Mehr Struktur für den Rhein bei Wesel-Bislich
Der Untere Niederrhein war einst geprägt von einer engen Verzahnung von Fluss und Aue, von Stromspaltungen, regelmäßig durchströmten Nebengerinnen und einer großen Vielfalt an Strömungsverhältnissen und Lebensräumen. Durch den Ausbau des Rheins gingen diese Strukturen weitgehend verloren. Der Fluss wurde begradigt, eingeengt und technisch festgelegt.
Das Projekt „Nebenrinne Bislich-Vahnum“ setzte genau hier an. Ziel war es, dem Rhein wieder mehr Strukturvielfalt und Dynamik zurückzugeben und neue Lebensräume für typische Arten der Fluss- und Auenlandschaft zu schaffen – im Einklang mit Hochwasserschutz und Binnenschifffahrt. Dieses Projekt wurde gemeinsam mit den Partnern Biologische Station im Kreis Wesel, Universität zu Köln, Planungsbüro Koenzen und MULN NRW realisiert. Im diesem Projekt hat die NABU-Naturschutzstation Niederrhein als Projektträger mit der als Projektpartner zusammen gearbeitet.
Das Projektgebiet
Das Projektgebiet liegt im Naturschutzgebiet „Rheinaue Bislich-Vahnum“ bei Wesel-Bislich. Hier sollten ursprünglich mehrere bestehende Gewässer auf einer Länge von rund 2,5 Kilometern durch eine regelmäßig durchströmte Nebenrinne miteinander und mit dem Rhein verbunden werden. Da ein notwendiges Grundstück nicht zur Verfügung stand, konnte diese Planung nicht vollständig umgesetzt werden.
Stattdessen wurde ein etwa 1,3 Kilometer langer Seitenarm angelegt, der einseitig und tief an den Rhein angebunden ist. Bereits vorhandene Gewässer wurden in seinen Verlauf integriert und miteinander verbunden. Der Seitenarm ist an durchschnittlich rund 320 Tagen im Jahr mit dem Hauptstrom verbunden und kann später zu einer regelmäßig durchströmten Nebenrinne weiterentwickelt werden.
Umsetzung und Gestaltung
Der Zu- und Abfluss wird bis zum Mittelwasserstand über ein Einlassbauwerk auf zwei Kubikmeter pro Sekunde begrenzt, um den Schiffsverkehr nicht zu beeinträchtigen. Kurz nach der Fertigstellung – und auch während der winterlichen Baupausen – überschwemmte Hochwasser das Gebiet. Der Rhein formte das neue Gewässerbett weiter aus und ließ die Spuren der Bauarbeiten rasch verschwinden.
Zur Anlage des Seitenarms wurden etwa 25.000 Kubikmeter Boden bewegt. Lediglich der Einlaufbereich musste mit rund 900 Tonnen Wasserbausteinen gesichert werden. Der übrige Verlauf wurde bewusst naturnah und ohne starre Befestigungen angelegt, um eine dynamische Entwicklung zu ermöglichen.
Wirkung
Der neue Seitenarm schafft vielfältige Strömungs-, Tiefen- und Uferstrukturen und bietet neue Lebensräume für Fische, Wasservögel, Amphibien und wirbellose Tiere sowie für typische Pflanzen der Flussaue. Das Projekt ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einem wieder lebendigeren Rhein am Niederrhein.
Mehr zum Projekt
Weitere Informationen sind in der Projektbroschüre zu finden. Sie kann hier heruntergeladen werden und ist an der NABU-Naturschutzstation Niederrhein in Papierform erhältlich.
Aktuelle Entwicklungen
Entlang des Rheins sind die Naturschutzreferentinnen und -referenten der NABU-Naturschutzstation weiterhin besonders engagiert tätig. Das aktuelle EU-Life-Projekt „Wiederherstellung des Feuchtgebietscharakters der Rheinaue Emmericher Ward“ läuft noch bis Ende 2026 und weitere Projekte sind in Vorbereitung. Es lohnt sich die Webseite im Blick zu behalten.
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