Das Naturschutzgebiet Hetter

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Ansprechpartner in der NABU-Naturschutzstation Niederrhein: Susanne Klostermann

Inhalt

Lage des NSG Hetter

 

Zusammenfassung

Im Auftrag des Kreises Kleve führte die NABU-Naturschutzstation von 1993-1998 ein naturkundliches Monitoring im NSG "Hetter-Millinger Bruch" (720 ha) durch. Ein Biotopmanagementplan (Nabu-Naturschutzstation 1996) wurde erstellt. In der Hetter, einer ehemaligen Rheinaue, haben die geringen Grundwasserflurabstände und die flächendeckende, teilweise extensive Grünlandnutzung die Entwickung einer für den Unteren Niederrhein herausragenden, artenreichen Grünlandbiozönose begünstigt.

Flora und Vegetation weisen erfreuliche Entwicklungen auf, insbesondere auf den 110 ha extensiv bewirtschafteten Parzellen der NRW-Stiftung, des NABU und des Feuchtwiesenschutzprogramms. Mit 233 Arten existiert in der Hetter ein umfangreiches Spektrum. Darunter befinden sich 19 Arten der Roten Liste NRW.
Unter den 74 Brutvogelarten verhalten sich erfreulicherweise die Bestände von 32 Arten stabil bzw. zunehmend. Viele charakteristische Brutvogelarten des NSG sind allerdings bestandsgefährdet. Zurückgehende Bestände der Arten in NRW greifen offenbar auf die Situation im NSG durch.
Die hohe Bedeutung des NSG für 77 Rastvogelarten wird durch umfangreiches Datenmaterial dokumentiert. Die stetige Anwesenheit vieler Arten und ihre Individiuenanzahl belegt, daß das NSG eines der wichtigsten Rastgebiete im Feuchtgebiet internationaler Bedeutung "Unterer Niederrhein" ist.
Die Amphibienpopulation hat mit Ausnahme der Grasfrösche das NSG weitgehend geräumt.
Dem artenreichen Spektrum der Libellen (24 Arten) stehen überwiegend geringe Individuenanzahlen und mäßig viele Bodenständigkeitsnachweise gegenüber. Die Libellenbestände sind mit Ausnahme von 4 kommunen Arten im NSG gefährdet. Das artenärmere Spektrum der Heuschrecken konzentriert sich mit seinen Beständen an Säumen und Wegrändern. Erfreulich sind die Vorkommen von drei Arten, welche Feuchtwiesen präferieren. Viele Arten treten mit geringen Individuenanzahlen auf.

Wichtige lokale Ursachen für den Rückgang der Wiesenvögel, Amphibien, Libellen und Heuschrecken wird in den wachsenden Grundwasserflurabständen, welche mit der Rheinsohleneintiefung (vgl. Neumann 1996, Nabu-Naturschutzstation 1996) korreliert sind und in der landwirtschaftlichen Nutzung vermutet. Der Stand der Umsetzung der wesentlichen Naturschutzmaßnahmen wird erörtert. Herausragende Wirkung entfaltet die Extensivierung der Flächen durch Ankauf und das Feuchtwiesenschutzprogramm. Die Einstauungsmaßnahme sowie eine Erweiterung des NSG ist in Vorbereitung.
Von diesen Instrumenten ist eine Trendumkehr der angesprochenen Negativentwicklungen abhängig.

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Die Uferschnepfe - ein Charaktervogel für das NSG "Hetter Milleringer Bruch". Foto: Hans Glader

Was macht die NABU-Naturschutzstation Niederrhein in der "Hetter"?

Die NABU-Naturschutzstation Niederrhein führt bereits seit langen Jahren ehrenamtlich Kartierungen in diesem Gebiet durch und ist seit 1994 vom Kreis Kleve mit der fachlichen Betreuung des NSGs"Hetter" beauftragt. Es werden regelmäßig Untersuchungen an verschiedenen Tiergruppen und an der Pflanzenwelt durchgeführt, die es möglich machen, die Entwicklung des Schutzgebietes kontinuierlich zu verfolgen. So können Maßnahmen eingeleitet werden, um das Gebiet zu optimieren oder negativen Tendenzen entgegenzuwirken.
Die NABU-Naturschutzstation Niederrhein informiert über das Gebiet und führt auf Anfragen auch Exkursionen in die "Hetter" durch.

