Wildgänse am Niederrhein

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Einleitung

Die großen Schwärme überwinternder arktischer Wildgänse am Niederrhein sind ein Wahrzeichen des Naturschutzes am Niederrhein und in NRW. Bis zu 30 % des westeuropäischen Bestandes der Blässgans halten sich am Niederrhein zwischen Duisburg und Nimwegen (NL) auf und belegen damit die internationale Bedeutung dieses Vogelrastgebietes. Die NABU-Naturschutzstation engagiert sich seit ihrer Gründung im Schutz und in der Erforschung der Wildgänse. Auf dieser Seite haben wir die wichtigsten Inforationen zu diesem Thema zusammengetragen:

Inhalt:
  1. Entwicklung
  2. Arten (Zahlen, Erkennung)
    1. Blässgans
    2. Saatgans
    3. Graugans
    4. Weisswangengans
    5. Nilgans
  3. Jahreszyklus
  4. Tagesrhythmus
  5. Ernährung
  6. Menschen und Gänse
  7. Gänseforschung (Beringung)
  Weitere Seiten zum Thema Wildgänse:

Alles Wichtige zu den Gänse-Exkursionen
Aktuelle Gänsezahlen

Gänse am Kaliwaal
Wildgänse am Kaliwaal

1. Entwicklung

Rastbestände 1955 bis 2001
Entwicklung der Rastbestände und Entschädigungszahlungen

Wildgänse gab es hier auch schon in früheren Jahrhunderten - allerdings war deren Zahl geringer. In der Zeit zwischen 1950 und 1985 nahmen die Gänse schrittweise zu - von wenigen tausend Vögeln auf dann rund 150.000 Exemplare. Seitdem pendelt der Bestand um diesen Wert - je nach Witterung und Bruterfolg.

2. Arten (Zahlen, Erkennung)

a. Blässgans

Blässgans
Blässgans
Die häufigste Gänseart am Niederrhein ist mit rund 135.000 Exemplaren die Blässgans. Ein erwachsener Vogel ist an der weißen Stirn, dem fleischfarbenen Schnabel und den schwarzen Streifen auf dem Bauch zu erkennen. Jungvögel aus dem gleichen Jahr haben im Herbst noch keine Blässe und die schwarzen Streifen fehlen auch noch. Sie hat einen hohen jodelnden Ruf, der gar nicht wie typisches Gänsegeschnatter klingt.

b. Saatgans

Saatgans
Saatgans
Zweithäufigste Gänseart am Niederrhein ist die Saatgans. Ihr Bestand schwankt stark von Jahr zu Jahr - je nach Witterung. In milden Wintern verbleibt der Großteil dieser Gänse in Ostdeutschland, Polen und in Südosteuropa. In den letzten Jahren rasten zwischen 15 - 30.000 dieser Art am Niederrhein. Die Saatgans ist etwas größer als die Blässgans, hat einen schokoladenbraunen Kopf (ohne Blässe) und der Schnabel ist dunkel mit einem orangefarbenen Streifen. Der Ruf ist tief und nasal, so wie man ihn von einer Gans erwartet.

c. Graugans

Graugans
Graugans

Die Graugans kann man ganzjährig am Niederrhein beobachten und in vielen Naturschutzgebieten ist sie inzwischen ein regelmäßiger Brutvogel. Ursprünglich brütete sie überwiegend östlich der Elbe. In den sechziger und siebziger Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts setzen Jäger Graugänse aus. Diese haben sich inzwischen stark vermehrt. Am ganzen Niederrhein brüten mehr als 1000 Paare der Graugans - vor allem an Altrheinarmen, Kolken und anderen Gewässern. Im Herbst und Winter rasten bis zu 5000 Vögel am Niederrhein, wobei meistens die Nähe zum Wasser gesucht wird. Die Graugans ist deutlich größer als Saat- und Blässgans, das Gefieder ist hellgrau und sie hat einen großen karottenförmigen und - farbigen Schnabel.

