihr Gefieder ist graubraun mit einem langen schwarzen Hals und Kopf, die Wangen und die Kehle sind auffällig weiß. Die in Europa vorkommenden Kanadagänse stammen entweder aus Einbürgerungsprogrammen oder aus privaten Parks bzw. Zoologischen Gärten. Die meisten Kanadagänse, die wir im Winter antreffen, sind Tiere aus der heimischen Population am Niederrhein oder aus dem Gebiet der Rieselfelder Münster. In strengen Wintern können Zugvögel aus der schwedischen Brutpopulation (dort übrigens auch ausgesetzt) zur Winterrast an den Niederrhein kommen.

Nilgans

NilgänseDer Name dieser Gänseart deutet auf ihre Herkunft: In den siebziger Jahren konnten einige Nilgänse aus den Zoos von Den Haag, Amsterdam und Brüssel entweichen. Sie haben sich erfolgreich vermehrt und ausgebreitet, so dass Benelux und Norddeutschland flächendeckend besiedelt ist. Am Niederrhein halten sich bis zu 1000 Nilgänse auf - meist in kleinen Gruppen.

Außer den genannten Arten kommen fast alle in Europa vorkommenden Gänsearten in geringer Zahl am Niederrhein vor. Dazu gehören zum Beispiel Kurzschnabelgans, Rothalsgans, Kanadagans und die Zwerggans.

 

 

Seltenere Arten:

 

Kurzschnabelgans

KurzschnabelgansDie häufigste der seltenen Wildgänse am Niederrhein ist die Kurzschnabelgans. Jeden Winter können einzelne Individuen zwischen den Bläss- und Saatgänsen entdeckt werden. Kurschnabelgänse ähneln Saatgänsen, haben allerdings kräftig rosa gefärbte Beine, kurzer Schnabel und etwas grau überzogener ("gefrorener") Rücken. Dadurch wirken die Flügel heller als die Flanken.

 

Die Hauptbrutgebiete liegen auf Grönland, Island und Spitzbergen. Die Kurzschnabelgans schließt sich gerne größeren Trupps anderer aus dem Norden kommender Gänse an. In unserem Raum treffen wir hauptsächlich Kurzschnabelgänse aus Spitzbergen an.

Rothalsgans

Rothalsgänse 11-2-2012Die Rothalsgans brütet auf der Taymir-Halbinsel östlich des Urals - dort gemeinsam mit Blässgänsen und Ringelgänsen. Es verirren sich alljährlich einige Vögel an den Niederrhein, weil sie mit den Blässgänsen ins "falsche" Überwinterungsgebiet ziehen. Überwintert sonst in großer Zahl am Schwarzen Meer in Bulgarien, Rumänien und der Türkei.

Die Rothalsgans ist mit schwarz, weiß und rostrot am Kopf eine sehr farbenprächtige Gans und wirkt etwas harlekinartig.

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Rostgans

RostgansDie Rostgans ist - wie Nil- und Kanadagans - eine sogenannte Neozooe. Dies sind Neubürger, die meist durch menschlichen Einfluss weit weg von ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet angesiedelt wurden und sich dort erfolgreich in freier Wildbahn vermehren. Rostgänse sind an ihrem rostroten Gefieder und einem hellen Kopf zu erkennen und treten am Niederrhein meist paarweise oder in kleinen Gruppen auf.

Ringelgans

RingelgansAn Niederrhein sehr selten. An der Nordseeküste ist die Art ein häufiger Durchzügler und Wintergast. Brutvogel hocharktischer Küsten. Die Ringelgans ist die Gänseart, die am weitesten im Norden brütet. Recht klein und dunkel mit schwarzem Hals und Kopf und weißem Ringel am Hals.

Wald-Saatgans

Die Wald-Saatgans ist eine Unterart der Saatgans. Sie ist etwas größer und schlanker und hat einen überwiegend organgenen Schnabel und nicht nur einen Schnabelring. Wald-Saatgänse sind schwer zu bestimmen und treten nur unregelmäßig am Niederrhein auf. 

Zwerggans


Dwerggans P de VriesÄußerst selten treten Zwerggänse am Niederrhein auf. Zwerggänse haben wie Blässgänse eine weisse Blässe und sind diesen sehr vom Erscheinungsbild ähnlich. Insgesamt sind Zwerggänse etwas kleiner und haben im Gegensatz zu den Blässgänsen einen charakterisitschen gelben Augenring.

 Die Zwerggans ist die am meisten gefährdete Art der eurasischen Gänsearten. Ihr Brutgebiet erstreckt sich von Nordskandinavien bis nach Sibirien. Am Niederrhein überwintern in erster Linie Zwerggänse aus der skandinavischen Population. Die natürliche Population in Fennoskandien beträgt etwa 6.080 Individuen. In Nordschweden wurden Zwerggänse wiedereingebürgt. In einem aufwändigen Projekt wurde ihnen mit Hilfe von Flugzeugen der Zugweg in das Überwinterungsgebiet beigebracht. Der Bestand in Schweden wurde 2012 auf ca. 120 Vögel geschätzt. Das macht einen Brutbestand von nur 20 Paaren. Dieser Bestand ist daher sehr bedroht. Die Russische Flyway-Population zählt noch 10.000 – 21.000 Individuen.
Ursache für den erheblichen Bestandsrückgang ist wahrscheinlich die Bejagung der ähnlich aussehenden Blässgans in Ländern Ost- und Südeuropas, der auch zahlreiche Zwerggänse zum Opfer fielen. Darüber hinaus sind Zwerggänse in der Ernährungsweise hoch spezialisiert. Sie benötigen extrem kurzrasige, naturnahe und großräumige Weideflächen an Rastplätzen und in den Winterquartieren. Biotope dieser Art sind mit der Intensivierung der Landwirtschaft verschwunden. Es wurden große Teile der ungarischen Puszta umgebrochen und leistungsstarke Gräser eingeführt.

 

 

 

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Info

Wenn am Niederrhein von den Wildgänsen die Rede ist, sind meist die überwinternden arktischen Bläss- und Saatgänse gemeint. Diese überwintern von Oktober bis März in der Rheinebene. 

 

Weißwangengänse treten überwiegend auf dem Rückzug in die Brutgebiete im Januar/Februar auf. Seltener ist die Kurzschnabelgans, die alljährlich zwischen Saatgänsen beobachtet werden kann. Deutlich seltener sind Rothalsgans, Tundra-Saatgans und Zwerggans. Diese treten unregelmäßig und in kleinen Zahlen auf.

 

Ganzjährig können am Niederrhein die Arten Graugans, Kanadagans und Nilgans beobachtet werden. Diese brüten im Frühjahr und überwintern auch am Niederrhein.

Wildgänse

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