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Gebietsbeschreibung

Einleitung

Die "Hetter" ist eine weite, von Weidewirtschaft geprägte Kulturlandschaft der ehemaligen Rheinaue, nördlich zwischen Emmerich und Rees an der niederländischen Grenze gelegen. Diese Landschaftseinheit umfaßt etwa 1500-2000 ha Fläche. Der einprägsame Name geht auf die Hattuarier, einen niederrheinischen Germanenstamm, zurück und deutet auf die schon zweitausendjährige Nutzung dieser Landschaft durch den Menschen hin.
Noch heute sind in diesem Teil der ehemaligen Rheinaue und der Millinger Ebene kleinräumig strukturierte Flächen der bäuerlichen Kulturlandschaft mit Feuchtgrünlandbewirtschaftung erhalten. Die "Hetter" ist für die hier vorkommenden, charakteristischen Tier- und Pflanzengesellschaften, aber auch als Kulturgut von besonderer landesweiter Bedeutung. Hier brütet die größte Anzahl der Uferschnepfen in NRW, hier ist eine strukturreiche Heckenlandschaft mit zahlreichen Kopfbaumreihen noch weitgehend erhalten.
Die "Hetter" ist heute ein Naturschutzgebiet (NSG) und heißt eigentlich "Hetter-Millinger Bruch". Das 1992 ausgewiesene NSG "Hetter-Millinger Bruch" ist Bestandteil des botanisch, entomologisch und ornithologisch bedeutsamen Feuchtgebietes (Ramsar-Gebiet) "Unterer Niederrhein".
Das NSG erstreckt sich bei einer Gesamtfläche von ca. 660 ha ungefähr 8 Kilometer entlang der niederländisch-deutschen Grenze zwischen den Städten Emmerich und Rees. Es gliedert sich in die Teilbereiche Netterden, Großer Hetterbogen, Kleiner Hetterbogen und Millinger Bruch. Das Teilgebiet "Großer Hetterbogen" und der westliche Teil des "Kleinen Hetterbogens" liegen auf dem Gebiet der Stadt Emmerich, der Millinger Bruch und der östliche Teil des "Kleinen Hetterbogens" auf dem Gebiet der Stadt Rees. Das NSG liegt im rechtsrheinischen Teil des Kreises Kleve, Land Nordrhein-Westfalen.

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Unterschiedliche Landschaftsstrukturen im NSG "Hetter-Millinger Bruch"