d. Weisswangengans

Weißwangengans
Weisswangengans

Für diese vor allem an den Meeresküsten lebende Art gibt es zwei Namen: Weisswangengans bzw. Nonnengans. Sie gehört zur Familie der Meeresgänse, ist recht klein und auffällig grau-schwarz gezeichnet. Ursprünglich kam diese Art nur als sogenannter Mitflieger oder Irrgast an den Niederrhein: An der Küste der Niederlande, wo Bläss- und Weisswangengänse gemeinsam überwintern, sind regelmäßig "irrtümlich" einige Weisswangengänse mit den Blässgänsen an den Niederrhein geflogen. Inzwischen hat diese Art aber auch eine eigene Rastradition am Niederrhein: Vor allem auf dem Frühjahrszug zieht ein Teil der Weisswangengänse aus dem Rheindelta nicht entlang der Nordseeküste sondern folgt dem Rheinverlauf und fliegt dann durch das norddeutsche Binnenland Richtung der schwedischen Insel Gotland, wo ein Teil der Vögel brütet. Ende Februar und Anfang März können über 1000 Weisswangengänse am Niederrhein beobachtet werden.

e. Nilgans

Nilgans
Nilgans

Der Name dieser Gänseart deutet auf ihre Herkunft: In den siebziger Jahren konnten einige Nilgänse aus den Zoos von Den Haag, Amsterdam und Brüssel entweichen. Sie haben sich erfolgreich vermehrt und ausgebreitet, so dass Benelux und Norddeutschland flächendeckend besiedelt ist. Am Niederrhein halten sich bis zu 1000 Nilgänse auf - meist in kleinen Gruppen.

Außer den genannten Arten kommen fast alle in Europa vorkommenden Gänsearten in geringer Zahl am Niederrhein vor. Dazu gehören zum Beispiel Kurzschnabelgans, Rothalsgans, Kanadagans und die Zwerggans.

 

 

3. Jahreszyklus

Halbinsel Taimyr
Tundra auf der Halbinsel Taymir
Wenn in Mitteleuropa noch Hochsommer herrscht, beginnt in der arktischen Tundra schon der Herbst und Winter: Mitte August verlassen die arktischen Wildgänse die Tundra und beginnen mit ihrer langen Reise nach Mitteleuropa. Die Route führt entlang der Nordmeerküste über das Baltikum nach Polen und Ostdeutschland. Mitte September erscheinen die ersten Gänse in Brandenburg und schon in den letzten Septembertagen kommt es dort zum Masseneinflug, bei dem mehrere hunderttausend Gänse ankommen . Am Niederrhein erscheinen in diesen Tagen die ersten kleinen Trupps, die allerdings nur einige hundert Vögel umfassen. Im Laufe des Oktobers nehmen die Gänsebestände am Niederrhein schrittweise zu und Anfang November fliegen die meisten Gänse von Ostdeutschland nach Westen, um am Niederrhein, den Niederlanden und Belgien zu überwintern. Je nach Witterung, Nahrungsangebot und Störungen pendelt ein Teil der Gänse im Laufe eines Winters mehrfach zwischen den einzelnen Überwinterungsgebieten in Westeuropa hin und her. Individuell markierte Gänse geben uns darüber genaue Auskunft. --> Beringung

Wenn Ende Januar oder im Februar das Wetter langsam milder wird, beginnen die ersten Gänse wieder ostwärts zu ziehen. Ende Februar verlässt der größte Teil der Gänse den Niederrhein - ein kleiner Teil bleibt noch bis zum 20. März. Von Mitte März bis Ende Mai ziehen die Gänse über Ostdeutschland, das Baltikum, Weissrussland in die arktische Tundra. Von Juni bis August verrichten sie dort ihr Brutgeschäft. Die Zeit ist sehr knapp bemessen: Wenn sich die Schneeschmelze um ein paar Tage verzögert oder der Winter früher einkehrt, reicht die Zeit nicht zur Jungenaufzucht. Wildgänse haben daher alle paar Jahre keinen Bruterfolg.

