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Pressemitteilung: Vegetationskartierung – was Pflanzen uns erzählen können

31.07.2020 – Artenschutz rückt nicht nur aufgrund der kürzlich gestarteten „Volksinitiative Artenvielfalt NRW“ ins Blickfeld informierter Menschen. Sie ist grundsätzlich ein Schlüsselthema beim Engagement für die Umwelt. Die Erfassung von seltenen und gefährdeten Pflanzen in den Naturschutzgebieten der NABU-Naturschutzstation Niederrhein spielt dabei eine grundlegende Rolle und gehört zu den Aufgaben der Landschaftsökologinnen Katja Plumbaum und Lisa Marga.

 

Landschaftsökologin Lisa Marga auf der Suche nach Wasser- und Sumpfpflanzen im Naturschutzgebiet Moiedtjes

Landschaftsökologin Lisa Marga auf der Suche nach Wasser- und Sumpfpflanzen im Naturschutzgebiet Moiedtjes. (Foto: Isabel Schlurmann)

 

Mit Karte, Lupe und Bestimmungsbuch ausgestattet sind die beiden von Frühlingsanfang bis in den Hochsommer in den Naturschutzgebieten unterwegs, in denen sie für die Station die Vegetationskartierung durchführen. Das bedeutet, sie erfassen in welcher Kombination und Dichte die Pflanzen in den Gebieten vorkommen. Eine Zusammenstellung typischer Arten ergibt eine Pflanzengesellschaft. Beispiele sind etwa eine Sumpfdotterblumen-Wiese oder ein Orchideen-Buchenwald. Die Pflanzengesellschaften werden dann in eine Vegetationskarte eingetragen.

 

Die Summe der Arten, das heißt die Pflanzengesellschaften, geben Auskunft über Boden, Klima, Wasser und Bewirtschaftung. Selbst ohne das Gelände zu kennen, wissen Botaniker so anhand der Vegetationskarte sehr genau über die dortige Natur und den Zustand des Gebiets Bescheid.

 

Kartierungen sind Grundlage für alle NaturschutzmaßnahmenDie Loki Schmidt Stiftung kürte die gefährdete Schwanenblume 2014 zur Blume des Jahres.

„Wenn du nicht weißt, was vor Ort wächst, hast du keine Möglichkeit richtig zu handeln“, erläutert Katja Plumbaum den Zweck der Kartierungen. Und Lisa Marga ergänzt: „Die Verarmung und der Rückgang des Grünlands und von Feuchtgebieten in Nordrhein-Westfalen sind nur weitere Teile des großen Umwelt-Puzzles. Deshalb ist Artenschutz neben klimafreundlichem Handeln und Energiewende ein Schlüsselthema für eine lebenswerte Zukunft.“

Aktuell sehen Plumbaum und Marga unter anderem Auswirkungen der Trockenheit und eines Überschusses von Stickstoff in der Landschaft. So beobachten die beiden, dass Pflanzen (Foto rechts: Schwanenblume, fotografiert von Ortrun Heine), die Feuchtigkeit anzeigen wie die Kuckuckslichtnelke oder der Beinwell, zurückgehen. Auch Pflanzen, die so genannte magere Standorte benötigen, werden weniger. Dafür nimmt die nährstoffliebende Brennnessel zu. Was wir Menschen vermutlich erst in einigen Jahren als Folge von Klimakrise und Umweltverschmutzung zu spüren bekommen, zeichnet sich also schon jetzt in der Vegetation ab.

Anhand des Wissens aus den Kartierungen können konkrete Maßnahmen für den Naturschutz geplant und ergriffen werden. Das können etwa umfangreiche Veränderungen beim Wassermanagement wie etwa das Rückstauen von Gräben sein, aber auch kleinere Aktionen, zum Beispiel das Rückschneiden von Gehölzen oder das Anpassen des Mahd-Zeitpunkts. Da solche Maßnahmen nicht nur die Vegetation, sondern unter anderem auch den Wiesenvogelschutz und die landwirtschaftliche Nutzung betreffen, ist eine enge Abstimmung und gute Zusammenarbeit aller Beteiligten erforderlich. Doch nicht alle dokumentierten Probleme lassen sich vor Ort lösen. Viele mitunter dramatische Entwicklungen, wie die Austrocknung der Landschaft, lassen sich nur durch politische Vorgaben abschwächen oder umkehren. Deshalb hat der NABU zusammen mit anderen Naturschutzorganisationen die Volksinitiative Artenvielfalt NRW ins Leben gerufen. Diese ermöglicht es allen Bürgerinnen und Bürgern per Unterschrift für die Lösung dieser Probleme zu stimmen.

 

Arbeiten in diesem JahrLandschaftsökologin Katja Plumbaum untersucht Pflanzengesellschaften in Auwäldern und Grünlandgebieten der Region.

In diesem Jahr beschäftigt sich Katja Plumbaum (Foto) mit der Hartholz-Aue in der Emmericher Ward und dem Grünland in den Rindernschen Kolken. Auwälder sind durch periodisch einströmendes Wasser gekennzeichnet und für die Emmericher Ward gebietsprägend. Hier untersucht Plumbaum die Pflanzengesellschaften in Kraut-, Strauch- und Baumschicht. In den Rindernschen Kolken wird das Grünland unter die Lupe genommen. Das bedeutet, Wiesen und Weiden werden auf ihre Pflanzengesellschaften untersucht. Ähnlich sieht die Arbeit von Lisa Marga aus, die für die Gewässerpflanzenkartierung verantwortlich ist. Mit Wathose und Kescher bewaffnet untersucht sie dieses Jahr die Wasser- und Sumpfpflanzen im Naturschutzgebiet Moiedtjes.

 

Bei ihrer Arbeit erstellen die Landschaftsökologinnen neben der Vegetationskarte auch eine Artenliste, in der aufgeführt ist, wie viel Anteile jede Art vor Ort ausmacht. Pflanzen von der Roten Liste gefährdeter Arten oder mit besonderen Merkmalen, beispielsweise ein sehr hohes Alter bei Bäumen, werden gesondert dokumentiert. „Mir begegnen immer mal wieder Arten, die ich nicht kenne“, antwortet Plumbaum auf die Frage, ob sie alle Pflanzen aus dem Stehgreif bestimmen kann. „Das macht aber auch den Reiz bei der Arbeit aus: Man lernt immer dazu.“

 

Die beiden Landschaftsökologinnen erzählen mit Nachdruck, aber auch mit riesiger Begeisterung von ihrer Arbeit. „Den ganzen Tag draußen sein, nichts als Natur hören und sehen – das ist einfach toll“, sagt Lisa Marga. Und ergänzt dann: „Besonders schön ist es, wenn ich meine Begeisterung mit anderen teilen und diese damit für den Naturschutz gewinnen kann.“

 

 

 

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