Die einzelnen Teile des Naturschutzgebietes sind sehr verschieden...
Das Teilgebiet Großer Hetterbogen wird durch weite, strukturarme Grünlandflächen geprägt. In Nord-Süd-Richtung durchziehen Entwässerungsgräben das Grünland. Weidezäune grenzen die Parzellen ab. Der Grundwasserflurabstand ist hier am niedrigsten. Die Parzellen sind bis zu 800 m lang und zwischen 100 und 200 m breit. Die zwischen 1 und 3 m breiten, hochstaudenbewachsenden und nur selten gemähten Grabenrandbereiche mit den abgrenzenden Weidezäunen stellen weithin die einzigen vertikalen Strukturen im Großen Hetterbogen dar. Im Westen durchzieht eine ältere Pappelreihe den Bogen. Die Autobahnböschung und die in die Fläche hineinragenden drei Brückenzufahrten stellen mit ihrem Sukzessionsbewuchs einen starken Kontrast zu dem strukturarmen Grünland dar. Das Höhenniveau nimmt von Süd nach Nord zu den Landwehren hin um maximal 2,5 m ab. So stehen im östlichen, landwehrnahen Raum feuchte bis nasse Böden mit Feuchtgrünlandcharakter frischen bis frisch-feuchten im westlichen, landwehrfernen Gebietsteil gegenüber.Der trockenere und schwach besiedelte Millinger Bruch zeichnet sich als typische kleinräumige, bäuerliche Kulturlandschaft des Unteren Niederrheins aus. Viele Weißdornhecken und Kopfbaumreihen strukturieren die Grünlandparzellen. Obstwiesen und Gärten reichen von den südlich angrenzenden Hofstellen in das Gebiet hinein. Der Grundwasserflurabstand ist hier am größten, die Lage im Vergleich zum Großen Hetterbogen erhöht. Einzig die nordöstlichen Parzellen zeigen Feuchtgrünlandmerkmale. Der Teilraum Netterden im äußersten Westen des NSG weist ähnliche Strukturen wie der Millinger Bruch auf. Der Kleine Hetterbogen vermittelt zwischen Millinger Bruch und Großem Hetterbogen. Eine ältere Pappelreihe teilt das Gebiet in eine westliche und östliche Hälfte. Sie begleitet einen Wirtschaftsweg, der in Nord-Süd-Erstreckung etwa 80 m vor der Landwehr endet. In Landwehrnähe liegen feuchte, offene Grünländereien - im Westen in größerer Ausdehnung als in der östlichen Hälfte. Im Zentrum des Gebietes wurde aufgrund der günstigen Feuchtesituation eine Blänke angelegt. Das frischere Weidegebiet ist von Hecken- und Kopfbaumreihen geprägt. Oft säumen nur noch deren Rudimente die Gräben. Ein kleines Feldgehölz befindet sich im Gebietszentrum.

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Wie die "Hetter" entstand

Dort wo heute die "Hetter" ist, floß einmal der Rhein...
Die heutige Kulturlandschaft "Hetter" liegt im Bereich der ehemaligen Talaue des Rheins. Noch in der Römerzeit wurde der Rheinarm der Hetter regelmäßig bei Hochwasser durchspült; der Rhein entwässerte dann über die Hetter teilweise direkt nach Norden in die Ijssel. Während der anschließenden Versandung dieses Rheinarms und der damit einhergehenden Verstopfung seiner Mündung in den Hauptstrom entstand durch das Stauwasser der "Hetter-Bruch". Das heutige Landschaftsrelief zeigt mit den nach Norden hin abschüssigen Hetter-Bögen oder -Buchten und dem höher gelegenen Millinger Bruch immer noch Spuren der landschaftsgestaltenden Flußdynamik. Insbesondere feuchte Geländemulden, kleinere Altwässer und weitere Elemente einer ehemaligen Rheinaue dürften allerdings im Zuge der immer moderneren Bewirtschaftung eingeebnet, verfüllt und beseitigt worden sein. Das schwachwellige Relief der ehemaligen Stromaue bedingt sehr geringe Höhenunterschiede im gesamten Gebiet, insbesondere im Großen Hetterbogen. Infolgedessen werden dort weite Flächen fast jedes Jahr mindestens einmal überschwemmt.

Auf über 20-30 m starken tertiären und quartären Sand- und Kiesschichten lagerte der Strom bis zu 2 m mächtige Auenlehmsedimente ab. Teilweise finden sich unter dieser Sedimentschicht bis zu 7 m mächtige Torfschichten. Der vorherrschende Bodentyp des Gebietes ist der Auengley. Überwiegend wird er aus Auenlehmen gebildet. Mit einer Mächtigkeit von 1,2-2 m lagert er direkt über den Auensanden. Die tiefsten Senken des Gebietes im östlichen Drittel der Hetterlandwehr und der gesamten Toten Landwehr sind von einer Niedermoorauflage (0,6-1,6 m Mächtigkeit) über den Auensanden bedeckt. Die darüberliegende Auenlehmdecke ist hier nur 0,4-1,6 m mächtig. Der Grundwasseranschluß der Auengleyböden zwischen 0,4-1,3 m unter Flur und die geringe Wasserdurchlässigkeit führt nach Überschwemmungen zu starken Vernässungen des Oberbodens. Eine Grünlandnutzung mit mittleren bis hohen Erträgen ist möglich, jedoch aufgrund der Überflutungen unsicher.

