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Wald

Für viele Menschen gilt Wald als Natur schlechthin. Dem ist aber keineswegs so. In allen Wäldern Deutschlands ist der Einfluss des Menschen zu sehen; nur in wenigen Wäldern ist er so schwach, dass sie an Urwälder erinnern. Wald ist damit immer auch Kulturlandschaft. Und diese kann von ganz unterschiedlicher Bedeutung für die Artenvielfalt sein.

 

 

Nadelholz als Retter in der Not

Im 19. Jahrhundert begannen die Förster großflächig mit dem Anbau von Nadelholz. Die Ursachen für die damals beginnende Verdrängung der naturnahen Laubwälder sind vielfältig: Teilweise gelangen Aufforstungen großer Heiden oder Kahlflächen mit Nadelbäumen sehr viel einfacher als mit Laubbäumen. In der Umgebung von Bergbauanlagen war die Nachfrage nach Nadelholz besonders groß, nachdem man entdeckt hatte, dass in Stollen Stützen aus Nadelholz den Bergmann vor dem endgültigen Zerbrechen mit einem Knacken warnen. So hat das 21. Jahrhundert weite Nadelholzlandschaften geerbt, die frei waren von naturnahen Lebensräumen und den meisten typischen Waldarten. Obwohl sich schnell die ersten „Katastrophen“ wie großflächige Windwürfe und Massenvermehrungen von baumschädigenden Insekten einstellten, wurde bis in die 80er und 90er Jahre Nadelholz im Anbau bevorzugt, da es einen schnelleren Gewinn versprach als der anspruchsvollere Anbau von naturnahen Laubmischwäldern. Erst dann setzte sich die Erkenntnis wenigstens weitgehend durch, dass nur Mischwälder einen stabilen und nachhaltigen Waldbau gewähren können. Aber immernoch werden vor allem in den Mittelgebirgen noch Fichtenplantagen statt Wälder angelegt – zum Teil sogar auf Windwurfflächen!

 

 

 

Auf Totholz leben mehr Tiere als auf lebenden Bäumen

Aber auch der Anbau von Mischwäldern aus einheimischen Bäumen beinhaltet ein grundsätzliches Problem für den Naturschutz: Das Holz des Waldes stellt einen riesigen Energievorrat dar, auf den sich allein in Deutschland tausende Käferarten eingestellt haben! Das Problem: Solange der Baum lebt, weiß er sich mit der Borke wirkungsvoll zu schützen. Wenn er stirbt, verliert das Holz den Schutz und für die Totholzkäfer öffnet sich förmlich die Tür zur Speisekammer. Damit gibt es eine grundsätzliche Konkurrenz zwischen Menschen und zahlreichen Tierarten um die Ressource Holz. Da sowohl die komplette Lebensgemeinschaft des Waldes erhalten werden muss als auch der relativ umweltfreundliche Rohstoff Holz genutzt werden soll, müssen intelligente Kompromisse erzielt werden, die beiden Zielen möglichst weitgehend gerecht werden. So muss ein Netz aus großen, ungenutzten Waldstücken entstehen, das mit kleineren und selbst kleinsten Totholzinseln verdichtet werden muss. Oft sind die wirtschaftlich weniger bedeutenden Bäume diejenigen, die besonders viele Möglichkeiten für Insekten und Vögel bieten: Krumme Bäume, Zwiesel oder verwundete Bäume bieten Käfern und Moosen besonders vielfältigen Lebensraum. Davon profitieren dann wiederum Vögel und andere Waldbewohner.

 

Menschlicher Einfluss ist auch positiv

Übrigens ist er Einfluss des Menschen auf die Waldlandschaften mitnichten immer negativ. Zahlreiche Kulturrelikte, die im Wald besser erhalten sind, als im Offenland tragen zur Artenvielfalt bei. Baumreihen, Wallhecken, künstliche Gewässer oder Niederwaldreste tragen erheblich zur Vielfalt des Lebensraumes Wald bei. Selbst Waldwege können bei entsprechender Gestaltung zu einem wichtigen Lebensraum Halbschatten liebender Schmetterlinge werden.

 

Der Reichswald – der größte Wald am Niederrhein

Für all dies gibt es Beispiele auch im Klever Reichswald. Vor allem der Süden und Osten des Reichswaldes ist von Nadelholzbeständen geprägt, die nach dem Krieg entstanden sind. Einige sehen noch sehr einförmig aus, andere konnten in Mischwälder umgeformt werden. In den letzten Jahren haben verschiedene Stürme und die Trockenheit, begleitet von einer Borkenkäfer-Massenvermehrung zu einem rasanten Schwund der Nadelholzforste geführt. Gerade diese Entwicklung belegt, dass nie wieder naturferne, monotone Waldbestände begründet werden dürfen – sie wäre eine schwere Hypothek für die nächsten Menschengenerationen.

 

Einen großen Kontrast bilden die nicht bewirtschafteten Buchenwälder im NSG Geldenberg, vor allem rund um den Geldenberg und hinter dem großen Ehrenfriedhof: Diese Wälder vermitteln einen guten Eindruck davon, wie wohl die ursprünglichen Wälder hier ausgesehen haben. In den naturnahen Beständen konnten Käferexperten mehrere hundert Käferarten finden, etwa ein Viertel der Käferarten NRWs – und das in nur einem Jahr.

 

Im Klever Tiergartenwald gibt es Beispiele dafür, wie man Nutzung und Naturschutz gut vereinen kann: Bäume werden nur einzeln gefällt, die Nachbarn bleiben stehen, obwohl sie im forstlichen Sinne schon hiebsreif sind. Ebenso bleiben etliche Bäume, die ganz oder halb abgestorben sind stehen, weil diese einen wertvollen Lebensraum darstellen.

 

Im Reichswald gibt es auch etliche Beispiele, wie die historische Landnutzung früherer Jahrhunderte bis heute das Waldbild prägt, zum Teil mit artenreichen Klein-Lebensräumen. Ein besonders eindrückliches Beispiel ist die Wallhecke am Westrand des Reichswaldes, deren knorriger Bewuchs von den Versuchen in früheren Jahrhunderten berichtet, den Waldrand mit ineinander verflochtenen Buchenzweigen zu einem undurchdringlichen, lebenden Zaun zu machen. Heute stellt das ein wichtiges historisches Dokument dar und die toten Äste stellen einen wertvollen Lebensraum dar.

 

Naturschutzprojekte im Wald

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... Naturschutz im Kreis Kleve gibt es halbjährlich im Nikk.

 

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