4. Tagesrhythmus

Schlafplatzflug über abendlichem Kranenburg
Schlafplatzflug über das abendliche Kranenburg
Nachts schlafen Wildgänse auf dem Wasser, um sicher vor Füchsen und anderen Bodenfeinden zu sein. Dazu suchen sie Schlafplätze auf; das sind dafür von ihrer Größe und Lage besonders geeignete Gewässer, die meist schon seit Jahrzehnten als Schlafplatz genutzt werden. Morgens in der Dämmerung, meist 1/2 Stunde vor Sonnenaufgang fliegen die Gänse dann zu ihren Äsungsplätzen, die in einem Radius von bis zu 15 Kilometer um den Schlafplatz liegen. Dort verbringen sie den Tag, wobei sie, besonders bei Dauerfrost, auch tagsüber mehrfach zum offenen Wasser fliegen, um zu trinken. Abends, rund 1/2 Stunde nach Sonnenuntergang, fliegen die Gänse dann wieder in eindrucksvollen Formationen zu ihren Schlafplätzen.
Lagekarte Kaaliwaal
Lagekarte Kaliwaal
Im Gebiet de Gelderse Poort liegen die Schlafplätze der Gänse im Bereich "de Bijland" nördlich des Rheins und der Ortschaft Keeken. Bis zu 100.000 Gänse wurde dort schon zur Übernachtung angetroffen. Ein anderer Schlafplatz ist der Kaliwaal bei Kekerdom, wo man den Schlafplatzflug auch sehr schön vom Deich aus beobachten kann, ohne die Wildgänse zu stören. In mondhellen Nächten bleiben die Gänse aber auch manchmal in den Wiesen - besonders wenn diese nach Niederschlägen oder Hochwasser leicht überflutet sind und auch so genügend Schutz bieten.
Insgesamt sind die Gänse als Pflanzenfresser darauf angewiesen, viel Nahrung zu sich zu nehmen. Dazu benötigen sie an den kurzen Wintertagen die ganze helle Tageszeit.

5. Ernährung


Äsungsflächen von Blässgänsen in der Düffel

Wildgänse sind Pflanzenfresser und ernähren sich bei uns überwiegend von Gras. . Zu bestimmten Jahreszeiten, z. B. nach der Ernte von Mais und Zuckerrüben im Oktober und November, werden auch sehr gerne die abgeernteten Felder aufgesucht, um sich von den nahrhaften Ernteresten zu ernähren.

6. Menschen und Gänse

Gänse in der Kulturlandschaft

Gänse in Keilformation
Wildgänse typischer Keilformation
In Mitteleuropa sind die Wildgänse überwiegend Kulturfolger, dass heißt sie leben in von Menschen geschaffenen Landschaften. Ohne den Einfluss des Menschen wäre Mitteleuropa nämlich überwiegend von Wald bedeckt - erst durch die Landbewirtschaftung wurde die bäuerliche Kulturlandschaft geschaffen, in der heute die Gänse überwintern. Heute droht die Intensivierung der Landwirtschaft die Wildgänse wieder an den Rand zu drücken - und mit den Gänsen viele andere bedrohte Tier- und Pflanzenarten dieser Landschaft (z. B. Weißstorch, Wiesenvögel). So vernichtet z. B. die Umwandlung vieler Wiesen in Maisäcker wertvolle Äsungsgebiete der Gänse.
Das Verhältnis der Landwirtschaft zu den Wildgänsen ist auch sonst nicht ganz spannungsfrei: Unter bestimmten Bedingungen können die Gänse Weideschäden verursachen und so den Ertrag des Landwirts schmälern. In NRW werden die Landwirte dafür allerdings vom Staat entschädigt, so dass Wildgänse und Landwirte inzwischen sich aneinander gewöhnt haben.