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Flächennutzung

Ohne Landwirtschaft, keine "Hetter"...
Nach der Rodung der "Urwälder", die überall die Niederung bedeckten, wurde bereits im 8. Jahrhundert mit der Polderung der Hetter-Rheinaue begonnen, um die fruchtbaren Flußmarschen landwirtschaftlich nutzen zu können. Nach der Polderung des Gebietes wurden in den "Rheinweiden" kleinere Teiche gegraben, um das Vieh tränken zu können. Die heute noch in einigen der langen, schmalen Grünlandparzellen sichtbare "Beet"-Struktur, die meist quer zum Bodengefälle ausgerichtet ist, geht auf alte Entwässerungssysteme niederländischer "Broeker" zurück.
Abgesehen von je einer Hofstelle im Großen und Kleinen Hetterbogen und drei Anwesen im Millinger Bruch, befinden sich keine bewohnten Gebäude innerhalb der Schutzgebietsgrenzen. Die Hetter ist von Grünlandnutzung geprägt. Mit insgesamt 84 % ist die Mähweide- und Weidenutzung die dominierende Nutzungsart im NSG "Hetter-Millinger Bruch". Ackerflächen (3,1 %) und Wiesenflächen (9,6 %) haben eine untergeordnete Bedeutung.
Das Verhältnis der privaten, konventionell genutzten Flächen zu vertraglich extensiv bewirtschafteten Flächen beträgt ungefähr 1 : 5 (Tab. 1). Teilweise werden private, konventionell genutzte Flächen (556 ha) durchaus extensiv (späte Mahd, mäßiger Viehbesatz, gelegentliche Stallmistgaben etc.) bewirtschaftet. Der Grund dafür sind die natürlichen Gegebenheiten wie Bodennässe und dadurch bedingter vezögerter Aufwuchs.

Tab. 1: Flächengrößen [ha] der bewirtschafteten Flächen nach Bewirtschaftungstyp im NSG "Hetter-Millinger Bruch" (Stand 1996).
Bewirtschaftungstyp [ha] [%]
private, konventionell bewirtschaftete Fläche 557 85
Vertragsnaturschutzfläche, extensiv bewirtschaftet 100 15
Gesamte, bewirtschaftete Fläche 657 100

Auf den knapp 90% des Schutzgebietes ausmachenden landwirtschaftlichen Flächen des NSG gilt das Prinzip des Grundschutzes nach dem Feuchtwiesenschutzpaket (FWP) des Landes NRW. Es beinhaltet das Gebot der Beibehaltung der Grünlandnutzung und das Verbot von Veränderungen der Graben- und Gehölzstruktur sowie der Entwässerung von Flächen.

Auf einer geringen Fläche wurden stärkere Extensivierungspakete nach diesem Programm abgeschlossen. Der weitaus größte Flächenanteil an extensivierten Flächen gehört der Nordrhein-Westfalen-Stiftung, die sich in der "Hetter" durch Flächenankauf sehr stark engagiert hat. Ein weiterer kleiner Flächenanteil wurde vom NABU NRW aufgekauft; sie sind ebenfalls unter Bewirtschaftungsauflagen im Sinne einer ökologisch sinnvollen Extensivierung an die Landwirte verpachtet worden.

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Hydrologische Verhältnisse und Gewässer

Je nässer, desto besser...
Der Große Hetterbogen wird im Norden von insgesamt drei Vorflutern eingefaßt: Innen verläuft hier die Hetterlandwehr, mittig die Treiblandwehr und nördlich der schon in den Niederlanden liegende Hollandgraben. Den westlichen Teil des Kleinen Hetterbogens rahmen nur noch zwei breite Gräben ein: die innengelegene Tote Landwehr und wiederum die Treiblandwehr. Diese geht zum östlichen Teil des Kleinen Hetterbogens hin in die Millinger Landwehr über und ist hier der einzige Vorfluter. Landwehren sind ehemalige, römische Grenzanlagen, die meistens aus Dämmen bzw. Wällen, Gräben und Buschwerk bestanden. Heutzutage wird der Begriff verkürzend auf die Vorflutgewässer bezogen.


