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Wandernde Tiere in Grenzgebieten

Situation

 

In Grenzräumen herrschen beiderseits der Grenze oft unterschiedliche Gesetzgebungen zum Management wandernder Tierarten. Landesgrenzen stellen kein Hindernis für solche Wanderbewegungen dar. Wenn sich das Management des einen Landes negativ auf die Bestandsverteilung der Tiere im Nachbarland auswirkt, sind Konflikte vorprogrammiert.Grenzüberschreitende Regelungen und eine Harmonisierung des Managementsystems können diese Probleme lösen.

 

Zwei Länder, zwei Lösungen

 

Der grenzüberschreitende Raum De Gelderse Poort ist ein solches Beispiel. Er ist auf deutscher Seite das wichtigste westdeutsche Binnenüberwinterungsgebiet der arktischen Blässgänse. Das gesamte Gebiet stand in den letzten 40 Jahren unter stets wechselndem Gänsemanagement (totales Jagdverbot, Ruhe- und Vergrämungsgebiete). Durch ihr lernendes Verhalten reagierten die Gänse jeweils mit unterschiedlicher Raumnutzung, Gruppengröße, Fluchtabstand und Intensität der Flächennutzung. Durch Konzentrationsprozesse werden noch immer Schadschwellen von Gänsefraß überschritten. Ist der Fluchtabstand durch Störungen von Gänsen groß, entsteht selbst auf einer einzelnen Fläche eine inhomogene Pflanzendecke, die die weitere Bewirtschaftung erschwert. Niedrige Fluchtabstände wiederrum kommen zusätzlich dem Naturtourismus der Region zu Gute, da sich die Gänse auf kurzem Abstand besser beobachten lassen. Man geht davon aus, dass Gänse die Vergrämungsgebiete aufgrund ihrer dortigen negativen Erfahrungen nicht nutzen und stattdessen nur in den Ruhegebieten fressen. Schäden werden in den Niederlanden daher nur dort finanziell ausgeglichen.

Inwieweit sich die Tiere der Theorie nach an das unterschiedliche Management tatsächlich anpassen, ist unbekannt. Aktuell besteht in den Niederlanden die Diskussion, die Jagd auf arktische Wildgänse zu verstärken, um Gänseschäden zu reduzieren. In NRW stehen die Tiere aber weiterhin ganzjährig unter Schutz. Angesichts der aktuellen Diskussion im Umgang mit arktischen Gänsen ist es sinnvoll, die bisherigen Managementsysteme in de Gelderse Poort auf ihre Effektivität hin auszuwerten.

 

Projekt

 

Das Projekt „Wildtiermanagement - Wandernde Tierarten in Grenzgebieten“ wird in Kooperation mit SOVON (Vogelonderzoek Nederland) durchgeführt. Erstmalig fanden in in diesem Projekt im Winterhalbjahr 2011/2012 aufeinander abgestimmte grenzüberschreitende Gänsezählungen statt. In wöchentlichem Abstand wurden in den Untersuchungsgebieten Ooijpolder auf der niederländischen Seite und den Naturschutzgebieten Düffel, Kellener Altrhein und Flußmarschen und Salmorth auf deutscher Seite alle Gänse gezählt sowie der Fluchtabstand der Tiere ermittelt. Zusammen mit weiteren Daten aus den Vorjahren, die bis in die 1970er Jahre zurück reichen, sind sie eine wertvolle Datengrundlage für das Projekt. Diese weitzurückreichende ist übrigens für grenzüberschreitende Gänserastgebiete einmalig.

 

Auf dieser Grundlage wird eine spezielles GIS-Anwendung (GIS= Geografisches Informations-System) entwickelt, mit dem Strategien für ein zukünftiges Management von Gänseäsungsflächen abgeleitet und das bestehende optimiert werden kann. Unter Berücksichtigung der Vorgaben des europäischen und nationalen Naturschutzrechts trägt diese zur Harmonisierung des grenzüberschreitenden Managements bei.
Die Computeranwendung soll auf andere arktische, grenzüberschreitende Gänserastgebiete übertragbar sein. Als ein Pilotmodell soll es Anstoß geben, um ähnliche Modelle für weitere Wildtierarten in Grenzräumen zu entwickeln un um ein Verfahren für den Umgang mit konfliktträchtigen Tiergruppen zu ermöglichen.



 

Info

In Deutschland und den Niederlanden überwintern jedes Jahr tausende arktische Wildgänse. Während in Deutschland überwiegend Bläss- und Saatgänse den verhältnismäßigen Winter und das breite Nahrungangebot Nutzen, überwintern in den Niederlanden hauptsächlich Weißwangen- und Ringelgänse. Beiderseits der Grenze gibt es unterschiedliche Regelungen zu Jagd und dem Ausgleich von Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen.

 

Das Projekt Wandernde Tierarten in Grenzgebieten analysiert diese Unterschiede und entwickelt ein Werkzeug für eine Entschärfung des Konfliktes, der durch die alljährlichen Fraßschäden der Wildgänse verursacht wird.

 

Projekztlaufzeit: Herbst 2011 bis Frühjahr 2013

 

Das Projekt „Wandernde Tierarten in Grenzgebieten“ wird im Rahmen des INTERREG IV A-Programms Deutschland-Nederland mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), der Bezirksregierung Düsseldorf und dem niederländischen Faunafonds finanziert. Es wird begleitet durch das Programmmanagement bei der Euregio Rhein Waal.