Bejagung


Gänsejäger
In vielen Ländern wird dieser Konflikt allerdings mit dem Gewehr gelöst. Die Gänse werden fast überall intensiv bejagt - mit verheerenden Folgen: In ganz Europa inklusive Russland werden wohl jährlich mehr als 200.000 Gänse geschossen. 2/3 aller Gänse tragen Schrote im Körper - sie sind irgend wann einmal nur angeschossen worden und haben so lebenslang Schmerzen . Aber auch das Problem der Landwirtschaft wird dadurch nicht gelöst: Die Gänse werden scheuer und unruhiger und fliegen viel mehr umher. Dadurch benötigen sie wieder mehr Nahrung. Außerdem halten die Gänse größere Abstände zu Straßen und Gebäuden, wodurch sich die zur Nahrungsaufnahme zur Verfügung stehende Fläche verkleinert. Im Ergebnis fressen die Gänse mehr und das auf kleinere Fläche - und gerade hier entstehen dann Überweidungsschäden .

Tourismus


Unvorsichtige Gänsetouristen schrecken oft die Gänse auf.
Der Ganseschutzwagen
Gänseschutz-Infowagen der NABU-Naturschutzstation
Wildgänseexkursion
Teilnehmer eine Wildgänse-Exkursion
Viele Menschen wollen das einzigartige Naturschauspiel der überwinternden Wildgänse erleben und besuchen daher den Niederrhein. Vielfach verhalten sich die Menschen jedoch auch aus Unkenntnis falsch gegenüber den Wildgänsen und stören sie: Schutzgebiete werden betreten und die Fluchtdistanz der Gänse wird unterschritten. Diese fliegen dann auf und verlassen das Gebiet. Um allen interessierten Menschen die Gänsebeobachtung zu ermöglichen und gleichzeitig die Gänse zu schützen, bietet die NABU-Naturschutzstation jeden Winter sachkundig geführte Exkursionen zu den Wildgänsen an. Außerdem werden durch Ranger im Gelände, durch Informationstafeln und Broschüren Hinweise zum richtigen Verhalten gegenüber Wildgänsen gegeben.

--> "Weitere Informationen zu den Wildgänse-Exkursionen

7. Gänseforschung (Beringung)

Einleitung

Seit rund einem Jahrhundert werden Vögel u. a. zur Erforschung ihrer Zugwege beringt. Im Laufe der Jahre haben sich die Methoden und Ziele der Beringung stark verändert, so hält z. B. heute die Satellitentelemetrie Einzug in die Vogelforschung. Wir geben hier einen kurzen Überblick über die Beringung von Wildgänsen und informieren über ein 1998 von der Universität Osnabrück und der NABU-Naturschutzstation neu begonnenes Beringungsprojekt an der Bläßgans.

beringte Saatgans
Frisch geringte Saatgans
Für die Beringung von Blässgänsen wurde von der Universität Osnabrück ein detailliertes Konzept entwickelt. --> Konzept

Es gab und gibt verschiedene Forschungsprojekte bei denen Wildgänse beringt werden. Auf der folgenden Seite sind einige Beispiele aufgeführt. --> Projekte

Auf www.blessgans.de, der Internetseite der Arbeitsgruppe "Blässgans" an der Universität Osnabrück, gibt es Abbildungen zur geografischen Verteilung der Rückmeldung beringter Wildgänse. Aus Gründen der Aktualität sei hier nur ein Hyperlink plaziert. Die Abbildungen finden Sie dort unter der Rubrik "Results". --> www.blessgans.de

Meldung einer beringten Gans

Sie haben selbst beringte Gänse gesichtet? Dan leisten Sie einen kleinen Beitrag zum Gänseschutz, indem Sie uns ihre Beobachtungen nennen. Wir leiten die Meldung dann an die entsprechenden Stellen weiter. Nutzen Sie dazu unsere Möglichkeit der Online-Meldung

--> Beispiel einer Ableseserie einer beringten Saatgans