Die Wässerungen in der Hetter sind zum Teil mit dichtem Schilf und Weidenbüschen bewachsen. Foto: Michael Homeyer.

Da die Grundwasserflurabstände im Großen und Kleinen Hetterbogen meist unter 1,3 m betragen, sind diese Gebiete heute von zahlreichen Gräben durchzogen. Im Großen Hetterbogen verlaufen sie in Nord-Süd-Richtung, im Kleinen Hetterbogen in Nordwest-Südost-Richtung.
Die Winterhochwasser in den Landwehren stauen das Wasser in den Gräben zurück. Es kommt vor allem im nordöstlichen Teil des Großen Hetterbogens und im westlichen und nördlichen Kleinen Hetterbogen zu ausgedehnten, flachen Überschwemmungen. Das Hauptgrabensystem wird regelmäßig von Mitarbeitern des Deichverbandes Rees-Löwenberg gereinigt. Die Profile werden gemäht und die Sohle wird ausgebaggert.
Lehmige Deckschichten erschweren die Grundwasserneubildung. Durch eine ausgereiftere Entwässerung und möglicherweise eine zu große Grundwasserentnahme ist das Gebiet - zumindest in diesem Jahrhundert - immer trockener geworden. In einigen Bereichen der "Hetter" wurden Blänken angelegt. Das sind künstliche flache Gewässer, die als Nahrungsquelle für Watvögel und Lebensraum für Amphibien und Libellen dienen sollen.

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Fauna und Flora

Vögel

Das NSG "Hetter-Millinger Bruch" beherbergte in den letzten Jahren ca. 60 Brutvogelarten. Darunter befinden sich 20 Arten der Roten Liste Nordrhein-Westfalens. Besonders hervorzuheben sind der vom Aussterben bedrohte Rotschenkel und die stark gefährdeten Arten Knäkente, Bekassine, Uferschnepfe und Schafstelze, welche Charaktervögel der Feuchtgrünländer sind. Bekannt wurde das NSG durch seinen "Wappenvogel", die Uferschnepfe. Leider sind trotz der intensiven Bemühungen um Flächenankauf und Extensivierung die Bestände stark zurückgegangen (von 89 Brutpaaren Anfang der 90er auf nunmehr 27 Paare). Ähnlich katastrophale Einbrüche sind in jüngster Zeit auch beim Kiebitz zu verzeichnen; eine Entwicklung, die ebenfalls in anderen Regionen NRWs stattfindet. Steinkäuze und vor allem Gartenrotschwänze haben Bedeutung für die Gebietsteile, die durch ein Mosaik aus Hecken, Kopfbäumen, Mähweiden und angrenzenden ländlichen Siedlungsstrukturen geprägt sind. Teichrohrsänger besiedeln die Schilfsäume der Landwehren.


Die Uferschnepfe ist ein Charaktervogel der Hetter. Foto: Hans Glader

Ganz besondere Bedeutung hat die "Hetter" für zahlreiche Rastvogelarten, vor allem die überwinternden arktischen Wildgänse (regelmäßig etwa 30.000 Bläßgänse aber auch Saatgänse und Weißwangengänse). Durchziehende Limikolen wie Kiebitze, Große Brachvögel, Goldregenpfeifer und Uferschnepfen halten sich regelmäßig in größeren Anzahlen hier auf. Nicht zu vergessen sind riesige Staren- und Drosselschwärme sowie verschiedene nahrungssuchende Greifvögel

Tab. 6a: Summe der Brutvogelbestände (n = 74) in den Untersuchungsjahren 1994-1998 im NSG "Hetter-Millinger Bruch".

kommt noch.

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Amphibien

Im NSG "Hetter-Millinger Bruch" wurden von den Froschlurchen Grasfrosch (Rana temporaria), Erdkröte (Bufo bufo) und Wasserfrosch (Rana "esculenta"), von den Schwanzlurchen der Teichmolch (Triturus vulgaris) gefunden. Die Amphibienvorkommen hängen sehr stark von den hydrologischen Gegebenheiten im Gebiet ab. Bei ausreichender Wasserführung in den Blänken und Gräben entwickeln sich dort wertvolle Balz- und Fortpflanzungsplätze, in trockenen Jahren kann es vorkommen, daß praktisch keine Amphibien im Gebiet sind.

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Heuschrecken

Die Heuschreckengesellschaften des auf großen Flächen sehr intensiv bewirtschafteten Grünlandes sind recht artenarm (insgesamt kommen in der "Hetter" 9 Heuschreckenarten vor). Trotzdem gibt es in den verbleibenden feuchten bis nassen Bereichen Vorkommen der Sumpfschrecke und des Weißrandigen Grashüpfers. Die Kurzflüglige Schwertschrecke besiedelt in hohen Dichten die Vegetation der Grabenräder und Blänken.

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Libellen

Im NSG "Hetter-Millinger Bruch" wurden 16 Libellenarten bestimmt. 3 Arten sind nach der Roten Liste NRW gefährdet (Fledermaus-Azurjungfer, Coenagrion pulchellum, Gemeine Federlibelle, Platycnemis pennipes, Glänzende Smaragdlibelle, Somatochlora metallica). Für nur 6 Libellenarten konnte der sichere Nachweis geführt werden, daß sie sich im Gebiet reproduzieren. Bei den Libellen gilt das gleiche wie bei den Amphibien: Gibt es ein feuchtes oder nasses Frühjahr, so daß die Gewässer nicht so schnell austrocknen können, sind die Bedingungen gut für Libellen; ist es jedoch trocken, so kann die "Hetter" nahezu libellenfrei sein.

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Vegetation und Flora

Die typische Bilder der Entwässerungsgräben im Großen und Kleinen Hetterbogen wird überwiegend von Wasserschwadenriedern und Rohrglanzgrasröhrichten bestimmt, die stellenweise von schmalen Großseggenriedern abgelöst werden. Schwimmblatt- und untergetaucht lebende Pflanzengesellschaften treten nur in ständig wasserführenden, regelmäßig geräumten Entwässerungsgräben und den Landwehren auf.

Die verbreitetste Pflanzengesellschaft des NSG ist die Weidelgras-Weißklee-Weide unterschiedlicher Feuchtestufen, welche das Millinger Bruch sowie die südlichen Bereiche des Großen und Kleinen Hetterbogens prägt. Ausgedehnte Naßweiden (Flutrasen) sind insbesondere für den Nordosten des Großen Hetterbogens, in Landwehrnähe, charakteristisch. Eine Besonderheit des Gebietes stellen die Sumpfdotterblumenwiesen des Großen Hetterbogens dar. Weitere Pflanzengesellschaften, insbesondere Wiesen und wiesenartige Bestände, sind in nur geringer Ausdehnung vorhanden.
Von den nachgewiesenen Pflanzenarten werden 15 in der Roten Liste NRW als "gefährdet" oder "stark gefährdet" eingestuft. Deren Vorkommen sind fast ausschließlich auf die Gräben sowie auf die nassesten Bereiche des NSG beschränkt. Es handelt sich überwiegend um Arten der meso- bis eutrophen Gewässer und deren Verlandungszonen, wie z.B: Ufersegge (Carex riparia), Froschbiß (Hydrocharis morsus-ranae), Wasserfeder (Hottonia palustris), Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua) und verschiedene Laichkräuter. Erwähnenswert sind weiterhin Bestände des Gemeinen Wasserhahnenfußes (Ranunculus aquatilis), die im Frühjahr in einigen Gräben sowie einer der angelegten Blänken auffällige Blühaspekte bilden. Die Randbereiche der Entwässerungsgräben sind von großer Bedeutung als Rückzugsgebiet zahlreicher Arten des feuchten und nassen Grünlands, die aufgrund hoher Bewirtschaftungsintensität weitgehend aus den bewirtschafteten Flächen verdrängt wurden.

Innerhalb des bewirtschafteten Grünlands - überwiegend auf den stark vernäßten, extensiv bewirtschaften Parzellen am Ostrand des Großen Hetterbogens, vereinzelt auch in den angrenzenden Flächen - wurden nur zwei gefährdete Arten (Spreizendes Wassergreiskraut, Senecio erraticus, Gelbe Wiesenraute,Thalictrum flavum) nachgewiesen. Die Flora der landwirtschaftlich genutzten Flächen entspricht der des typischen Wirtschaftsgrünlands, die sich entsprechend der Nutzungsweise und der ökologischen Faktoren zusammensetzt. Feuchtezeiger wie Wiesenschaumkraut, Sumpf-Schachtelhalm und Schlanksegge kommen vor.

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Schutz, Pflege und Entwicklung

In der "Hetter" soll die während 2000jähriger landwirtschaftlicher Nutzung entstandene bäuerliche Kulturlandschaft erhalten werden. Der Lebensraum für Wat- und Wiesenvögel sowie für die arktischen Wildgänse soll geschützt und entwickelt werden.
Das alles kann nur erreicht werden, wenn die Nutzung in der "Hetter" diese Ziele unterstützt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Landwirtschaftspolitik ist dies zur Zeit nur durch Entschädigungsleistungen bei Ertragsausfällen auf Grund von Extensivierungen zu erreichen. Langfristig müssen aber rentabel wirtschaftende Höfe die aus ökologischer Sicht unbedingt notwendige Extensivierung (spätere Mahdtermine, Rückführung der Düngung, Reduzierung des Viehbesatzes) in ihre Betriebsstrukturen integrieren können. Die zweite zentrale Maßnahme ist ebenfalls schwer zu realisieren: die Wiedervernässung der durch Drainage und Absinken des Grundwassers immer trockener werdenden Flächen. Eine Möglichkeit wäre der zeitweise Aufstau der Hetter-Landwehr, um das Wasser länger in den Flächen zu halten. Dafür muß ein Nivellement der gesamten Fläche und ein wasserrechtliches Verfahren durchgeführt werden, um die Auswirkungen genau benennen zu können. Die Interessen vieler Anlieger in der Umgebung werden voraussichtlich gegen eine solche Maßnahme sprechen.

Im Vergleich zu den zentralen Maßnahmen sind andere Pflege- und Entwicklungsvorschläge leichter zu realisieren: breitere Säume in den Grabenrandbereichen sollen stehengelassen werden, einzelne Amphibienteiche angelegt und eine regelmäßige Pflege von Kopfbäumen, Hecken und Obstwiesen durchgeführt werden. Um eine Pufferzone um das Gebiet zu schaffen, gibt es Bemühungen, die angrenzenden niederländischen und deutschen Grünlandbereiche ebenfalls unter Schutz zu stellen. Als eine der ersten Maßnahme zur Besucherlenkung wurde am Großen Hetterbogen eine Aussichts- und Beobachtungskanzel aufgestellt, von der aus man im Frühjahr die Uferschnepfen und im Winter die arktischen Wildgänse beobachten kann.

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Das Projekt und der Pate

Mitte der achtziger Jahre begann der Naturschutzbund Deutschland (NABU) damit, seine Schutzbemühungen für die Hetter in einem Projekt zu bündeln. Spenden wurden zum Flächenerwerb gesammelt und bald konnte das erste Grundstück erworben werden. 1986 konnte mit der NRW-Stiftung ein potenter Partner beim Flächenkauf gewonnen werden. Anfang der neunziger Jahre übernahm der Kabarettist Hanns-Dieter Hüsch eine Patenschaft für die Hetter. Durch zahlreiche Benefiz-Veranstaltungen konnten weitere Gelder für den Flächenerwerb und Optimierungsmaßnahmen eingeworben werden.


Hanns Dieter Hüsch mit Wendelin Haverkamp bei einer Matinee-Veranstaltung anläßlich der Einweihung einer Beobachtungskanzel in der Hetter. Foto: NABU-Naturschutzstation Niederrhein

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